28.07.2016 | Top-Thema FinTechs: Der Kampf hat erst begonnen

Neue Player mit ehrgeizigen Zielen-nicht nur im Crowdinvesting

Kapitel
Die Welt im Visier: Einige Start-ups planen globaler zu werden.
Bild: Haufe Online Redaktion

Bisher liegt der Schwerpunkt der Crowdinvesting Start-up Szene auf der Finanzierung von kleinen Wohnprojekten mit wenig Kapital. Doch immer mehr ehrgeizige Unternehmen bauen ihr Angebot aus. Auch Marketingzwecke spielen offensichtlich eine Rolle.

Aufsehen erregt hat Bergfürst vor wenigen Wochen mit seinem jüngsten Angebot: Während die Crowdinvesting-Szene bisher vor allem auf kleinere Wohnprojekte setzte, sucht Bergfürst jetzt Investoren, die sich an einem Portfolio aus 13 über Deutschland verteilten Supermärkten und Discountern beteiligen.

Zurück zum "alten Modell"?

In der Branche hört man skeptische Stimmen, ob die angestrebte Zeichnungssumme von 2,5 Millionen Euro erzielt werden könne. Sandler zeigt sich hingegen zuversichtlich – auch unter Verweis auf die geplante Zusammenarbeit mit einem digitalen Vertrieb. Doch nähert sich damit das Geschäftsmodell nicht dem „alten“ Modell des geschlossenen Immobilienfonds an, von dem sich die FinTechs doch gerade abgrenzen wollen? Dies verneint Sandler:

"Es bleibt dabei, dass die Investoren (anders als bei Fonds) keine Gebühren entrichten müssen."

Den zur Unterstützung eingeschalteten Vertrieb bezahlt Sandler aus der Gebühr, welche die Projektentwickler an Bergfürst überweisen.

Zu den wenigen Plattformen, die derzeit mehrere Immobilienprojekte präsentieren, gehört neben Exporo und Bergfürst auch Zinsland aus Hamburg. „Wir bereiten gerade größere Projekte vor“, sagt Zinsland-Geschäftsführer Carl von Stechow.

Crowdinvesting soll global werden

Ebenfalls ehrgeizige Ziele verkündet das Berliner Start-up iFunded.

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, erklärt Geschäftsführer Michael Stephan. Geplant ist nach seinen Worten, Investoren aus unterschiedlichen Ländern nicht nur die Beteiligung an Wohnprojekten, sondern auch an gewerblichen Immobilienprojekten zu ermöglichen. Dieses Ziel verfolgt er nicht als einziger.

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Noch ist allerdings das Angebot von iFunded schmal: Erstes und bisher einziges Projekt auf der Plattform ist ein Wohngebäude in der Berliner Karl-Marx-Allee. Dieses stammt aus dem Portfolio der Skjerven-Group, deren Chef Einar Skjerven Mitgründer von iFunded ist. 1,1 Millionen Euro sollen eingesammelt werden, um die historischen Kacheln an der Fassade des denkmalgeschützten Gebäudes zu erneuern.

Marketing als wichtiger Aspekt

Man darf vermuten, dass die Skjerven-Group diese Maßnahme auch ohne Unterstützung durch den Schwarm stemmen könnte. Das Beispiel zeigt, dass es beim Crowdinvesting nicht nur um die Erschließung neuer Finanzierungsquellen, sondern auch um Marketing geht – die Skjerven-Group verkauft nämlich derzeit die Wohnungen im Baudenkmal.

Und wie geht es weiter? Zinsland-Chef von Stechow ist überzeugt:

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Ob das dann über Banken oder kleinere Anbieter läuft, wird man sehen.“ Tatsächlich verfolgen die etablierten Banken das Tun der Immobilienfinanzierungs-FinTechs aufmerksam; Kooperationen sind bisher aber nicht bekannt geworden.

Wenige Start-ups haben Aussicht zu bleiben

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Exporo-Vorstand Julian Oertzen jedenfalls rechnet damit, dass sich letztlich nur einige wenige Anbieter werden behaupten können.

Noch aber drängen immer neue Start-ups auf das deutsche Spielfeld:

Aus Österreich melden Reval und Home Rocket, dass sie den deutschen Markt ins Visier nehmen wollen; Rocket Internet, die Beteiligungsgesellschaft der Samwer-Brüder, hat in das britische Startup Brickvest investiert; und vor kurzem haben der Nürnberger Immobilienentwickler Sontowski & Partner (S&P) und die Beteiligungsgesellschaft FinLeap die digitale Plattform Zinsbaustein gegründet.

Deren Absicht ist alles andere als bescheiden: „Unser Ziel ist es“, erklärt S&P-Chef Klaus-Jürgen Sontowski, „der Immobilienscout der Immobilieninvestments zu werden.“

 

Der Text ist im Fachmagazin "Immobilienwirtschaft", Ausgabe 07/8/2016, erschienen.

 

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Schlagworte zum Thema:  Startup, Crowdinvesting, Online-Plattform, Fonds

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