19.06.2012 | Top-Thema Gewerbliche Immobilienfinanzierung

Assekuranzen steigen ein

Kapitel
Bild: Aareal Bank

Neben Private-Equity-Gesellschaften gibt es zunehmend mehr Assekuranzen, die Kredite bereitstellen, allen voran US-Versicherungskonzerne.

Doch auch in Großbritannien mischen immer mehr Versicherungsgesellschaften und Pensionskassen in dem Geschäft mit: Laut Henderson liegt ihr Marktanteil mittlerweile bei 14 Prozent. „Die Konditionen der alternativen Kreditgeber sind oftmals attraktiver als die der Banken. Die Margen betragen in Großbritannien statt der marktüblichen 260 nur 240 Basispunkte“, sagt Wundrak. Der Hintergrund dieser Entwicklung: Ab 2014 tritt Solvency II in Kraft. Versicherer sind dann gezwungen, direkte Immobilieninvestments europaweit mit 25 Prozent Eigenkapital abzusichern. Bei indirekten Investments, die mit Fremdkapital gehebelt sind, erhöht sich dieser Faktor sogar deutlich. Demgegenüber liegt der zu hinterlegende Betrag für Immobiliendarlehen mit beispielsweise fünf Jahren Laufzeit bei nur 15 Prozent, bei zehn Jahren Laufzeit immer noch nur bei 23 Prozent und erst ab einer Laufzeit von zwölf Jahren wäre die Situation vergleichbar zur Direktanlage. „Die Immobilienfinanzierung ist für viele Versicherer die attraktivere Alternative zu Direktinvestments und indirekten Beteiligungen“, so Wundrak. Allerdings legten auch die Assekuranzen bei der Finanzierung von Immobilieninvestments strenge Risiko-Rendite-Profile an – gerade so wie bei eigenen Immobilieninvestments: „Sie bleiben risikoavers und finanzieren wahrscheinlich vor allem Büroobjekte.“ Noch ist der Anteil der Assekuranz an Immobilienfinanzierungen relativ gering, doch gehen Marktteilnehmer wie etwa Matthias Danne, Immobilienvorstand bei der Deka Bank davon aus, dass sich dies bald ändern könnte.

Etablierte Anbieter „nervös“

Dass die kapitalstarken Versicherer in die Immobilienfinanzierung drängen, mache etablierte Anbieter nervös, berichtete jüngst die „Financial Times Deutschland“ (FTD). Wolf Schumacher, Chef der Wiesbadener Aareal Bank AG, habe schon 2011 erklärt, dass es für Versicherer wegen der EU-Aufsichtsregeln Solvency II ab 2013 sowie der Eigenkapitalunterlegung lukrativer werde, den Bau von Immobilien für sich oder andere zu finanzieren, anstatt Objekte zu kaufen. Banken und Immobilienfinanzierer wie Aareal hingegen müssten immer mehr Eigenkapital vorhalten und knauserten deshalb mit Immobilienkrediten. „Es gibt bis jetzt keine gleichen Voraussetzungen für Banken und Versicherer“, sagte Schumacher seinerzeit der FTD. Weiter berichtet die Zeitung, dass in Großbritannien Versicherer und Pensionskassen bereits in einstmals reinen Bankenkonsortien zu finden seien: So dränge etwa Legal & General (L&G), der viertgrößte britische Versicherer, in die Immobilienfinanzierung. Insidern zufolge soll L&G bereit sein, mehrere Milliarden GBPO für Immobilienfinanzierungen bereitzustellen.

Doch nicht nur durch Versicherungskonzerne erwächst den Banken Konkurrenz: Inzwischen scheinen sich auch globale operierende Staatsfonds für das Geschäft mit der Immobilienfinanzierung zu interessieren. Bestes Beispiel dafür ist die China Investment Corporation (CIC), die für eine Akquisition von Blackstone 1,4 Milliarden GBP bereitstellte.

Schlagworte zum Thema:  Immobilienfinanzierung, Immobilienkredit, Finanzkrise

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