Immobilienfinanzierer schätzen Neugeschäft pessimistisch ein

Die deutschen Immobilienfinanzierer sind pessimistischer geworden. Das BF.Quartalsbarometer ist im zweiten Quartal 2018 von 0,23 auf minus 0,98 Punkte gerutscht. Das ist der tiefste Stand seit fünf Jahren. Vor allem die Entwicklung des Neugeschäfts wird negativ bewertet. 22,6 Prozent der 120 Befragten (14,5 Prozentpunkte mehr als im Vorquartal) gehen inzwischen von einem weiteren Rückgang aus – das ist der höchste Wert seit Start des BF.Quartalsbarometers.

Insgesamt verzeichnen rund 26 Prozent der Experten ein abnehmendes Neugeschäft. Im vierten Quartal 2017 waren die FInanzierer noch gut gelaunt und lag der Anteil noch bei rund acht Prozent. Im ersten Quartal 2018 war die Stimmung bezüglich des Neugeschäfts aber auch schon verhalten.

Refinanzierungskosten nehmen zu

Ein weiterer Grund für den Barometerwert sind die zunehmenden Refinanzierungskosten: Rund 86 Prozent der befragten Finanzierer sehen ansteigende oder stagnierende Refinanzierungskosten. "Vor allem die langfristige Refinanzierung wird für die Institute teurer, da die langfristigen Zinsen schon seit rund 18 Monaten ansteigen", so Professor Steffen Sebastian, Inhaber der Lehrstuhls für Immobilienfinanzierung an der IREBS.

Trotz des Rückgangs zeigt der Barometerwert einen ausgeglichenen Finanzierungsmarkt an. "Der Rückgang des BF.Quartalsbarometers ist vor allem auf die fehlenden Transaktionen auf dem Markt und somit auch weniger Finanzierungen zurückzuführen", sagt Manuel Köppel, CFO der BF.direkt AG. Die Reaktionen der Banken seien uneinheitlich. Einige Befragte beobachten am Markt eine Bereitschaft zur Lockerung der Risikoparameter, andere Institute fokussieren sich stärker auf Core-Objekte. Einige sprechen auch von einer unveränderten Risikopolitik.

Finanzierung von Projekten: Logistik stark nachgefragt

Bei der Finanzierung von Projektentwicklungen verzeichnet die Nutzungsart Logistik mit einem Anteil von 10,7 Prozent einen neuen Rekordwert. Das liege unter anderem am boomenden Online-Handel, kommentiert Sebastian.

Bei den Loan-to-Values (LTV) mit minus 0,9 Prozentpunkten und den Loan-to-Costs (LTC) mit plus 0,1 Prozentpunkten und den Margen gab es nur leichte Verschiebungen. Damit liegen der durchschnittliche LTV mit 70,6 Prozent und der durchschnittliche LTC mit 73,6 Prozent weiterhin auf einem relativ hohen Niveau. Die durchschnittlichen Margen im Bestand sinken um einen Basispunkt auf 142 Basispunkte, die Margen bei Projektentwicklungen fallen um zwei Basispunkte auf 206.

Stärkere Nachfrage nach alternativen Finanzierungsformen

Die gesunkene Stimmung unter den Finanzierern hat keine Auswirkungen auf die alternativen Finanzierungsinstrumente. So beobachten die befragten Institute wie schon in den Quartalen zuvor eine stärkere Nachfrage nach alternativen Finanzierungsformen (46 Prozent, plus 9,8 Prozentpunkte). Darunter sind Mezzaninekapital und Eigenkapital (in Form von Private Equity oder Joint Ventures) mit jeweils 31,7 Prozent die am häufigsten genutzten alternativen Finanzierungsformen.

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