Immobilieninvestoren verlagern Aktivitäten nach Deutschland Infografik

Der britische Immobilienmarkt war lange Zeit ein Magnet für internationale Investoren. Jetzt lässt das Interesse scheinbar nach. Im ersten Quartal 2019 beobachtet die Crowdinvestment-Plattform Brickvest jedenfalls eine deutliche Verlagerung der Investmentaktivitäten nach Deutschland.

Der Anteil der Immobilieninvestoren, die bisher Großbritannien als bevorzugte Zielregion nannten, lag laut Brickvest im ersten Quartal 2019 mit 29 Prozent um drei Prozentpunkte niedriger als noch im vierten Quartal 2018, während sich der Anteil der Investoren mit einer Präferenz für Deutschland in diesem Zeitraum von 23 Prozent auf 26 Prozent erhöht hat. Die Ergebnisse basieren auf einer Online-Umfrage unter rund 6.000 professionellen Investoren.

"Angesichts der [...] Unklarheit über Zeitpunkt und Modalitäten des Brexit scheint die [...] stabile Präferenz vieler Investoren für den britischen Immobilienmarkt [...] nachzulassen. Zumindest bei den deutschen Investoren geht dies offenbar mit [...] einer generellen Refokussierung auf den Heimatmarkt einher." Thomas Schneider, CIO Brickvest

Auch britische Investoren überdenken ihre Anlagestrategie

Selbst unter britischen Investoren hat das Interesse am Heimatmarkt nachgelassen, schreibt Brickvest: Ihr Anteil von 40 Prozent am Transaktionsvolumen erreicht im ersten Quartal 2019 den bisher niedrigsten Wert in den Brickvest-Erhebungen. Am stärksten reduzierte sich jedoch das Interesse am britischen Immobilienmarkt bei französischen (Anteil: 20 Prozent), deutschen (14 Prozent) und US-amerikanischen Investoren (13 Prozent).

Diese Investorengruppen hätten ihre Engagements an ihren jeweiligen Heimatmärkten verstärkt, so die Analysten. Der Trend ist bei den deutschen Investoren besonders ausgeprägt: 67 Prozent der befragten Investoren gaben den Heimatmarkt als bevorzugte Investmentregion an. Dieser Wert sei nie höher gewesen, heißt es im Brickvest-Bericht.

"Die Annahme, durch Investments auf dem Heimatmarkt könne man Risiken minimieren, ist jedoch ein Trugschluss, [...] (und) nur noch um den Preis einer deutlich höheren Risikoakzeptanz realisierbar. Investoren sollten daher auf der Hut sein, nicht dem Home Bias zu erliegen." Thomas Schneider, CIO Brickvest

Gegen den Gesamttrend: Deutsche Investoren sehr risikofreudig

Mit einem Score-Wert von 57 zeigen im aktuellen Brickvest-Barometer deutsche Investoren die höchste Risikoakzeptanz, sowohl im Vergleich mit Investoren aus anderen Ländern als auch in der historischen Gesamtbetrachtung des Barometers. Insgesamt ging die Risikoakzeptanz leicht auf einen Score von 46 zurück.

Das Interesse an Strategien mit moderaten Risiken nahm im ersten Quartal 2019 im Vergleich zum Vorquartal leicht zu und erreicht einen neuen Höchststand: 57 Prozent der befragten Investoren sind bereit, moderate Risiken einzugehen. High-Risk-Strategien befürworten nur 18 Prozent der Befragten, während sich 25 Prozent für Strategien mit geringen Risiken entschieden.

Auch hier beobachtet Brickvest signifikante Unterschiede: Unter den deutschen Investoren bevorzugen 24 Prozent High-Risk-Strategien, so viele wie in keiner anderen Ländergruppe, während sich nur noch zehn Prozent, so wenige wie noch nie im Rahmen der Befragungen für das Barometer, für Low-Risk-Strategien interessierten.

Investmentziele: Wachstum von Kapital und Ertrag an erster Stelle

Bei den von den Befragten genannten Investmentzielen dominiert das Wachstum des Kapitals (48 Prozent) und die Erzielung von Erträgen (38 Prozent), während nur für acht Prozent der internationalen Investoren das Thema Liquidität im Vordergrund steht. Dabei bevorzugt der Großteil der Investoren (61 Prozent) Primärstandorte für ihre Anlagen, 39 Prozent konzentrieren sich auf Sekundärstandorte.


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