Interview Finanzierungsmarkt für PropTechs wächst

Am 5. September findet die REAL PropTech – vormals FUTURE: PropTech Berlin – erstmals unter neuem Namen statt. Seit drei Jahren bringt die  Veranstaltung Entscheider der etablierten und digitalen Immobilienbranche zusammen. Ein Interview mit Organisator Jakob Schulz.

Herr Schulz, wie ist die Stimmung in der Branche – kann man noch von einem PropTech-Hype sprechen?

PropTech ist kein Hype mehr, sondern längst in der Branche angekommen. Durch technologischen Fortschritt werden aktuell die Grundlagen für viele spannende neue Entwicklungen gelegt. Allerdings blickt die Branche mittlerweile etwas nüchterner auf das Thema PropTech. Die Stimmung ist sehr positiv. Wir beobachten auf beiden Seiten eine große Offenheit für gemeinsame Projekte. Gleichzeitig hat sich bei den meisten Marktteilnehmern die Erkenntnis eingestellt, dass die digitale Transformation ein langer, ressourcenintensiver Prozess ist. Auf diesem Weg unterstützen wir die Immobilienwirtschaft über die REAL PropTech. Wir ermöglichen einen ehrlichen Erfahrungsaustausch und schaffen Transparenz über die Funktionalität neuer Lösungen. Bei uns erzählen Vertreter der alten und neuen Immobilienwirtschaft, was in der Zusammenarbeit funktioniert hat und was nicht. Davon lernen alle Beteiligten und nehmen wichtige Erkenntnisse für ihre eigenen Projekte mit.

Etablierte Unternehmen werden zu strategischen Investoren

Welche konkreten Entwicklungen beobachten Sie aktuell auf Corporate-Seite?

Immer mehr etablierte Unternehmen beteiligen sich als strategische Investoren an PropTechs. Im Bereich künstlicher Intelligenz beispielsweise wird mittlerweile jedes dritte Investment von Immobilienunternehmen getätigt. Das ist eine sehr positive Entwicklung, die dazu beiträgt, dass der Finanzierungsmarkt für PropTechs insgesamt weiter wächst. Im Gegensatz zu spezialisierten Venture-Capital-Fonds ist für etablierte Unternehmen aktuell in der Regel vor allem der Technologie- und Innovationstransfer in die eigene Organisation ausschlaggebend. Hier ist durchaus Vorsicht geboten. Denn wenn sich Corporates nur an PropTechs beteiligen, deren Lösungen sie in ihrem Kerngeschäft einsetzen können, dann machen sie sich langfristig viele Türen zu. Tatsächlich trennen viele Unternehmen Kerngeschäft und Corporate Venturing derzeit noch nicht klar voneinander. Das sollten sie aber. Die Transformation und damit zukunftsfähige Ausrichtung des Kerngeschäfts ist das eine – die Beteiligung an innovativen digitalen Geschäftsmodellen, die die Branche verändern, das andere. 

Wie gehen Sie auf dieses Thema im Rahmen der REAL PropTech ein?

Wir beleuchten das Thema Investments sehr intensiv – und zwar von allen Seiten. Wir setzen auf ehrliche Diskussionen und klare, gern auch mal etwas provokativere Botschaften – etwa durch Impulsgeber wie Herman Knevel, PropTech Program Director bei der niederländischen Event- und Netzwerkplattform TNW, der seinen Vortrag unter das Motto "You cannot buy innovation" stellt. In verschiedenen Formaten berichten Wagniskapitalgeber, Gründer und Corporates von ihren Erfahrungen, schildern gemeinsame Erfolge, scheuen sich aber auch nicht, über Fehler zu sprechen. Spannend ist dabei sicher auch der Einblick in die internen Prozesse bei den Immobilienunternehmen.

Der PropTech-Markt ist ja mittlerweile sehr groß, allein in der D-A-CH-Region gibt es derzeit 561 Unternehmen. Wie filtern Sie spannende neue Geschäftsmodelle und Redner heraus?

Durch unsere vielfältigen Aktivitäten bei Blackprintpartners im PropTech-Bereich haben wir einen sehr guten Überblick über den Markt. Die REAL PropTech ist ja nur ein Bestandteil unseres Angebots. Über unsere Netzwerkplattform Blackprint Booster, zu der ein Accelerator-Programm und das darum gewachsene Ökosystem Blackprint Booster "I Tech Hub" gehören, sind wir sehr nah dran an den vielen verschiedenen Akteuren und neuen Entwicklungen im PropTech-Bereich.

