27.03.2013 | Top-Thema Hotelimmobilien

Verliebt ins Hotel

Kapitel
Seit 2010 hält die US-amerikanische Carlyle Group die Mehrheit an der B&B-Hotelgruppe, die kräftig wächst.
Bild: B&B Hotels GmbH

Resort & Co.: Diese Assetklasse in Deutschland ist bei nationalen und internationalen Investoren derzeit sehr gefragt. Budget-Unterkünfte finden genauso ohne Probleme einen Käufer wie Luxusherbergen.

Durch die Krisen des vergangenen Jahrzehnts ist die deutsche Hotelbranche relativ gut gekommen. An den vergleichsweise hohen und relativ stabilen Renditen im deutschen Beherbergungsgeschäft zeigen Immobilieninvestoren zunehmendes Interesse. Doch auch Branchenfremde sondieren das Terrain. So kündigte etwa Inter Ikea Systems BV, die Schwestergesellschaft des schwedischen Möbelkonzerns, im vergangenen Jahr den Einstieg auf dem Hotelmarkt an. Geplant sei europaweit eine Budget-Design-Hotelkette mit rund 50 Häusern; die Premiere wird in Mailand stattfinden. Die Häuser Ikea-Hotels zu nennen sei nicht akkurat, erklärte Kristian Sjöholm, Mediensprecher von Inter Ikea, jüngst gegenüber der AGHZ: „Es gibt keine Verbindung zwischen der Marke Ikea und den Hotels, weil sie nicht von Inter Ikea geführt werden sollen, sondern von Hotelbetreibern unter deren Namen. Sie sind lediglich ein Investment der Immobilienabteilung von Inter Ikea.“ Bei der Segmentwahl scheint man unterdessen der großen Linie des auf preisgünstige Produkte mit ansprechendem Design fokussierten Möbelkonzerns zu folgen – und dabei voll im Trend zu liegen. Budget-Hotels boomen schon seit Jahren. Bei schwächelnder Konjunktur kommen Hotels mit pfiffigem Konzept, die Übernachtungen zu günstigem Preis anbieten, bei breiten Kundenschichten in der Regel besser an als teure. Die Ketten legen rasch zu. So etwa die im Jahr 2000 in Berlin gegründete A&O-Gruppe, die inzwischen 19 Häuser in Deutschland besitzt. B&B, eine französische Billigkette, ist seit 1990 am Markt und inzwischen mit 48 Häusern in Deutschland vertreten. Seit 2010 hält die US-amerikanische Carlyle Group die Mehrheit an der B&B-Hotelgruppe, die ebenfalls kräftig wächst.

Lukrative Standorte werden knapp

Marktexperten erwarten, dass Budget- und Economy-Hotelkonzepte in Deutschland ihren Anteil am Hotelmarkt mittelfristig von aktuell rund acht auf 30 bis 40 Prozent steigern könnten. Die Expansion läuft auf vollen Touren. Die Accor-Gruppe ist in Deutschland Marktführer im Budget-Bereich: Zur Ibis-Familie – einem der Accor-Brands – zählen hierzulande mittlerweile 88 Hotels, neben den gewohnten Ibis Hotels inzwischen auch Ibis Styles und Ibis Budget Hotels. Das Angebot wächst weiter, auch wenn einzelne Betreiber sich inzwischen vermehrt im Ausland nach neuen Standorten umschauen. Wie etwas Motel One: Das größte Haus der Gruppe wird 2014 am Wiener Hauptbahnhof eröffnen: ein 60 Meter und 18 Stockwerke hoher Turm mit 530 Zimmern. Bauherr ist die Hamburger ECE-Gruppe; Motel One mietet das Gebäude für 25 Jahre. Aktuell gibt es 48 Motel-One-Hotels, Vorstandschef Dieter Müller zufolge soll das Portfolio bis 2014 mindestens 60 Hotels umfassen, wobei das Wachstum vor allem im Ausland erfolgt.

Dass die weitere Expansion künftig jenseits der Landesgrenzen erfolgen soll, ist naheliegend. Weil Anbieter wie Motel One oder B&B kräftig zulegen und zudem „Branchenneulinge“ wie Ikea oder der Online-Vermittler Travel24 auf den Markt drängen, drohen die lukrativen Standorte knapp zu werden. Zu Kannibalisierungseffekten scheint der zunehmende Wettbewerb bei den Budget-Hotels (noch) nicht zu führen. Als Verlierer gelten die vielen Tausend kleinen, inhabergeführten Mittelklassehotels, denen die Budget-Ketten Konkurrenz machen. Pensionen, Hotels garnis und Einzelhotels haben zwar auch von der mit der Dauerfinanzkrise einhergehenden Nachfrageverschiebung zu preisgünstigen Unterkünften profitiert: Das Segment wuchs gemäß einer Studie des Beratungsunternehmens Dicon zwischen 2006 und 2010 um 8,1 Prozent. Allerdings legten die Budget-Hotelketten in den deutschen Großstädten im gleichen Zeitraum um 50 Prozent zu.

Schlagworte zum Thema:  Hotelimmobilie, Investor, Immobilienmarkt, Immobilieninvestition

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