HRE-Prozess: Ex-Bankchef Funke schiebt die Schuld anderen zu

Die Immobilienbank Hypo Real Estate war nach der Finanzkrise 2008 mit rund zehn Milliarden Euro vom Staat gerettet worden. In München steht jetzt der ehemalige HRE-Chef Georg Funke vor Gericht und präsentiert sich als Ankläger: Schuld seien die Deutsche Bank, die Falschmeldungen über die Lage der HRE verbreitet habe, die Staatsanwaltschaft durch "bewusste Irreführung" und die Bundesregierung. Für sich will Funke einen Freispruch erkämpfen.

„In einem Mandatsverhältnis denunziert die Deutsche Bank die HRE und zerstört jegliches Vertrauen in das Management beziehungsweise die Kreditwürdigkeit der HRE-Gruppe“, sagte Funke vor dem Landgericht I in München. Die Anklage wirft Funke vor, auf dem Höhepunkt der Finanzkrise die Bilanzen der Bank geschönt zu haben.

Der HRE war im Herbst 2008 das Geld ausgegangen, weil sie keine Einlagen zur Refinanzierung mehr erhielt. Nach Funkes Darstellung war die Bank noch liquide. Der Bund sprang von 2008 bis 2010 mit fast zehn Milliarden Euro an Finanzhilfen und weiteren 124 Milliarden Euro an Bürgschaften ein. Im Jahr 2009 wurde die Bankengruppe verstaatlicht und später zerschlagen.

„Die HRE ist von außen zerstört worden“, sagte Funke vor Gericht.

Neben der Deutschen Bank sieht er als weiteren Hauptverantwortlichen den damaligen Bundesfinanzminister Peer Steinbrück (SPD). Der habe in einer „unseligen Äußerung“ gesagt, die HRE müsse ohnehin abgewickelt werden, erläuterte Funke-Verteidiger Wolfgang Kreuzer.

Pleite der US-Bank Lehman Brothers und die Folgen für anderen Institute

Im September 2008 gerieten nach dem Zusammenbruch der US-Bank Lehman Brothers neben der HRE auch zahlreiche andere Geldinstitute an den Rand des Zusammenbruchs.

  • Die Landesbank BayernLB hatte sich im Zuge der US-Hypothekenkrise verspekuliert und musste mit Notkrediten von zehn Milliarden Euro gestützt werden. Die EU-Kommission verordnete eine radikale Schrumpfkur mit Halbierung der Bilanzsumme. Für 2016 konnte die BayernLB erstmals wieder einen Nettogewinn verbuchen:  545 Millionen Euro und zehn Prozent mehr als im Vorjahr.
  • Die zweitgrößte deutsche Privatbank, die Commerzbank, geriet nach der riskanten Übernahme der Dresdner Bank während der Finanzkrise in Turbulenzen. Der Staat sprang ein. Die direkten Staatshilfen haben die Frankfurter vor einigen Jahren zurückgezahlt. Der Bund ist mit rund 15 Prozent aber weiterhin größter Einzelaktionär der Commerzbank.
  • Die Landesbank HSH Nordbank geriet 2008 in den Strudel der Finanzkrise und musste von den Ländern Hamburg und Schleswig-Holstein gerettet werden. Im Gegenzug für die Genehmigung milliardenschwerer Ländergarantien setzte die EU-Kommission den Verkauf des Instituts bis 2018 durch.
  • Die IKB Deutsche Industriebank war eines der ersten Opfer der Krise. Sie verspekulierte sich mit US-Hypotheken und wurde 2007 von der staatlichen Förderbank KfW, dem Bund und anderen Banken mit Milliarden gerettet. 2008 übernahm der US-Finanzinvestor Lone Star die Mehrheit an der IKB.
  • Das Land Baden-Württemberg, die Sparkassen im Südwesten und die Stadt Stuttgart als Eigner stützten das Institut LBBW im Jahr 2009 mit einer milliardenschweren Kapitalspritze und Bürgschaften. Als Auflage für die Hilfen verordnete die EU der Bank eine Schrumpfkur und einen strengen Sparkurs. Inzwischen ist das Institut wieder auf Kurs.
  • Die SachsenLB stand im Sommer 2007 wegen fragwürdiger Kreditgeschäfte in Milliardenhöhe am Rand des Abgrunds. Die Bank wurde an die Landesbank Baden-Württemberg (LBBW) notverkauft.
  • Die einst größte deutsche Landesbank WestLB ist mittlerweile Geschichte. Das Institut war durch Fehlspekulationen tief in die roten Zahlen gerutscht und musste von ihren Eigentümern, dem Land Nordrhein-Westfalen und den Sparkassen mit Milliarden gestützt werden. Im Gegenzug verlangten die EU-Wettbewerbshüter eine Zerschlagung. Mitte 2012 wurde der Düsseldorfer Konzern aufgespalten. Das Sparkassengeschäft übernahm die Landesbank Hessen-Thüringen (Helaba).

 

 

dpa
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