14.01.2016 | Top-Thema Immobilienfinanzierung: Der Markt sortiert sich neu

Gefahr für das Finanz-System

Kapitel
Der jetzige Aufschwung ist eine große Blase, die demnächst platzen kann.
Bild: Günther Dotzler ⁄

Es gibt nach wie vor das Konstrukt, dass Gelder hinter Geldern stecken und nicht Personen. Diese Strukturen sind hoch gefährlich.

Es gibt nach wie vor das Konstrukt, dass Gelder hinter Geldern stecken und nicht Personen.

Ja. Leidtragender kann ein Lehrer in Ohio sein, der eine Lebensversicherung besitzt. Solche Finanztransfers dominieren circa 97 Prozent der Welttransfers. Nur drei Prozent sind reale Transfers. Das Benzin, das Sie tanken, wurde schon vorher zwölf Mal verkauft. Diese Strukturen sind hoch gefährlich und existieren so grundsätzlich immer noch.

 

Das Wort „gefährlich“ kommt in Ihren Ausführungen oft vor.

Wenn niemand die gegenwärtige Situation für gefährlich hält und vielmehr jeder meint, sie sei ein Normalzustand, so ist das gefährlich ...

 

Dem hat man im regulierten Bereich einen Riegel vorgeschoben.

Das ist auch grundsätzlich gut. Aber jetzt gehen Anleger in den nicht regulierten Bereich, der vorher nicht wettbewerbsfähig war. Dieser Bereich wächst also weiter. Das Zynische ist: Der Teil des Systems, der es zum Einsturz gebracht hat, die Hedge-Fonds, sind nach wie vor fast unberührt, wie vor acht Jahren. Die wenig regulierten internationalen Fonds bringen das Finanzsystem ins Wanken, die bereits regulierte Bankenlandschaft wird weiter reguliert. Auch das kann systemdestabilisierend wirken.

 

Was halten Sie vom momentanen Aufschwung?

Der jetzige „Aufschwung“ ist künstlich. Es braucht nur eine echte Verwerfung, damit die Zentralbanken weltweit und die EZB für Europa das Pendel in die andere Richtung ausschlagen lassen.

 

Was könnte dazu führen?

Eine Zinserhöhung in den USA, das werden wir sehr schnell sehen. Man wird es vermutlich vorsichtig machen, damit die Welt nicht kollabiert. Es gibt deutliche Signale dafür, dass China schwächelt. Es könnten aber auch politische oder terroristische Verwerfungen in Europa sein.

 

Viele sagen, das System würde eine Zinssteigerung nicht überleben.

Das halte ich für völlig überzogen. Es hat auch in der Vergangenheit überlebt, als die Zinsen fielen oder stark stiegen. Ein Zinsanstieg täte dem Markt mit allen Wehklagen grundsätzlich gut. Denn wie lange halten die Versicherungen noch durch?

 

Wie bekommt man die Liquidität aus dem Markt heraus?

Wenn Sie Krisen oder Kriege vermeiden wollen, bleibt nur: Inflation. Am besten gemäßigt und sechs bis sieben Jahre in Folge. Das Geld muss aus dem Markt verschwinden, sonst sind unsere ungeborenen Kinder und Enkel pleite, noch bevor sie auf der Welt sind.

 

Kann man Inflation kontrollieren?

Das halte ich für eine Mär. Diese Hoffnung war in der Vergangenheit oft trügerisch. Noch nie waren so viele Eigen- und Fremdmittel so verflochten im Umlauf wie bisher.

 

Wann wird die Inflation zunehmen? 

Ich glaube, das wird eher kurz- oder mittelfristig als langfristig passieren. Denn ich glaube nicht, dass der jetzige nur trügerisch stabile Zustand noch fünf Jahre andauern kann ...


Dieser Text ist im Fachmagazin "Immobilienwirtschaft", Ausgabe 12/2015 erschienen.

Schlagworte zum Thema:  Finanzierung, Risiko, Immobilienfinanzierung, Bank, Versicherung

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