07.10.2016 | KPMG

Umfrage: Banken weiten Immobilienfinanzierung aus – sind aber zurückhaltender als 2015

Büroimmobilien sind nach wie vor am stärksten nachgefragt.
Bild: PhotoDisc Inc.

Rund 90 Prozent der Banken in Europa haben im ersten Halbjahr 2016 ihre Aktivitäten im Bereich Immobilienfinanzierung im Vergleich zum Vorjahr konstant gehalten oder sogar ausgeweitet, wie eine Umfrage von KPMG zeigt. Allerdings sind die Banken deutlich zurückhaltender als noch vor einem Jahr. „Bedingungen, wie sie vor der globalen Finanzkrise bestanden haben, sind bisher nicht zurückgekehrt", so KPMG-Partner Erich Thewanger.

Dabei ist die Immobilienfinanzierung für die Banken laut KPMG-Umfrage "Property Lending Barometer", für die rund 100 Geldinstitute in 21 europäischen Ländern befragt wurden, nach wie vor ein strategisch wichtiges Geschäftsfeld.

„Insgesamt befindet sich der europäische Immobilienfinanzierungsmarkt weiterhin auf einem Pfad der Erholung“, sagte Jürgen Paskert, Partner im Bereich Audit bei KPMG. Und Kapitalgeber sind bei der gewerblichen Immobilienfinanzierung in Deutschland dem aktuellen FAP Mezzanine Report zufolge wieder deutlich risikofreudiger.

Nach Ansicht der befragten Banken beeinflusst aber vor allem der Mangel an hochwertigen Immobilien die Qualität der Kreditportfolios ganz entscheidend: Diese könnte aufgrund des Mangels an Core-Immobilien weiter sinken.

Wettbewerb verschärft sich: Banken konkurrieren mit Private-Equity- und Debt-Fonds

Der Wettbewerb innerhalb der Kreditinstitute, aber auch zwischen Kreditinstituten und alternativen Kreditgebern verschärft sich weiter. In den führenden Märkten gaben die Befragten an, dass ihre größten Konkurrenten unter den alternativen Kreditgebern Private-Equity-Fonds und Debt-Fonds seien.

Wichtigste Kriterien für eine Finanzierung sind nach übereinstimmender Aussage der befragten Banken weiterhin ein solides Geschäftsmodell und die Qualität der Immobilie. Über ein Viertel der Gesamtinvestitionen im ersten Halbjahr 2016 flossen der Umfrage zufolge in den Immobilienmarkt Großbritanniens, hieran hat auch der Brexit nichts geändert. Ein Fünftel der Investitionen floss nach Deutschland. Die beliebteste Assetklasse sind nach wie vor Büroimmobilien. 44 Prozent wurden europaweit in Bürogebäude investiert.

Sowohl das Risikoprofil des jeweiligen Landes als auch die Reife des Immobilienmarktes haben Einfluss auf die Höhe der Marge. Für projektierte Büroimmobilien in Deutschland oder Spanien liegt diese Marge nach Angabe der Banken zwischen rund 1,5 und drei Prozent, bei Bestandsimmobilien zwischen rund 1,2 und 3,2 Prozent.

Optimismus bezüglich ausfallgefährdeter Kredite

Die Mehrheit der befragten Banken geht davon aus, durch Restrukturierungen den größten Teil der ausfallgefährdeten Kredite – rund zwei Drittel – erfolgreich managen zu können. Am höchsten ist diese Quote in Belgien (rund 95 Prozent), gefolgt von Tschechien (rund 85 Prozent) und Schweden (rund 80 Prozent). Auch Deutschland liegt hier mit einer Quote von knapp 80 Prozent deutlich über dem europäischen Durchschnitt.

Den höchsten Anteil ausfallgefährdeter Immobilienkredite verzeichnen Immobilien in Spanien, gefolgt von Italien. In Spanien laufen nach Aussage der Banken rund 60 Prozent aller Kredite Gefahr auszufallen; knapp ein Fünftel aller Kredite sehen die Befragten dabei als „ernsthaft gefährdet“ an.

Der Anteil ausfallgefährdeter Kredite auf dem deutschen Immobilienmarkt beträgt hingegen nur rund sechs Prozent. Vergleichsweise hoch ist der Anteil gefährdeter Immobilienkredite auf den etablierten Märkten Slowakei (rund 25 Prozent) und Niederlande (rund 20 Prozent).

Schlagworte zum Thema:  Immobilienfinanzierung, Bank, Immobilien, Büroimmobilie

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