27.06.2013 | Köln

Sal. Oppenheim-Prozess: Teile der Anklage fallen weg

Die Angeklagten beteuern weiterhin ihre Unschuld
Bild: Sal. Oppenheim

Im Untreue-Prozess um die Privatbank Sal. Oppenheim vor dem Landgericht Köln gibt es eine Wendung:  Die 16. Große Strafkammer hat am Mittwoch auf Antrag der Staatsanwaltschaft einen Teilaspekt vorläufig eingestellt. Die Staatsanwaltschaft will so zu einer konzentrierten Hauptverhandlung beitragen.

Oberstaatsanwalt Gunnar Greier sagte, mit der vorläufigen Einstellung solle das umfangreiche Verfahren beschränkt werden. Es geht um den Vorwurf, dass die ehemalige Bankführung der Arcandor-Großaktionärin Madeleine Schickedanz im Jahr 2005 einen Kredit in Höhe von 380 Millionen Euro über eine Strohmanngesellschaft gewährt haben soll.

Gerichtssprecher Dirk Eßer erläuterte, dieser Aspekt der Anklage betreffe zwar die höchste Summe, es handele sich aber um einen vergleichsweise weniger schweren Vorwurf, da es nur um eine Vermögensgefährdung und nicht um eine tatsächlich eingetretene Schädigung gehe. Die verbliebenen Anklagepunkte reichten allemal aus, um im Falle eines Schuldspruchs den Tatbestand der schweren Untreue zu erfüllen.

Gericht weist Besetzungsrüge zurück

In den bisher schleppend verlaufenden Prozess kam am Mittwoch in mehrfacher Hinsicht Bewegung. So konnten die Angeklagten erstmals Stellung zu den Vorwürfen nehmen. Außerdem wurden die Anklagen verlesen. Dies war möglich geworden, weil die Vorsitzende Richterin Sabine Grobecker eine Besetzungsrüge der Verteidigung zurückgewiesen hatte.

Der Vorwurf der Verteidigung zielte darauf ab, dass die Staatsanwaltschaft beeinflussen könne, welche Kammer des Gerichts sich mit welchem Fall befasse. Doch Grobecker bezeichnete die Gefahr, dass die Zuweisungsprozedur missbraucht werden könne, als „abstrakt“.

Angeklagt sind die vier ehemals persönlich haftenden Bank-Gesellschafter Matthias Graf von Krockow (64), Christopher Freiherr von Oppenheim (47), Dieter Pfundt (60) und Friedrich Carl Janssen (69) sowie ein damaliger Geschäftspartner, der Immobilienunternehmer Josef Esch (56). Ihnen wird teils Untreue in besonders schwerem Fall, teils Beihilfe dazu vorgeworfen.

Angeklagte beteuern Unschuld

Die Angeklagten beteuern ihre Unschuld. So sagte der Anwalt von Graf Krockow, sein Mandant trete den Vorwürfen entgegen. In unternehmerischem Sinne übernehme er dagegen durchaus die Verantwortung für seine Entscheidungen und trage schwer daran. Im Übrigen habe auch er selbst den wesentlichen Teil seines Vermögens verloren.

Die Staatsanwaltschaft wirft den Angeklagten vor, das Geldhaus mit drei Immobiliengeschäften um rund 145 Millionen Euro geschädigt zu haben. In 2008 hätten die vier persönlich haftenden Gesellschafter der schwer angeschlagenen Arcandor AG (ehemals Karstadt/Quelle) zudem Kredite gewährt, ohne die Risiken angemessen abzuwägen. Der Schaden für die Bank betrug laut Staatsanwaltschaft knapp 80 Millionen Euro.

Schlagworte zum Thema:  Prozess, Immobilienwirtschaft, Untreue

Aktuell

Meistgelesen