Aareal Bank dementiert Gerüchte über Aareon-Verkauf

Der Immobilienfinanzierer Aareal Bank will von einem Verkauf von Mehrheitsanteilen oder dem Komplettverkauf der IT-Tochter Aareon nichts wissen. Vorstandschef Hermann J. Merkens dementierte entsprechende Gerüchte. Aareon trage bei der Weiterentwicklung des Konzerns eine wesentliche Rolle.

"Wesentlicher Grund für unsere Robustheit ist unsere einzigartige Aufstellung mit zwei erfolgreichen Segmenten", sagte Merkens in einer Mitteilung. Der IT-Tochter komme wegen ihrer "exzellenten Wachstumsperspektiven und der starken Verflechtungen mit dem Bankgeschäft" bei der Weiterentwicklung des Konzerns eine "wesentliche Rolle" zu. Vor diesem Hintergrund verfolge die Bank auch weiterhin keinen Mehrheits- oder Vollverkauf der Tochter. Einen Minderheitsverkauf schloss der Aareal-Chef damit jedoch nicht explizit aus.

Mit der Klarstellung reagierte der Manager auf einen Bericht der Nachrichtenagentur Bloomberg vom Oktober, in dem anonyme Insider zitiert worden waren: Die Aareal Bank gebe dem Druck eines aktivistischen Investors nach und prüfe den Verkauf von Aareon, hieß es in dem Bericht.

Dementi und Risikovorsorge wirkt sich negativ auf Aareal-Aktien aus

Am Finanzmarkt kam einem Aktienhändler zufolge die Erklärung von Aareal-Chef Merkens am Dienstagmorgen nicht gut an: Die Papiere des MDax-Konzerns fielen kurz nach Handelsbeginn am 12. November in Frankfurt am Main um 3,95 Prozent auf 29,20 Euro. Zudem hatten Analysten für das Gesamtjahr bisher noch mit einem Betriebsgewinn von rund 252 Millionen Euro gerechnet. Wegen einer höheren Risikovorsorge im Gesamtjahr sowie einem höheren Abgangsergebnis rechnet die Aareal Bank nun mit einem Konzernbetriebsergebnis am unteren Ende der Spanne von 240 bis 280 Millionen Euro.

Merkens erklärte in der Unternehmensmitteilung, das Kreditbuch der Bank in vergleichsweise guten Zeiten aufräumen zu wollen. Im Sommer legte die Bank deshalb mehr Geld für faule Kredite zurück, was jetzt auf den Jahresgewinn durchschlägt. Insgesamt dürfte die Risikovorsorge in diesem Jahr nach Einschätzung des Vorstands 80 bis 110 Millionen Euro erreichen. Bisher war das Management von 50 bis 80 Millionen ausgegangen.

Von Teil- bis Komplettverkauf von Aareon: In den Medien sind alle Varianten durchgespielt

Nach einem Bericht der ARD soll der Hedgefonds Teleios Capital Partners mit Sitz im Schweizerischen Zug seine Beteiligung an der Aareal Bank inzwischen auf knapp 4,5 Prozent ausgebaut haben. Ende September soll der Anteilseigner in einem Brief an das Aareal-Bank-Management Konzernchef Merkens aufgefordert haben, Aareon komplett zu verkaufen oder abzuspalten.

Mögliche Pläne für einen Teilverkauf waren Ende Juli erstmals durchgesickert. Laut Handelsblatt soll Finanzvorstand Marc Heß damals erklärt haben, Aareon sei und bleibe ein integraler Bestandteil der Aareal Bank. Nach dem Brief im September habe Merkens bei einem Treffen mit Teleios nur "die Bereitschaft erkennen lassen, sich von maximal 30 Prozent an Aareon zu trennen und einen strategischen Minderheitsaktionär an Bord zu nehmen", schreibt das Wirtschaftsblatt. Teleios habe diesen Plan sowohl für Aareon als auch für die Aareal-Aktionäre als "suboptimal" bezeichnet.

Teleios-Gründer in der Wirtschaftswoche: Aareal Bank zu "konservativ" für Aareon

Das Software-Unternehmen Aareon könne sich unter einem anderen Eigentümer als einem "konservativen und stagnierenden Gewerbeimmobilien-Finanzierer" besser entfalten, zitierte die Wirtschaftswoche Teleios-Mitgründer Adam Epstein. Aareon alleine wäre nach Schätzungen von Teleios mindestens 700 Millionen bis eine Milliarde Euro wert, heißt es im Bericht. Anfang Oktober teilte Bloomberg unter Berufung auf Teleios mit, auch der britische Investor Petrus Advisers, der einen Anteil von zwei Prozent an der Aareal Bank hält, habe sich für einen Komplettverkauf von Aareon ausgesprochen.

Einen vollständigen Verkauf von Aareon halte er für wenig wahrscheinlich, weil damit auch Synergieeffekte entfielen, schrieb DZ-Bank-Analyst Manuel Mühl in einer Studie, die am 7. Oktober vorlag, wie das Finanz- und Wirtschaftsportal wallstreet-online vor ein paar Tagen meldete. Die Veräußerung eines Minderheitsanteils von Aareon an einen strategischen Partner sei vorstellbar.

dpa
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