Martina Hertwig Bild: YouTube

Martina Hertwig, Partnerin bei Baker Tilly, ist im Juni ins Präsidium des Zentralen Immobilien Ausschusses (ZIA) gewählt worden. Im Gespräch mit der Haufe Online-Redaktion beschreibt sie ihre Tätigkeitsschwerpunkte und Zielsetzungen. Vor allem das Thema Regulierung liegt ihr auf dem Herzen. Das Interview wurde im Oktober auf der Immobilienmesse Expo Real in München geführt.

Haufe Online-Redaktion: Frau Hertwig, Sie sind neu im ZIA-Präsidium. Wo wollen Sie Akzente setzen?

Martina Hertwig: Mein Schwerpunkt ist das Thema Investitionskapital – also die indirekte Investition in Immobilien. Dabei wird mein Fokus eindeutig auf dem Thema Regulierung liegen. Das Thema Regulierung ist nichts, was einmal umgesetzt und erledigt ist. Es wird die Immobilienbranche und Investoren künftig kontinuierlich begleiten. Die Komplexität wird tendenziell weiter zunehmen. Ich sehe es als eine meiner Aufgaben an, praktikable Lösungen zu erarbeiten. Wichtig ist mir auch, dass die BSI-Akademie in den ZIA gebracht wird. Im ZIA gibt es etwas Vergleichbares in dieser Form noch nicht.  

Einer Ihrer Tätigkeitsschwerpunkte ist die Umsetzung von MiFID II. Wo liegen die größten Herausforderungen für die Fondsbranche?

Es handelt sich im Kern um eine umfassende Erneuerung des Wertpapierhandelsgesetz und der darin enthaltenen Verhaltens-, Organisations- und Transparenzpflichten. Bei den Herausforderungen für die Branche müssen wir unterscheiden zwischen Kapitalverwaltungsgesellschaften und Vertrieb. Die Kapitalverwaltungsgesellschaften (KVGs) sind von MiFID II nicht direkt betroffen. Sie müssen jedoch künftig dem Vertrieb insbesondere eine Zielmarktbestimmung sowie Angaben zur Kostentransparenz zur Verfügung stellen. Die Zielmarktbestimmung beschreibt den Kreis der Anleger, für die ein Fonds bestimmt ist. Anbieter und Vertrieb müssen die Kunden umfangreicher als bislang analysieren und clustern. Der Bundesverband BSI hat hierzu ein Muster erarbeitet.

Wie hat sich der Markt für Immobilienfonds in den ersten neun Monaten 2017 entwickelt?

Der Markt für Immobilienfonds war weiterhin von einer sehr starken Nachfrage geprägt. Dies gilt sowohl für die Publikumsfonds als auch die Spezialfonds. Die Herausforderung liegt derzeit eindeutig im Ankauf von Immobilien.

Was bringt das Jahr 2018 an neuen Regulierungsmaßnahmen?

Die Regulierung wird nicht weniger, sondern eher mehr. Hierauf muss die Branche sich einstellen. Die bereits genannte MiFID II tritt am 3. Januar in Kraft. Hinzu kommen die Investmentsteuerreform, die ebenfalls im Januar 2018 in Kraft tritt. Damit wird die steuerliche Transparenz bei Immobilienfonds abgeschafft.

Was kann der Fondsstandort Deutschland vom Fondsstandort Luxemburg noch lernen?

Ein wesentlicher Vorteil des Fondsstandorts Luxemburg liegt in den sehr schnellen Genehmigungsverfahren. Vertriebsgenehmigungen werden dort oft schon nach ein bis zwei Wochen erteilt. In Deutschland sind die Genehmigungszeiten unberechenbar. Hier dauert es oft Monate bis Genehmigungen erteilt werden. Dies macht das Fondsgeschäft für die Initiatoren sehr schwer planbar.

Bei welchen Projekten kann Baker Tilly Fondsinitiatoren und Asset Manager unterstützen?

Wir unterstützen Fondsinitiatoren und Asset Manager bei den verschiedensten Fragen und Projekten. Dies reicht von der Fondskonzeption – rechtlich wie steuerlich – über Prospekterstellung oder Prospektprüfung, Lizensierung, Bewertungsleistungen bis zur laufenden Betreuung und Prüfung von Kapitalverwaltungsgesellschaften und AIFs (Alternative-Investments-Fonds). Wir arbeiten derzeit zum Beispiel an der Realisierung des Vehikels Investment-AG. Hier sind verschiedene Experten aus den Bereichen Kapitalanlagegesetzbuch, Aktienrecht, Investmentsteuerrecht und Wertpapierprospektrecht tätig.


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Schlagworte zum Thema:  Immobilienverband, Immobilienwirtschaft

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