Immobilieninvestmentmarkt: Wendepunkt im Zyklus nicht vor 2020

Das Angebot an Immobilien ist mager. Das treibt die Preise – europäische Investoren erwarten eine Trendwende im Zyklus nicht vor 2020. Die größte Wertsteigerung wird für 2018 bei Logistik erwartet. Union Investment sieht jetzt Chancen zur Innovation. "Die anhaltende Produktknappheit wird die Entwicklung in den Unternehmen vorantreiben", sagt Olaf Janßen, Leiter Research bei der Union Investment Real Estate GmbH. Erhebliches Potenzial liegt im Bereich Nachhaltigkeit.

In der aktuellen Investitionsklimastudie von Union Investment haben rund 60 Prozent der 151 in Deutschland, Frankreich und Großbritannien befragten Profianleger den Wendepunkt in das Jahr 2020 oder später verortet.

Nach Einschätzung von 36 Prozent der Befragten werden die Anfangsrenditen für Immobilien in Europa frühestens in drei Jahren wieder steigen. 37 Prozent der Investoren sind bereit, ein höheres Risiko für gleiche Renditen einzugehen. 56 Prozent werden die Risikostrategie nicht neu zu justieren – diese Investoren geben sich mit niedrigeren Renditen zufrieden.

Rendite ist der wichtigste Aspekt

50 Prozent der Investoren geben, dass sie ihre Renditeziele nicht zu erreichen glauben – weder in drei noch in fünf Jahren. In der Studie kommt außerdem die hohe Sicherheitsorientierung der Profiinvestoren zum Ausdruck: Für 30 Prozent das der wichtigste Aspekt bei Anlageentscheidungen. 15 Prozent finden Liquidität am wichtigsten, 54 Prozent Rendite. Eine stärkere Risikoausrichtung als im Frühjahr 2017 macht Union Investment nur unter den französischen Investoren aus.

"Ein dritter, noch wenig beschrittener Weg zwischen Attentismus und überhöhtem Risiko führt über mehr Innovationen mit kalkulierbareren Risiken", so Olaf Janßen.

Größte Wertsteigerung bei Logistik erwartet

Noch dominieren laut Union Investment Ausweichstrategien, die auf Produktquellen jenseits der klassischen Marktsegmente ausgerichtet sind. Für 53 Prozent der befragten Immobilienprofis liegt bei Logistikimmobilien das größte Potenzial, gefolgt von Büroobjekten mit 26 Prozent der Nennungen.

Besonders groß ist das Vertrauen in das Logistiksegment bei den britischen Investoren. In der Betrachtung aller großen gewerblichen Nutzungen erwarten mehr als 75 Prozent der UK-Investoren im Logistikbereich, inklusive der aufstrebenden Last-Mile-Logistik, für 2018 die stärkste Wertentwicklung. Signifikante Wertsteigerungen in den Segmenten Hotel und Einzelhandel erwarten in den kommenden zwölf Monaten nur neun beziehungsweise acht Prozent der Investoren.

Investitionsklima für Büro und Einzelhandel gedämpft

Das Klima für Einzelhandelsinvestments wird sich 2018 weiter abkühlen wird. Etwas besser werden die Rahmenbedingungen für Büroinvestments beurteilt, wobei der Brexit die Erwartungen an den britischen Büroimmobilienmarkt deutlich weniger dämpft als zu erwarten war. Von einer Verschlechterung des Klimas in UK gehen nur 16 Prozent der lokalen Investoren aus.

Trotz des leichten Aufwärtstrends liegt der UK-Index jedoch mit 63,6 Punkten weiterhin hinter den Indizes in Deutschland (67,3 Punkte) und Frankreich (69,1 Punkte).

"Auch im Bereich Nachhaltigkeit liegt noch erhebliches Potenzial", sagt Olaf Janßen.

Vor dem Hintergrund des knappen Angebotes an hochwertigen Ankaufsobjekten bleibt es laut Union Investment spannend zu beobachten, ob die Investoren neue, kreative Produkte und Lösungen nutzen und Themen angehen, die komplexer und chancenreicher sind.

Klimaneutralität: Nur 24 Prozent der deutschen Investoren haben eine Strategie

81 Prozent der befragten Immobilieninvestoren gaben an, ihr Immobilienportfolio nur dort unter dem Gesichtspunkt von Nachhaltigkeit weiterzuentwickeln, wo es wirtschaftlich sinnvoll ist. Klimarisiken bleiben bei Investitionsentscheidungen noch weitgehend unberücksichtigt. Nur 30 Prozent der befragten Unternehmen haben bereits einen festen Fahrplan zu einer klimaschonenden Anlagepolitik entwickelt.

Am wenigsten vorbereitet sind laut Union Investment die deutschen Immobilienprofis zu sein: Während in UK und Frankreich der Umfrage zufolge bereits 38 Prozent beziehungsweise 44 Prozent der Investoren eine konkrete Strategie verfolgen, die CO2-Emissionen schrittweise zu reduzieren, hat in Deutschland mit 24 Prozent nur jeder vierte Investor ein Programm in der Schublade oder in der Umsetzung.

"Der Instrumentenkoffer für Risikoanalysen im Gebäudeportfolio ist deutlich größer geworden. Das Zeitalter klimaneutraler Gebäudebestände ist jedoch noch nicht angebrochen", sagt Jan von Mallinckrodt, Leiter Nachhaltigkeit bei der Union Investment Real Estate GmbH.

"Für die Zieldefinition sind internationale Benchmarks und Ratings unentbehrlich. Hier liegt einer der Schlüssel für zielgerichtete Investitionen in den Klimaschutz", so von Mallinckrodt.

Für jeden dritten deutschen Investor hat das Thema Nachhaltigkeit dem eigenen Vernehmen nach "derzeit keine besondere Bedeutung". Eine hohe Bedeutung haben Branchenstandards und Nachhaltigkeitsratings in Großbritannien: Hier gaben 85 Prozent der Investoren an, sich an Nachhaltigkeitsratings zu beteiligen. In Deutschland und Frankreich sind es 33 beziehungsweise 44 Prozent.

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