Die globalen Einzelhandelsmärkte präsentieren sich im zweiten Quartal 2018 zumeist in guter bis sehr guter Verfassung für Investoren. Doch die Schere zwischen den Top-Performern und den schwächsten Märkten in Europa geht weiter auf, wie der Global Retail Attractiveness Index (GRAI) von Union Investment zeigt. Die Shooting-Stars in Europa sind Tschechien und Polen. Deutschland ist zwar unter den Top 5, erleidet jedoch Einbußen.

Damit hat sich laut Union Investment die Landschaft für Handelsinvestments im globalen Aufschwung neu sortiert: "Im globalen Aufschwung trennt sich die Spreu vom Weizen", schreiben die Analysten im aktuellen Marktreport.

Der Gesamtindex für Europa hat mit 110 Punkten zur Jahresmitte 2018 sein überdurchschnittliches Niveau bestätigt. Der Unterschied zwischen Low- und Top-Performern liegt nunmehr bei rund 20 Punkten.

Deutschland und Frankreich mit den stärksten Einbußen

Als attraktivste Einzelhandelsmärkte in Europa weist der GRAI für das zweite Quartal 2018 die beiden osteuropäischen Länder Polen und Tschechien aus, gefolgt von den ehemaligen Krisenländern Irland und Portugal.

Unter den Top 5 in Europa ist auch Deutschland wieder vertreten. In der Spitzengruppe zeigen aber nur Tschechien (plus fünf Punkte) und Polen (plus vier Punkte) eine positive Entwicklung im Vorjahresvergleich. Die stärksten Einbußen (jeweils minus sieben Punkte) weisen die wirtschaftlichen Schwergewichte Deutschland und Frankreich auf.

Im ersten Quartal 2018 hatten noch Deutschland und Polen das Länderranking in Europa mit 120 Punkten angeführt.

Schwache Umsatzentwicklung in Deutschland, Inflation in Frankreich

Während in Frankreich der starke Einbruch laut Union Investment vor allem auf den harten Faktor Inflation zurückzuführen ist, wirkt sich in Deutschland die schwache Umsatzentwicklung negativ auf den Index aus.

Eine weitere Verschiebung gegenüber der letzten Erhebung: Frankreich, Großbritannien und Belgien bilden jetzt die Schlusslichter des EU-Rankings, wobei Belgien mit 99 Zählern im aktuellen Index als einziges Land unter die 100-Punkte-Marke gerutscht ist. Hier schlägt die stark unterdurchschnittliche Stimmung bei den belgischen Einzelhändlern sowie die schwache Entwicklung bei den Einzelhandelsumsätzen durch.

Europa-Index verliert drei Punkte: Deutschland büßt 17 Punkte ein

Bei einer seit 2015 vergleichsweise stabil verlaufenden Entwicklung hat der über zwölf Einzelhandelsmärkte gebildete Europa-Index von Union Investment im Verlauf des vergangen Jahres etwas an Boden verloren. Der Rückgang beträgt drei Punkte.

Das leichte Minus sei in erster Linie auf die schwache Entwicklung der Einzelhandelsumsätze zurückzuführen (Subindex: zwölf Punkte), heißt es in der Analyse. Die war in allen zwölf untersuchten EU-Ländern rückläufig. Die größten Einbußen erlebt der Subindex in Österreich (minus 25 Punkte), Portugal (minus 22 Punkte) und Deutschland (minus 17 Punkte).

USA führen internationales Ranking an

Der Nordamerika-Index (111 Punkte; plus zwei Punkte) und der Asien-Pazifik-Index (108 Punkte; plus ein Punkt) erreichen laut Union Investment im zweiten Quartal 2018 beide ein überdurchschnittliches Niveau.

Das internationale Ranking führen jetzt die USA an, gefolgt von Japan mit 110 Punkten (minus ein Punkt) und Kanada mit 108 Punkten (minus vier Punkte). Den größten Sprung machte Südkorea mit einem Plus von fünf Punkten gegenüber dem zweiten Quartal 2017.

Mit Blick auf die Transaktionsvolumina erwartet Union Investment in den kommenden sechs Monaten eine starke Konzentration der Handelsinvestments auf die europäischen Top-5-Märkte der GRAI-Rangliste sowie die USA.

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