Konsolidierung am Markt für Immobilien-Crowdinvesting

Immer mehr Geld fließt über Crowdinvesting in Immobilien, trotz mancher Risiken. Rund 120 Anbieter buhlen derzeit am deutschen Markt um Anleger. Nach einzelnen Beteiligungen gab es vor Kurzem die erste Fusion: Der größte Player konkurriert nun eigentlich nur noch mit der etablierten Anlagewelt.

Exporo und Zinsland, bislang die Marktführer eins und zwei auf dem deutschen Markt für digitale Immobilieninvestments, verfügen nach dem Zusammenschluss Anfang Oktober nach eigenen Angaben gemeinsam nun über einen Marktanteil von etwa 85 Prozent.

"Vor fünf Jahren sind wir in Hamburg quasi als Nachbarn mit derselben Vision gestartet, jetzt wollen wir unsere Ressourcen bündeln", sagte Carl von Stechow, Gründer von Zinsland, nach Abschluss des Mergers. Die anderen Portale seien keine Konkurrenz mehr, "sondern es ist die große alte Anlagewelt, wie zum Beispiel Immobilienfonds", sagte Simon Brunke, Mitgründer und CEO von Exporo, in einem Gespräch mit Finance Forward. Auf der Firmen-Webseite äußerte der Exporo-Chef bereits neue Expansionspläne: "Gemeinsam kommen wir unserer Vision von einer Million europäischer, digitaler Immobilieninvestoren einen Schritt näher".

Auch die großen "alten" Immobilienfinanzierer wollen in der digitalen Welt mitspielen. Im April dieses Jahres ist die Commerzbank als erstes deutsches Finanzinsitut bei einer Crowdinvesting-Plattform eingestiegen und hält über die Tochter Commerz Real einen Anteil von 24,9 Prozent an Bergfürst, dem derzeit drittgrößten Anbieter am Markt. Auch Bergfürst will nach eigenen Angaben die Internationalisierung vorantreiben.

Crowdfunding setzt sich nicht durch

Crowdfunding, so der Überbegriff, habe sich in Deutschland nicht wirklich durchgesetzt, sagt Michael Gebert, Vorstandsvorsitzender des Deutschen Crowdsourcing Verbandes. Zwar hatten in einer Umfrage von Omniquest Gesellschaft für Befragungsprojekte im Auftrag des Informationsportals crowdfunding.de, die zuletzt 2018 erhoben wurde, mehr als 67 Prozent der 1.000 Befragten gesagt, schon einmal von dem Konzept gehört zu haben, doch nur rund ein Drittel weiß, worum es sich beim Crowdfunding handelt. Und nur knapp zwölf Prozent haben sich schon einmal finanziell an einem Projekt beteiligt.

Gewachsen ist jedoch vor allem das Crowdinvesting (auch equity-based Crowdfunding) in Immobilien, erklärte Oliver Gajda vom European Crowdfunding Network. Das Risiko sei eher gering, denn die Projekte würden meist von etablierten Bauunternehmen betrieben. Und die Plattformen, allen voran Exporo, hätten ein Interesse daran, dass das Geld der Investoren nicht im Nirwana verschwinde, so Gajda. 128 Plattformen für Immobilien-Crowdinvesting zählt crowdfunding.de (Stand 31.10.2019) derzeit in Deutschland.

Nach Angaben von crowdfunding.de flossen im Jahr 2018 insgesamt 297 Millionen Euro von Privatanlegern in Crowdfunding-Projekte. Das ist gegenüber 2017 ein Wachstum von 50 Prozent. Der Immobilienumsatz ist demnach sogar um zwei Drittel auf 211 Millionen Euro gestiegen.

Immobilien-Crowdinvesting lockt mit satten Renditen – nicht ohne Risiko

In Niedrigzinszeiten suchen Anleger zunehmend nach lukrativen Anlagemöglichkeiten. Vielen erscheint Crowdinvesting in Immobilien attraktiv. Die versprochenen Renditen sind verlockend: Oft gibt es mehr als fünf Prozent pro Jahr. Bis zu 7,5 Prozent verspricht etwa Bergfürst jährlich. "Allerdings ist eine jährlich konstante Rendite nur bei etablierten Unternehmen und klassischen Immobilieninvestments zu erwarten", warnte Professorin Ingrid Größl, Vorstand des Instituts für Finanzdienstleistungen (iff) in Hamburg.

Der Grund für die vergleichsweise hohe Rendite liegt im Risiko begründet: Das ist der Wissenschaftlerin zufolge bei Crowdinvesting im Durchschnitt höher als bei herkömmlichen Anlagen. Wenn das Projekt scheitert, verlieren Anleger ihr Geld ganz oder teilweise. Zinsland zum Beispiel stand bereits in der Kritik: Vor zwei Jahren waren zwei Projektgesellschaften, die sich über die Plattform Geld für geplante Mikroapartments in Berlin geliehen hatten, in die Insolvenz gerutscht. Ob die Kleinanleger ihr Geld wieder bekommen, ist noch immer unklar. Bei Exporo wähnt man sich auf der sicheren Seite: Von den mehr als 500 Millionen Euro, die über die Plattform investiert worden seien, seien "ohne jegliche Ausfälle" bereits rund 172 Millionen Euro zurückgezahlt worden, teilt das Unternehmen auf seiner Homepage mit.

Laut Größl sind Immobilienfinanzierungen über die Crowd grundsätzlich sicher. Eine Ausnahme seien jedoch Projektentwicklungen. "Sie sind sehr riskant." Anleger sollten zudem darauf achten, ob vorzeitig gekündigt werden kann und welche Kosten dadurch entstehen. Die Rechtsform, die am häufigsten zum Einsatz kommt, ist das Nachrangdarlehen", so iff-Kollege Dirk Ulbricht. Im Fall einer Insolvenz werden die Crowdfunding-Anleger zuletzt bedient. In der Regel bedeutet das den Totalausfall des investierten Geldes. Mitsprache- und Informationsrechte gibt es nicht.


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dpa