19.06.2012 | Top-Thema Gewerbliche Immobilienfinanzierung

Neue Kapitalgeber in Sicht

Kapitel
Bild: Aengevelt

Schätzungen zufolge beläuft sich das Volumen der in den Jahren 2012 bis 2014 anstehenden Refinanzierungen von Immobilienkrediten in Europa auf rund 450 Milliarden Euro. Keine einfache Situation, denn einige Banken haben sich bereits vom Geschäft mit der gewerblichen Immobilienfinanzierung verabschiedet, oder aus manchen Ländern zurückgezogen.

Der Hintergrund: Im Zuge von Staatsschuldenkrise und Basel III müssen Banken ihr Kernkapital deutlich aufstocken. Um dies zu erreichen, reduzierten viele das Kreditneugeschäft. Insgesamt seien bereits 42 Institute vom europäischen Markt verschwunden, heißt es im aktuellen Marktbericht von Henderson Gobal Investors.

Refinanzierungslücke wird größer

Wie brisant die Lage ist, zeigt eine aktuelle Analyse des Internationalen Währungsfonds (IWF). Danach müssen 65 europäische Banken unter der Aufsicht der Europäische Bankaufsichtsbehörde (EBA) künftig neun Prozent Kapitalreserven aufweisen. Diese Regelung wird laut IWF zu einer Reduzierung des Kreditvolumens zwischen sechs und zehn Prozent in den nächsten zwei Jahren führen. Die strenge Regulierung der Banken durch die EBA hat weitere Folgen: Die Refinanzierungslücke in Europa habe sich mehr als verdoppelt, heisst es im neuen DTZ Global Debt Funding Gap-Report. Beinahe 85 Prozent der globalen Finanzierungslücke von 216 Milliarden US-Dollar entfielen in den kommenden beiden Jahren auf die europäischen Länder. Auf dieser Grundlage geht Nigel Almond, Associate Director of Forecasting & Strategy bei DTZ und Autor des Berichts, davon aus, dass die gewerbliche Immobilienfinanzierung im selben Zeitraum um sieben Prozent reduziert wird: „Dies erhöht die Finanzierungslücke innerhalb der nächsten zwei Jahre voraussichtlich um 107 Milliarden auf etwa 182 Milliarden Dollar.“

Besonders betroffen sind offenbar Länder, für die DTZ bislang nur eine kleine Finanzierungslücke prognostiziert hatte. „Frankreich, Deutschland, Italien und die Niederlande sehen jetzt einen starken Anstieg“, berichtet Almond. „Für Deutschland prognostizieren wir das deutlichste Wachstum von fünf Milliarden auf 26 Milliarden Dollar.“ Im Gegensatz dazu seien Großbritannien, Spanien und Irland, für die DTZ bisher die größten Lücken berechnet hat, voraussichtlich weniger stark betroffen, da die neuen Regeln relativ begrenzte Auswirkungen auf diese Märkte hätten.

Unterdessen bietet das Vakuum, welches die klassischen Immobilienfinanzierer hinterlassen, neuen Marktteilnehmern Chancen. „Die aktuelle Finanzierungssituation ist im Umbruch“, stellt Stefan Wundrak, Research-Chef bei Henderson fest. Durch die zusätzlichen Darlehenskapazitäten von Versicherern und anderen Nicht-Bank-Kreditgebern sieht DTZ-Experte Almond denn auch Potenzial, die Finanzierungslücke zu verkleinern. Aufgrund der zusätzlichen Angebote schätzt er, dass es zusätzliche Kredite in Höhe von bis zu 75 Milliarden US-Dollar geben könnte, so dass die Kreditlücke in Europa unterm Strich auf 107 Milliarden US-Dollars schrumpfe.

Schlagworte zum Thema:  Immobilienfinanzierung, Immobilienkredit, Finanzkrise

Aktuell

Meistgelesen