Außerdem sind wir über den Verband ZIA, die German PropTech Initiative und zahlreiche weitere Formate und Events im ständigen Austausch mit Etablierten und Gründern, aber auch mit der Politik. Die eigentliche Herausforderung ist es weniger, passende Redner zu finden, sondern vielmehr, die vielen Themen geordnet unterzubringen. Deshalb haben wir auch ganz bewusst entschieden, auf unnötiges Rahmenprogramm oder ausschweifende Unternehmenspräsentationen zu verzichten. Bei uns geht es rein um die Inhalte.

Digitale Vorreiter in der Immobilienbranche

Mit Max Orgeldinger und Lukasz Gadowski kommen dieses Jahr erneut zwei der Keynotes von Branchenfremden. Welchen Eindruck haben diese digitalen Vorreiter von der Immobilienwirtschaft?

Die Impulse von Branchenfremden wie Max Orgeldinger oder Lukasz Gadowski, aber auch beispielsweise Ed Parsons von Google sind ein wichtiger Bestandteil unseres Konzeptes. Für viele Branchenfremde, mit denen wir sprechen, ist die Immobilienwirtschaft ein spannender Wachstumsmarkt. Immobilien sind ein existenzieller Bestandteil der Lebens- und Arbeitswelt. Dadurch sind sie und werden perspektivisch noch viel stärker auch ein entscheidender Dreh- und Angelpunkt, wenn es um die Realisierung und Skalierung branchenübergreifender digitaler Geschäftsmodelle geht.

Gleichzeitig ist es für Gründer oder Unternehmen, die ihren Ursprung nicht in der Immobilienwirtschaft haben, mitunter sehr schwierig, ein Teil davon zu werden. Die Branche ist in weiten Teilen in sich geschlossen, oft gibt es nur wenig Touchpoints mit anderen Wirtschaftszweigen. Durch den starken B2B-Fokus ist sie zudem nach wie vor recht intransparent. In Branchen mit einem stärkeren B2C-Fokus haben es branchenfremde Gründer bisher viel leichter, auch, weil sich digitale Geschäftsmodelle dort einfacher und schneller skalieren lassen. Das Gute ist: Die Immobilienwirtschaft öffnet sich zunehmend gegenüber Branchenfremden. Was diese dabei mitunter sehen und erleben – etwa sehr langwierige, veraltete Prozesse –, kann sicher erschreckend sein. Entscheidend ist, dass sich das ändert.

Was wünschen Sie sich für die Zukunft der Immobilienwirtschaft?

Mehr Offenheit für die Zusammenarbeit zwischen Corporates und PropTechs, aber auch mit Branchenfremden, und mehr Mut, Dinge auszuprobieren. Damit die digitale Transformation gelingen kann, brauchen wir außerdem mehr Weitblick. Noch sind zu viele Unternehmen auf ihr derzeitiges Kerngeschäft fokussiert. Die Frage, die sie sich stellen sollten, lautet: Mit welchen Geschäftsmodellen lässt sich langfristig Wachstum generieren?

Neuer Name, neue Formate

Die REAL PropTech findet am 5. September in der Berliner Event-Location "Von Greifswald" statt. Insgesamt werden rund 30 Experten bei der Veranstaltung die digitale Transformation der Immobilienwirtschaft aus verschiedenen Perspektiven beleuchten. Neu sind in diesem Jahr zwei Formate: Bei Live Demos stellen PropTechs ihre Produkte vor. Die Besonderheit dabei: Die Vorstellung erfolgt unmittelbar in der Software selbst, es gibt keine vorbereiteten Präsentationen oder Videos. Außerdem diskutiert Achim Jedelsky, Präsident der Foundation for International Blockchain and Real Estate Expertise (FIBREE), mit bis zu 40 Teilnehmern über die Vorzüge und Einsatzmöglichkeiten von Blockchainlösungen in der Immobilienwirtschaft.

Weitere Informationen und Tickets gibt es unter www.realproptech.de.


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Schlagworte zum Thema:  Digitalisierung, PropTech