EVIC-Umfrage: Immobilieninvestoren trotz Krise in Kauflaune

Der Kapitaldruck der Profianleger ist groß: Trotz Krise wollen 2021 weit mehr Investoren ihre Bestände aufstocken als im Vorjahr, wie eine Umfrage von Engel & Völkers Investment Consulting (EVIC) zeigt. Im Fokus: Ganz klar Wohnimmobilien, auch außerhalb der Metropolen.

80 Prozent der befragten Immobilieninvestoren wollen laut Engel & Völkers Investment Consulting (EVIC) im neuen Jahr weiter ankaufen das ist fast die Hälfte (43 Prozent) mehr als im Vorjahr. "Keiner der Befragten rechnet mit einem übergreifenden Pessimismus in der Branche", sagt Kai Wolfram, geschäftsführender Gesellschafter von EVIC.

Dabei stehen Wohnimmobilien stärker denn je im Fokus der von Oktober bis Dezember 2020 befragten 221 Anleger während ihre Meinung zu Büroimmobilien zwiegespalten ist und von der Corona-Krise besonders betroffene Nutzungsarten wie Hotel oder Einzelhandel deutliche Einbußen hinnehmen müssen.

Wohnimmobilien: Produktmangel bei guten Objekten steigt auch außerhalb der Top 7

Neben den Top-7-Städten (Berlin, Düsseldorf, Frankfurt am Main, Hamburg, Köln, München und Stuttgart) rückt verstärkt das Umland dieser Städte in den Fokus der Investoren. Zum Teil sind jedoch auch Zukäufe an Sekundärstandorten geplant. Berlin führt mittlerweile das Feld der beliebtesten Investmentstandorte gleichauf mit München an. Der hohe Kapitaldruck bei institutionellen Investoren wird der Umfrage zufolge den Produktmangel von Core-Objekten in den Großstädten und im Speckgürtel der Metropolen in den kommenden Monaten noch deutlich verschärfen.

Ein Drittel der Investoren erwartet für 2021 eine stärkere Spaltung der Branche in Gewinner und Verlierer. Die Assetklasse Wohnen führt das Ranking an: Wohnimmobilien stehen bei 64,1 Prozent der Anleger auf der Einkaufsliste, die Nachfrage nach Büroimmobilien bleibt trotz der erwarteten geringeren Nutzernachfrage konstant (41 Prozent) 70 Prozent der Anleger prognostizieren höhere Leerstände im Bürosegment. Etwa jeder dritte Investor (33 Prozent) will auch noch weiter in Logistikobjekte investieren. Demgegenüber verlieren Einzelhandel (außer Lebensmittel) und Hotel deutlich: Mehr als jeder zehnte Anleger (zwölf Prozent) will den Hotelbestand verkleinern, jeder fünfte (20 Prozent) will seine Einzelhandelsimmobilien im Non-Food-Bereich abstoßen.

Trotz Krise: Weiter steigende Preise erwartet

Der Non-Food-Einzelhandel und Hotels leiden besonders unter den Folgen der Corona-Pandemie – "und damit auch die Eigentümer in diesen Bereichen", sagt John Kamphorst, Mitglied der EVIC-Geschäftsleitung. In beiden Bereichen waren im Befragungszeitraum Mietstundungen und Mietreduzierungen ein großes Thema.

Der EVIC-Umfrage zufolge waren im Hotelsegment rund 36 Prozent der Eigentümer damit konfrontiert – im Durchschnitt mussten die Mieten um knapp 60 Prozent gemindert werden. Im Einzelhandel hat knapp jeder zweite Eigentümer die Mieten im Schnitt um rund 25 Prozent gesenkt. Die große Mehrzahl der Investoren (76 Prozent) sieht ein "mittleres Risiko", dass die "mieterseitigen wirtschaftlichen Turbulenzen 2021 verstärkt auf die Vermieterseite überschlagen könnten." Zwölf Prozent gehen sogar von einem hohen Risiko aus.

Einen Einfluss der anhaltenden Krise auf die Immobilienpreise erwarten die befragten Investoren eher nicht. Die meisten (79,6 Prozent) gehen davon aus, dass in den Ballungsräumen die Preise sogar noch steigen werden. In den regionalen Märkten erwartet rund die Hälfte (57,4 Prozent) der Anleger Preissteigerungen.

Als Folgen der Pandemie befürchten die meisten der befragten Investoren (81 Prozent) jedoch insbesondere höhere Eigen­kapitalerfordernisse. Nur rund ein Viertel der Befragten (24,1 Prozent) rechnet noch mit steigenden Renditen. Die Bereitschaft zum Einsatz hoher Eigenkapitalanteile (mehr als 50 Prozent) nimmt ab.

EVIC-Umfrage "Investment Pulse 2020/21"


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