16.11.2011 | Investoren

Globale Refinanzierungslücke halbiert sich

Laut DTZ hat sich die Refinanzierungslücke für gewerbliche Immobilieninvestitionen in den vergangenen zwölf Monaten mehr als halbiert: In den kommenden drei Jahren fehlen rund 142 Milliarden US-Dollar an Anschlussfinanzierungen.

Auf europäische Gewerbeinvestitionen entfällt dabei mit etwa 122 Milliarden US-Dollar der weitaus größte Fehlbetrag. Für die Region Asien-Pazifik geht DTZ von rund 21 Milliarden US-Dollar aus, während für Nordamerika keine Refinanzierungslücke angenommen wird.

„Die Refinanzierungslücke hat sich in allen untersuchten Weltregionen verringert“, sagt Nigel Almond, Associate Director of Forecasting & Strategy Research bei DTZ. „Bei der Finanzierungssituation beobachten wir insgesamt einen Aufwärtstrend, wenngleich die Situation in Europa nach wie vor angespannt ist.“ Für Großbritannien geht DTZ von einem Refinanzierungsengpass in Höhe von 44 Milliarden US-Dollar aus. Spanien folgt mit 29 Milliarden US-Dollar. Japan (21 Milliarden US-Dollar) und Irland (14 Milliarden US-Dollar) weisen ebenfalls hohe Fehlbeträge auf.

Irland hat dabei relativ gesehen den mit Abstand größten Engpass: 21 Prozent des dort in Gewerbeimmobilien angelegten Kapitals werden in den kommenden drei Jahren fehlen. Nirgends sonst beträgt diese Quote mehr als zehn Prozent – abgesehen von Ungarn (acht Prozent) und Spanien (sechs Prozent) erreicht sie allenfalls die Fünf-Prozent-Marke oder liegt darunter. Für Deutschland rechnet die DTZ-Studie mit einer Refinanzierungslücke von sechs Milliarden Dollar, was einer Investitionsquote von unter einem Prozent entspricht.

Erhöhte Bereitschaft von Versicherungsunternehmen

Für den Fall, dass einige europäische Länder tatsächlich zahlungsunfähig werden, präsentiert die Studie deutlich schlechtere Zahlen. Die gesamteuropäische Refinanzierungslücke betrüge bei einem angenommenen Double-Dip-Szenario nicht 122, sondern 217 Milliarden US-Dollar. Auch Deutschland und Frankreich wären dann stärker betroffen – die jeweilige Fehlsumme würde sich fast verdrei- beziehungsweise mehr als vervierfachen. Für das Eintreten eines solchen Szenarios gibt DTZ eine Wahrscheinlichkeit von 20 Prozent an.

"Das Kapital zur Schließung der globalen Refinanzierungslücke ist durchaus vorhanden", sagt Almond. "Wir registrieren eine erhöhte Bereitschaft von Versicherungsunternehmen sowie institutionellen Investoren, die Zurückhaltung der Banken auszugleichen.“ Bereits jetzt seien zehn Lebensversicherer auf dem europäischen Kreditmarkt aktiv, darunter AIG, Allianz, AXA, Aviva, Legal & General, MetLife, M&G und Canada Life.

Einen Markteinstieg von bis zu 25 weiteren Versicherungshäusern hält DTZ binnen der nächsten drei Jahre für möglich. Almond sieht in der Veränderung der Kreditgeberstruktur zudem eine historische Chance für Europa: „Mit den Anbietern könnten sich jetzt auch die Konditionen der Kreditvergabe ändern – in Richtung langfristiger, festverzinslicher Darlehen, wie wir sie etwa in den USA vorfinden.“

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