Aareal Bank veräußert 30 Prozent von IT-Tochter Aareon

Der Deal steht: Die Aareal Bank veräußert 30 Prozent ihrer IT-Tochtergesellschaft Aareon an den Finanzinvestor Advent International. Damit setzt der Immobilienfinanzierer eine Strategie um, die er bereits im Mai angekündigt hatte.

Advent International kauft den Aareon-Anteil nach Angaben der Aareal Bank für rund 260 Millionen Euro in bar. Zudem sei eine langfristig angelegte Partnerschaft vereinbart worden. Aus der Transaktion werde ein Veräußerungsgewinn von zirka 180 Millionen Euro erzielt. Aus dem Kaufpreis abgeleitet ergibt sich laut der Aareal Bank ein Unternehmenswert für die IT-Tochter von knapp einer Milliarde Euro. Der Deal muss noch vom Aufsichtsrat genehmigt werden und soll im Laufe des vierten Quartals 2020 vollzogen werden.

Für die Zukunft der IT-Tochter planen Aareal und Advent unter anderem Unternehmensbeteiligungen im kleinen und mittelgroßen Bereich. Neben einer angedachten Fremdkapital-Aufnahme sei vereinbart worden, dass die Partner falls nötig Eigenkapital einbringen, heißt es in einer Mitteilung.

Aareal Bank will Wachstum der IT-Sparte Aareon forcieren

Die Aareal Bank hatte im Mai angekündigt, dass sie einen strategischen Partner suche, der eine "signifikante Minderheitsbeteiligung" kaufe. Man wolle das Geld eventuell für Zukäufe einsetzen und gewinne zudem "zusätzliche Flexibilität im Kapitalmanagement", begründet der Konzern den Schritt jetzt. Bereits im Februar hatte Hermann J. Merkens mitgeteilt, Aareon mit einer Reihe von Übernahmen stärken zu wollen. Dafür stünde dem Unternehmen ein dreistelliger Millionen-Euro-Betrag zur Verfügung. Interessant seien Unternehmen entlang der Wertschöpfungskette der Wohnungswirtschaft. Aareon solle nicht nur das Wachstumstempo deutlich erhöhen, sondern auch "als eigenständig am Markt positioniertes Software-Unternehmen eine starke, von der Mutter unabhängige Wert-Perspektive entwickeln", so Merkens damals.

Aareon soll "Rule of 40"-Unternehmen werden

Wie der Immobilienfinanzierer jetzt mitteilt, soll Aareon bis 2025 ein sogenanntes "Rule of 40"-Unternehmen werden. Das heißt, dass das Umsatzwachstum und die Marge für das Ergebnis vor Zinsen, Steuern, Abschreibungen (EBITDA-Marge) addiert mindestens 40 Prozent ergeben. Dies gehe über das bisherige Ziel der Aareon, ihr EBITDA mindestens zu verdoppeln, deutlich hinaus. Im Jahr 2019 war der Umsatz von Aareon um 6,5 Prozent auf 252 Millionen Euro gestiegen und das EBITDA hatte laut einem Aareal-Sprecher um 6 Prozent auf 61 Millionen Euro zugelegt. Die EBITDA-Marge lag demnach bei 24 Prozent.

An der Börse kam der vereinbarte Deal mit Advent International gut an. Am Freitagvormittag gewannen die Aareal-Bank-Aktien 7,1 Prozent auf 19,96 Euro. In der Corona-Krise waren die Papiere von über 30 Euro bis unter 13 Euro abgesackt und hatten sich zuletzt nur zögerlich erholt.

Aareal Bank schlitterte im zweiten Quartal 2020 nur knapp an Verlust vorbei

Am Vortag hatten die Aktienkurse nach der Veröffentlichung von eher tristen Quartalszahlen noch nachgegeben. Im zweiten Geschäftsquartal schlitterte der Immobilienfinanzierer aus Wiesbaden erneut nur knapp an einem Verlust vorbei. Im Gesamtjahr hält Vorstandschef Hermann J. Merkens zwar weiter ein deutlich positives Betriebsergebnis für machbar – allerdings nur im "mittleren bis oberen zweistelligen Millionenbereich". Im zweiten Quartal stockte das Management zudem wegen der Corona-Krise die Risikovorsorge für faule Kredite um 48 Millionen Euro auf. Insgesamt hat das Institut seit dem Jahreswechsel bereits 106 Millionen Euro für drohende Kreditausfälle zurückgelegt, fast viermal so viel wie ein Jahr zuvor.

 Das könnte Sie auch interessieren:

Die Krise macht Immobilienfinanzierer unsicher – Risiken kaum einschätzbar

Liquidität hat in der Krise oberste Priorität für die Immobilienfinanzierung

dpa
Schlagworte zum Thema:  Immobilienfinanzierung, Unternehmen