Investment: Immobilien mit Leerstand werden zur Option

Die Ankaufsrenditen sinken, die Mieten steigen auf den wichtigsten europäischen Immobilienmärkten. Das führt laut einer Umfrage von Union Investment dazu, dass immer mehr Investoren bei guten Vermietungsprognosen den Kauf von Gebäuden mit Leerstand prüfen. Das Asset Management wird wichtiger.

Die florierenden Vermietungsmärkte begünstigen derzeit Ankäufe mit Leerständen. Die Umfrage von Union Investment unter 150 institutionellen Immobilieninvestoren in Deutschland, Frankreich und Großbritannien zeigt, dass rund 65 Prozent der deutschen und 73 Prozent der französischen Immobilienunternehmen derzeit in den jeweiligen Heimatmärkten den Ankauf von gewerbliche Immobilien mit anteiligen oder vollständigen Leerständen prüfen.

Asset Management gewinnt an Bedeutung

Nur die britischen Investoren sind auf dem eigenen heimischen Markt vorsichtig. Hintergrund ist der Brexit: Rund 50 Prozent der Befragten gaben in der Umfrage an, deshalb den Ankauf von leerstehenden gewerblichen Immobilien in Deutschland und Frankreich in Erwägung zu ziehen. Andere europäische Kernmärkte wie die Niederlande, Schweden oder Spanien spielen für die Befragten mit Blick auf Leerstandskäufe nur eine untergeordnete Rolle.

"Durch Ankäufe mit Vermietungsaufgaben steigt die Bedeutung des Asset Managements." Olaf Janßen, Leiter Immobilien-Research bei Union Investment

Hier sei es vorteilhaft, eigene Teams vor Ort zu haben, um die Flächen zeitnah und zu den angestrebten Konditionen zu vermarkten.

UI-Studie Europa Hj 2 2019

Renditeerwartung gering, Risikoausrichtung defensiv

Laut Union Investment stehen viele Marktteilnehmer auch wegen der weiter sinkenden Ankaufsrenditen unter Zugzwang, alternative Lösungswege zu beschreiten. 67 Prozent der befragten Immobilieninvestoren gehen davon aus, dass die Entscheidung der Europäischen Zentralbank (EZB), den Leitzins niedrig zu halten, zu einem weiteren Absinken der Nettoanfangs-Renditen führen wird. 50 Prozent gehen davon aus, angepeilte Renditeziele nicht erreichen zu können. Infolgedessen bleibt die Risikoausrichtung der Investoren eher defensiv. Zwei von drei Befragten verfolgen die Anlagestrategie "Gleiches Risiko – geringere Rendite".

"Die europäischen Immobilieninvestoren haben sich bislang relativ gut auf die 'lower for longer Strategie' der EZB eingestellt. Sie überschlagen sich weder in Renditefantasien, noch vernachlässigen sie ihr Risikomanagement." Olaf Janßen, Leiter Immobilien-Research bei Union Investment

Bei der prognostizierten Renditeentwicklung in den kommenden zwölf Monaten ergibt sich für die verschiedenen Nutzungsarten ein differenziertes Bild. So gehen rund 40 Prozent der Investoren davon aus, dass die Renditen für Shopping-Center und Logistikimmobilien wieder steigen werden. Bei High-Street-Objekten und Büroimmobilien sagen das nur etwa 20 Prozent der Investoren.

UI-Studie Investmentklima Europa Hj 2 2019

Immobilien-Investitionsklima in Europa stabil

Trotz weiter steigender Preise glauben 57 Prozent der Studienteilnehmer daran, dass das jährliche Transaktionsvolumen in den europäischen Core-Märkten gleich bleibt oder leicht wächst. Im Vergleich zur Umfrage von Union Investment im Januar zeigt das aktuelle Klimabarometer für europäische Immobilieninvestitionen insgesamt nur geringfügige Ausschläge.

Die Werte für Deutschland mit 63,4 (plus 0,2 Punkte) und Frankreich mit 66,6 (minus 0,2) haben sich kaum verändert, während sich das Klima in Großbritannien mit 58,9 (minus 1,2) weiter verschlechtert hat. Für die kommenden zwölf Monate gehen 77 Prozent der Befragten davon aus, dass das Investitionsklima auf diesem Niveau bleibt oder sich etwas verbessert. Dabei wird die Immobilienwirtschaft in den kommenden Monaten im Windschatten fiskalpolitischer Regulatorik bleiben.

Methodik

Der Immobilien-Investitionsklimaindex von Union Investment berechnet sich aus vier Teilindikatoren: "Marktstruktur", "Rahmenbedingungen", "Standortbedingungen" und "Erwartungen" werden mit jeweils 25 Prozent gewichtet. Für den Index befragte das Marktforschungsinstitut Ipsos im Zeitraum Mai bis Juli 2019 insgesamt 150 Immobilienunternehmen und institutionelle Immobilienanleger in Deutschland (60), Frankreich (55) und Großbritannien (35).


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