Die Mehrheit der Investoren in Deutschland, Frankreich und Großbritannien rechnet bereits für 2019 oder 2020 mit wieder steigenden Renditen, wie die Investitionsklima-Studie von Union Investment zeigt. Bei gleichen Renditen ein höheres Risiko eingehen würden von den 163 befragten Unternehmen nur noch 28 Prozent. Vor einem halben Jahr wären dazu noch 37 Prozent der Investoren bereit gewesen. Einen großen Bogen machen 63 Prozent der Investoren derzeit um Einzelhandelsimmobilien.

Der mit 64 Prozent weitaus größere Anteil der Investoren (Vergleichswert Winter 2017/18: 56 Prozent) will seiner Risikostrategie treu bleiben und ist bereit, geringere Renditen zu erzielen.

Eine Trendwende im Zyklus erwarten europäische Investoren nicht vor 2020.

Rendite: Pessimistische Prognose in Deutschland

Spiegelbildlich zur schwindenden Risikoneigung zeigen sich bei den befragten europäischen Immobilieninvestoren die sehr verhaltenen Renditeerwartungen: Weniger als 50 Prozent der Immobilienunternehmen glauben, die selbst gesteckten Renditeziele erreichen zu können, weder in drei noch in fünf Jahren.

Besonders pessimistisch fällt die Renditeprognose bei den deutschen Investoren aus: 55 Prozent stellen sich auf Abstriche bei den Renditen mindestens bis 2023 ein. 

Rendite für 58 Prozent der Investoren wichtigster Anlageaspekt

"Die Bonität von Mietern und die bauliche Qualität von Objekten haben unverändert den größten Einfluss auf Investitionsentscheidungen", sagt Olaf Janßen, Leiter Immobilienresearch bei Union Investment. Die Studie hat eine weiterhin hohe Sicherheitsorientierung beobachtet: Immerhin für knapp 30 Prozent der interviewten Investoren ist Sicherheit der wichtigste Aspekt bei Anlageentscheidungen, für neun Prozent ist Liquidität am wichtigsten, für 58 Prozent Rendite.

Eine stärkere Risikoausrichtung als bei der Befragung im Winter 2017/18 ist laut Union Investment nur unter den französischen Investoren auszumachen. "Überraschend ist die Deutlichkeit, mit der bestimmte Marktsegmente für Investments in den nächsten Monaten ausgeschlossen werden", so Olaf Janßen.

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Einzelhandelsimmobilien gemieden Hotelinvestments vorsichtig betrachtet

Investments in Einzelhandelsimmobilien sind derzeit weniger gefragt: Laut Union Investment wollen 63 Prozent der Investoren in den kommenden zwölf Monaten einen Bogen um Einzelhandelsinvestments machen. Vor allem britische Anleger sind skeptisch: 82 Prozent werden Investitionen kurzfristig umgehen. In Frankreich liegt der Wert bei ebenfalls hohen 70 Prozent. In Deutschland herrscht mit einer Vermeidungsquote von 40 Prozent noch eine vergleichsweise hohes Zutrauen in den heimischen Retailmarkt.

Auch bei Hotelinvestments werden Investoren in den nächsten zwölf Monate vorsichtig sein, wie die Studie zeigt. 33 Prozent der Unternehmen wollen Hotelinvestments ganz lassen. 29 Prozent der Befragten werden sich eher bei Logistik enthalten. Die Segmente Wohnen (20 Prozent) und Büro (18 Prozent) stehen nur bei wenigen der Investoren auf der einstweiligen "black list".

"Die Skepsis bezüglich der Werthaltigkeit der Investments ist in Deutschland und Frankreich bei allen abgefragten Immobiliensegmenten zu spüren. Hier ist Risikovermeidung in einem weit fortgeschrittenen Marktzyklus das durchgehende Motiv", sagt Olaf Janßen.

Coworking: Deutsche Investoren bei Renditechancen zurückhaltend

Bei Büroinvestment-Trend Coworking hat Union Investment ganz unterschiedliche Renditeerwartungen beobachtet. Rund 60 Prozent der Studienteilnehmer würden in Single-Tenant-Objekte investieren, die an einen Coworking-Anbieter vermietet sind.

Die größte Offenheit für Investments dieser Art wurde in Frankreich (73 Prozent Zustimmung) festgestellt, gefolgt von Großbritannien (58 Prozent). In Deutschland hingegen werden Renditechancen im Mietsegment Co-Working noch zurückhaltend beurteilt: Nur 46 Prozent können sich ein Investment in Objekte mit einem Einzelmieter wie WeWork oder Mindspace derzeit vorstellen.

Erwartungsindex: Deutschland auf niedrigstem Niveau seit drei Jahren

Sehr gering ausgeprägt sind die Renditeerwartungen für Immobilieninvestments in Großbritannien. Drei von vier Investoren mit Sitz in Deutschland geben in der Studie an, derzeit nicht im britischen Immobilienmarkt investieren zu wollen. Etwas größer ist das Vertrauen der französischen Investoren in den britischen Immobilienmarkt: 55 Prozent haben UK für die nächsten zwölf Monate "on hold" gesetzt.

32 Prozent der britischen Investoren gehen davon aus, dass sich die Rahmenbedingungen auf der Insel verschlechtern werden, weitere 56 Prozent erwarten sich bis Sommer 2019 keine Aufhellung des Investitionsklimas. Insgesamt bleibt die Stimmung auch auf den europäischen Büroinvestmentmärkten verhalten. Nur jeder vierte Investor beobachtet Anzeichen einer kurzfristigen Marktaufhellung. In UK glauben gerade einmal zwei Prozent an einen verbesserten Ausblick für ihrem Heimatmarkt.

Der Erwartungsindikator in Deutschland büßt gegenüber der letzten Messung vor einem halben Jahr mehr als sechs Punkte ein und erreicht mit 55,7 von 100 möglichen Punkten das niedrigste Niveau seit mehr als drei Jahren. In Frankreich sinkt der Indikator um knapp fünf Punkte auf 60,8 Punkte. In UK fällt der Erwartungsindikator auf nur noch 41,2 Punkte.

Investitionsklimaindex: Brexit sorgt für trübe Stimmung in UK

Die Stimmung unter den britischen Investoren ist laut Union Investment vor allem im Kontext des Brexit weiter eingetrübt. Mit nur noch 60,6 Punkten (Winter 2017/18: 63,6 Punkte) verliert dieser weiter an Boden. Eine Studie von Christie & Co von Februar 2018 kam hier zu einem ganz anderen Schluss. Mit 67,7 Punkten weist Frankreich laut Union Investment trotz leichter Verluste in der vierten Messung in Folge noch das beste Stimmungsbild unter den drei größten europäischen Volkswirtschaften auf.

Der Investitionsklimaindex in Deutschland verliert ebenfalls leicht und pendelt sich mit 65,1 Punkten auf einem niedrigen Niveau ein.

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