Vieles läuft gut in und um Frankfurt. Die Stadt wächst. Zwischen Renditeerwartung und sozialer Verantwortung ringen Unternehmer um den richtigen Weg. Was die Experten sagen, erfahren Sie im Video zur Frankfurter Unternehmerrunde.

Es gibt in Frankfurt zurzeit eine kontroverse wohnungspolitische Debatte, mit der sich die Marktteilnehmer womöglich noch lange werden befassen müssen. Es geht unter anderem um die Grundstücksvergabe durch die Kommunen, um Förderung und Förderquoten, um staatliche Marktregulierungen und eine verzerrte Einstellung der Gesellschaft zum Wachstum des freien Marktes. Zum Teil knirscht es auch, etwa in der Kommunikation mit Behörden.

Vor diesem Hintergrund diskutierte Dirk Labusch, Chefredakteur der Fachzeitschrift "Immobilienwirtschaft", mit Vertretern von Unternehmen, die aus verschiedenen Gründen in den Frankfurter Immobilienmarkt involviert sind: Dr. Ralf Verwiebe (Stellvertretender Abteilungsdirektor Real Estate Finance, Helaba Landesbank Hessen-Thüringen), Fabian Klingler (Vorstand Aberdeen Standard Investments Deutschland AG), Dr. Constantin Westphal (Geschäftsführer Nassauische Heimstätte Wohnstadt), Oliver Schwebel (Geschäftsführer Wirtschaftsförderung Frankfurt), Marcus Brod (Geschäftsführender Gesellschafter Pecan Development) und Ralf-Jörg Kadenbach (Vorstandsvorsitzender Europa-Center). 

Unternehmerrunde Frankfurt 2019
Sechs Experten diskutieren mit dem Chefredakteur der "Immobilienwirtschaft", Dirk Labusch (Mitte), über die neuesten Markttrends in Frankfurt am Main
Kommunikationsdefizite und fehlendes Gesamtkonzept

Darüber, dass die Region Frankfurt / Rhein-Main die Investition der Privaten braucht, waren sich die Teilnehmer der Unternehmerrunde einig. Bis 2030 könnten etwa 60.000 Wohnungen fehlen, vor allem bezahlbarer Wohnraum für die Mittelschicht. Da die Stadt Frankfurt zu klein ist, wird auch mit den angrenzenden Kommunen zusammengearbeitet werden müssen. Doch die Umlandkommunen sind im Augenblick in starker Opposition zur Stadt Frankfurt.

Zur Sprache kam in der Runde auch, dass es häufig an der Abstimmung fehlt. So tauschen sich zwar einzelne Planungsträger, Interessengruppen und Behörden untereinander aus, aber es gibt kein Gesamtkonzept, aus dem man eine Perspektive entwickeln könnte. Wohnviertel am Stadtrand entstehen auch deshalb nicht, weil die anliegenden Kommunen dies nicht unterstützen. Flächen, die im Grunde geeignet wären für Entwicklungen, von denen aus man sehr schnell in der Innenstadt wäre, stehen dann nicht zur Verfügung.

Vollvermietung am Büromarkt und Spekulation aus Asien

Ein Thema in der Runde war auch der Frankfurter Büromarkt mit seiner großen Nachfrage. Viele Immobilien in der Stadt sind nahezu vollvermietet. Die Leerstandsraten sind massiv gesunken. Wer baut, kann mit einer signifikanten Vorvermietung rechnen. Nicht nur in den Stadtteilen oder im Umland, auch in der Innenstadt gibt es noch interessante Flächen, die entwickelt werden können, so ein Fazit.

Ein Problem sehen die Experten darin, dass in den hochpreisigen gemischten Innenstadt-Quartieren, wie etwa dem Europaviertel, Wohnungen leerstehen, weil sie von asiatischen Investoren zu Spekulationszwecken aufgekauft werden. Dies schade der Reputation des Standorts.

Perspektiven, internationale Attraktivität und Brexit

Im Ergebnis sehen die Experten in Frankfurt viel Potenzial für Wachstum. Die Zahlen und Fundamentaldaten stützen den Optimismus in Bezug auf Frankfurt. Nicht nur, was den Abbau von Leerstandsflächen angeht, sondern auch die perspektivische Auslastung, vor allem am Büromarkt. Projektentwicklungen lohnen sich, die Nachfrage ist noch lange nicht gedeckt, was für eine gute Perspektive spricht, vor allem im Vergleich mit anderen europäischen Bürostandorten.

Hier könnte Frankfurt von der Internationalität profitieren, der europäischen Zentralbank und seiner zentralen Lage in Deutschland und Europa. Spannend bleibt, wie sich der Brexit noch auswirken wird.


Das vollständige Interview in gedruckter Version erscheint in der Beilage "Region-Report Frankfurt" zum Magazin " Immobilienwirtschaft", Ausgabe 10/2019


Das könnte Sie auch interessieren:

Unternehmerrunde Berlin: Dynamischer Markt mit Wachstumsschmerzen

Schlagworte zum Thema:  Unternehmer, Immobilienmarkt, Investment