19.06.2012 | Top-Thema Gewerbliche Immobilienfinanzierung

Nachgefragt bei Jan Peter Annecke

Kapitel
Dr. Jan Peter Annecke
Bild: Münchener Hypothekenbank eG

Die Münchener Hypothekenbank zählt zu den führenden Anbietern von gewerblichen Immobilienfinanzierungen im In- und Ausland. Mit einem Zusagevolumen von rund 3,4 Milliarden Euro hat die Bank ihre Neugeschäftsziele in der privaten und der gewerblichen Immobilienfinanzierung im vergangenen Jahr um insgesamt um rund 20 Prozent übertroffen. Ein Gespräch mit Dr. Jan Peter Annecke, Leiter Gewerbliche Immobilienfinanzierung bei der Münchener Hypothekenbank eG.

Herr Annecke, vor dem Hintergrund strengerer Eigenkapitalanforderungen fahren viele Banken ihr Kreditneugeschäft zurück, insbesondere in der gewerblichen Immobilienfinanzierung. Die Münchener Hypothekenbank scheint dem allgemeinen Trend zu trotzen. Darf man wissen, wie dies gelingt?

Jan Peter Annecke: "Wir vergeben Kredite nach konservativen Richtlinien und haben diese über viele Jahre sowohl im Inland als auch im Ausland diszipliniert durchgehalten. Unsere Portfolioqualität ist daher insgesamt sehr hoch. Hinzu kommt: Seit Kurzem verwenden wir zur Bestimmung der erforderlichen Eigenkapitalunterlegung von Darlehen interne Ratings. Damit können wir die Risiken im Kreditgeschäft wesentlich präziser erfassen als vorher. Dies gibt uns auch im Neugeschäft größere Spielräume."

Ihr Haus will im laufenden Jahr vor allem den Bereich Wohnimmobilienfinanzierung weiter wachsen. Bedeutet dies, dass der Bereich Gewerbeimmobilienfinanzierung zurück gefahren wird?

Jan Peter Annecke: "Wir wollen in beiden Geschäftsfeldern wachsen. Im gewerblichen Finanzierungsgeschäft wollen wir insbesondere in Deutschland unseren Marktanteil ausbauen. Dabei behalten wir aber unsere konservative Kreditvergabepolitik bei. Im Schnitt rechnen wir in den nächsten Jahren bei der Gewerbeimmobilienfinanzierung mit einer jährlichen Steigerung des Neugeschäfts um etwa 300 Mio. Euro. Für 2012 planen wir in diesem Bereich ein Neugeschäftsvolumen von rund 1 Mrd. Euro."

Zu welchen Konditionen finanziert die Münchener Hyp derzeit Investments respektive Projektentwicklungen im Bereich Gewerbeimmobilien?

Jan Peter Annecke: "Bei Gewerbeimmobilien konzentrieren wir uns auf Bestandsfinanzierungen. Baumaßnahmen und Projektentwicklungen finanzieren wir nicht. Die Konditionen sind zum einen abhängig vom individuellen Risikogehalt einer Finanzierung sowie von den Refinanzierungsmöglichkeiten. Beim individuellen Risikogehalt sind das Rating des Kunden und die Eigenschaften der zu besichernden Immobilie bestimmend. Bei der Refinanzierung haben wir aufgrund unserer guten und risikoarmen Portfoliostruktur Vorteile, die wir auch an unsere Kunden weitergeben. Unsere Konditionen sind daher immer individuell an die jeweilige Finanzierung angepasst. Dass wir damit nicht falsch liegen, zeigt die positive Entwicklung unseres Neugeschäfts."

Wie refinanziert sich Ihre Bank?

Jan Peter Annecke: "Wir refinanzieren uns vor allem über Emission von Pfandbriefen. Die hohe Qualität des Pfandbriefs sichert uns jederzeit den Zugang zu Kapitalmarkt, so auch in der Hochphase der Finanzmarktkrise nach dem Zusammenbruch von Lehman Brothers. Die Laufzeiten des Pfandbriefs ermöglicht zudem eine fristengerechte Refinanzierung. Davon profitieren auch unsere Kunden in der gewerblichen Immobilienfinanzierung. Denn wir sind somit in der Lage, auch längerfristige Kredite zu attraktiven Konditionen anzubieten."

Sehen Sie in der wachsenden Zahl „alternativer“ Immobilienfinanzierer wie Versicherungen und Pensionskassen sowie Private Equity- oder Staatsfonds eine ernst zu nehmende Konkurrenz?

Jan Peter Annecke: "Insbesondere Versicherungen nehmen wir vermehrt am Markt wahr. Bei großvolumigen Immobilienfinanzierungen spielen einige Versicherungen Wettbewerbsvorteile gegenüber Banken aus, da sie bereit sind, solche Volumina ohne Partner zu realisieren. Auch hinsichtlich der Refinanzierung und Liquidität haben sie im derzeitigen Marktumfeld gewisse Vorteile. Wir als Münchener Hypothekenbank erleben die Versicherungen in unserem Geschäftssegment aber eher als Kooperationspartner denn als Konkurrenten. Nachdem sich einige Banken seit der Finanzmarktkrise aus der Immobilienfinanzierung zurückgezogen haben, ist eine Zusammenarbeit mit Versicherungen etwa bei Konsortialfinanzierungen durchaus sinnvoll."

Schlagworte zum Thema:  Immobilienfinanzierung, Immobilienkredit, Finanzkrise

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