Immobilienfinanzierung: Stimmung trübt sich ein

Das Klima am Markt für gewerbliche Immobilienfinanzierungen hat sich zum Jahresbeginn 2017 stark eingetrübt: Der Deutsche Immobilienfinanzierungsindex (DIFI) des Immobiliendienstleisters JLL und dem Zentrum für Europäische Wirtschaftsforschung (ZEW) ist um 16,4 auf minus zwölf Punkte gesunken. Damit notiert der Stimmungsindex erstmals seit dem vierten Quartal 2012 im negativen Bereich.

„Der anhaltende Trend in Richtung pessimistischer Einschätzungen deutet darauf hin, dass sich die Umfrageteilnehmer auf einen Umschwung der Finanzierungsbedingungen vorbereiten“, so Markus Kreuter, bei JLL Team Leader Debt Advisory Germany. Ein ähnliches Bild zeichnen die BF.direkt AG und Bulwiengesa für das erste Quartal 2017.

Auch Immobilienbanken gehen davon aus, dass 2017 ein schwieriges Jahr werden dürfte.

Finanzierungssituation vor allem für Einzelhandelsimmobilien schlechter eingeschätzt

Mit einem Saldo von minus 14,7 Punkten, was einem Rückgang gegenüber dem Vorquartal um 23,3 Punkte entspricht, fällt laut JLL die negative Einschätzung der Finanzierungssituation für Einzelhandelsimmobilien besonders deutlich aus. Grund seien unter anderem sinkende Umsätze bei Einzelhandelsimmobilien und stagnierende Mieten in den Innenstädten der A-Städte.

Bei Büroimmobilien ist ein Saldo von minus 13,8 auf 4,8 Punkte zu verzeichnen, ähnlich sieht es bei Logistikimmobilien aus mit einem Rückgang von 11,9 auf 4,8 Punkte. Bei Wohnimmobilien war die Einschätzung gegenüber dem Vorquartal ebenfalls deutlich negativer: Der Teilindex ist um 21,9 auf minus 0,1 Punkte gesunken.

Der Gesamtindex bei der Einschätzung der Finanzierungssituation ging um 17,7 auf minus 1,3 Punkte zurück.

Finanzierungserwartungen besonders negativ bei Wohnimmobilien

Auf Halbjahressicht weisen alle Nutzungsarten negative Salden mit Rückgängen gegenüber dem Vorquartal auf.

Sehr starke Einbußen um 38,3 auf minus 31,8 Punkte musste JLL zufolge das Wohnsegment hinnehmen. Hier schlage sich die starke Abnahme beim Transaktionsvolumen im vergangenen Jahr nieder: Mangels Megafusionen oder Kaufaktivitäten größerer Bestandsportfolien sei das Ergebnis auf dem gewerblichen Markt für Wohnportfolios 2016 um fast die Hälfte zurückgegangen, so Helge Scheunemann, Head of Research JLL Germany.

Über alle Nutzungsarten hinweg gab es Einbußen von 22,6 Punkten auf 14,9 Punkte. Davon legten nur Büroimmobilien leicht zu mit 1,5 Punkten auf minus 14,6 Punkte. Einzelhandelsimmobilien hatten Einbußen von minus 13,6 auf minus 29,3 Punkte und Logistikimmobilien minus 6,1 auf minus 14,6 Punkte. 

Pessimismus zeigt sich auch auf den Refinanzierungsmärkten

Pessimistischer ist die Stimmung auch beim Thema Refinanzierungsmärkte. Für die kommenden sechs Monate erwarten die Umfrageteilnehmer laut JLL für alle Refinanzierungsinstrumente schlechtere Bedingungen.

Die geringsten Erwartungen werden in Immobilienaktien gesetzt.

Bei der Bewertung der Refinanzierungsmärkte dürften sich laut JLL die Leitzinserhöhung in den USA vom Dezember 2016 und die erwartete Wirtschaftspolitik des US-Präsidenten Trump bemerkbar machen. Auch die anziehende Inflation in Deutschland dürfte eingepreist sein.

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