Unter europäischen Investoren ist eine steigende Akzeptanz für geringere Immobilienrenditen auszumachen Bild: Andreas Hermsdorf ⁄

50 Prozent der professionellen Immobilienanleger richten sich dem Immobilien-Investitionsklimaindex von Union Investment zufolge auf einen bis 2018/2019 anhaltenden Marktzyklus ein: Entsprechend gestiegen ist die Bereitschaft der Investoren, für diese Phase Abstriche bei der Verzinsung zu akzeptieren, zusätzliche Risiken zu umgehen und Immobilienstrategien zu entwickeln, die der Erwartung „lower for longer“ Rechnung tragen. Bezüglich der Brexit-Folgen äußerten sich die Investoren unterschiedlich.  

Befragt wurden 175 Investoren in Deutschland, Frankreich und Großbritannien. In allen drei Regionen zeigt sich ein ähnliches Bild wie bereits nach einer Umfrage im Sommer 2016: Die Fortsetzung des aktuellen Immobilienmarktzyklus für die nächsten ein bis zwei Jahre ist für fast jeden zweiten befragten Anlageprofi, unabhängig ob in Berlin, London oder Paris, eine ausgemachte Angelegenheit.

27 Prozent der Befragten erwarten sogar, dass der bereits seit acht Jahren bestehende Marktzyklus für weitere drei Jahre in die Verlängerung gehen wird. 38 Prozent der Unternehmen rechnen damit, dass der aktuelle Immobilienmarktzyklus zumindest auch noch im Jahr 2018 anhalten wird.

Anlagestrategie: Geringere Renditen bei gleichem Risiko

Der Anteil der europäischen Immobilieninvestoren, die ihre Risikostruktur beibehalten und dafür bei den selbst gesetzten oder vom Kunden vorgegebenen Renditezielen Abstriche in Kauf nehmen, ist gestiegen: Von 56 Prozent bei der Befragung im Sommer 2016 auf jetzt 64 Prozent. Entsprechend ist der Anteil der Unternehmen, die sich bereit zeigen, explizit höhere Risiken einzugehen, um zum Beispiel die Belastung aus sinkenden Ankaufsrenditen zu kompensieren, von 35 Prozent auf nur noch 30 Prozent gesunken.

Transaktionsvolumen in der südlichen Peripherie steigt

Mehr als die Hälfte der Investoren erwarten laut Union Investment, dass die gesteckten Renditeziele in den nächsten drei Jahren nicht erreichen werden.

„Die Suche nach der richtigen Balance wird auch 2017 das Investmentgeschehen in Europa prägen", sagt Olaf Janßen, Leiter Immobilienresearch bei der Union Investment Real Estate GmbH, Hamburg.

Die hohe Kapitalverfügbarkeit erfordere, dass risikoaverse Investoren die Marktbearbeitung in ihren europäischen Kernmärkten massiv verstärken, sich aber auch Renditepotenziale in Opportunitätsmärkten erschließen. "Das dürfte dazu führen, dass 2017 das Transaktionsvolumen in den CEE-Märkten aber auch in der südlichen europäischen Peripherie signifikant steigen wird“, so Janßen.

Wie die Union Investment-Studie zeigt, ist eine verstärkte Allokation der Immobilienanlagen außerhalb Europas nur für einen verschwindend geringen Anteil der Investoren eine Ausweichoption. Investitionen in Europa zugunsten außereuropäischer Märkte zurückzufahren, beabsichtigen nur sechs Prozent der befragten Immobilienprofis.

Unterschiedliche Erwartungen bezüglich der Brexit-Auswirkungen

35 Prozent der Befragten rechnen für das 2017 mit einem steigenden Transaktionsvolumen in Europa, weitere 45 Prozent erwarten ein Transaktionsvolumen auf dem Niveau des Vorjahres. Die Beurteilung der Investitionsrahmenbedingungen fällt in den drei Befragungsregionen jedoch so uneinheitlich aus wie lange nicht mehr.

Aus Sicht der französischen Investoren zeigt sich ihr Heimatmarkt heute deutlich besser aufgestellt als noch 2016. Rund ein Drittel der Investoren sieht für die französischen Büroimmobilienmärkte wie auch für den Einzelhandelssektor in den kommenden zwölf Monaten ein verbessertes oder deutlich verbessertes Investitionsklima. Jeder zweite geht von gleichbleibenden Rahmenbedingungen aus.

Demgegenüber fällt die Beurteilung des Investitionsklimas in Großbritannien durch die lokalen Akteure skeptischer aus. Jeder zweite britische Studienteilnehmer erwartet für 2017 eine zum Teil deutliche Verschlechterung des Klimas für Immobilieninvestitionen auf der Insel. Mit rund 75 Prozent befürchtet die Mehrheit der in UK befragten Investoren, dass sich die gesamtwirtschaftliche Lage in Großbritannien in den nächsten zwölf Monaten verschlechtern wird.

Überraschend dabei ist, dass der Einfluss des Brexit auf den britischen Immobilienmarkt derzeit noch von verhältnismäßig wenigen UK-Investoren als besonders hoch eingeschätzt wird.

52 Prozent der britischen Investoren messen dem Brexit in der Befragung einen nur mäßigen Einfluss und 38 Prozent sogar einen geringen Einfluss auf den britischen Immobilienmarkt bei. Von Außen fällt die Bewertung der Folgewirkungen für den britischen Immobilienmarkt etwas kritischer aus. 33 Prozent der deutschen und 21 Prozent der französischen Profianleger glauben, dass der Brexit den britischen Immobilienmarkt stark verändern wird. Davon wird vielen Experten zufolge vor allem Frankfurt am Main profitieren.

UK-Index fällt weiter zurück

Klare Spuren hat das Anti-EU-Referendum der Briten laut Union Investment im Investitionsklimaindex hinterlassen. Bereits vor dem Brexit habe die Stimmung der britischen Investoren, gemessen am Klimaindex, ihren tiefsten Stand seit 2012 erreicht. Nach dem Brexit verlor der Klimaindex in UK noch einmal rund drei Punkte und erreicht nun mit 61,2 Punkten einen neuen Tiefstand.

Damit fällt der UK-Index noch weiter hinter die nationalen Indizes in Deutschland (66,5 Punkte; minus ein Punkt gegenüber der letzten Erhebung) und Frankreich (68,6 Punkte; plus 1,7 Punkte) zurück. Beeinflusst wird das Bild vor allem durch die Veränderungen bei den Erwartungen: Während der Erwartungsindikator in Frankreich bereits in der dritten Befragungswelle in Folge gestiegen ist, verliert dieser in Deutschland und bricht in UK regelrecht ein.

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Schlagworte zum Thema:  Immobilieninvestoren, Investition, Rendite

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