28.07.2016 | Top-Thema FinTechs: Der Kampf hat erst begonnen

Crowdinvesting: Kleine Summen, kleine Projekte

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Gerade in Berlin-aber nicht nur- entsteht ein Crowdinvesting Start-up nach dem anderen.
Bild: MEV Verlag GmbH, Germany

In der Immobilienbranche tummeln sich immer mehr FinTechs, die durch digitale Geschäftsprozesse die alte Welt der Fonds und Banken überflüssig machen wollen. Besonders gute Chancen sehen sie im Crowdinvesting. Welche Start-ups sich in diesem Segment durchsetzen werden ist noch offen.

Es ist kaum zwei Jahre her, dass sich die deutsche Öffentlichkeit erstmals ernsthaft mit dem Thema Crowdinvesting für Immobilien beschäftigte. Enthusiasten der digitalen Welt schwärmten von der Möglichkeit, private Kapitalanleger unkompliziert an der Finanzierung von Immobilieninvestitionen zu beteiligen, während Skeptiker vor hohen Risiken für die Investoren warnten.

Crowdinvesting steht erst in den Startlöchern 

Den Durchbruch, dies vorweg, hat die Schwarmfinanzierung in Deutschland noch nicht geschafft.

Laut einer Studie des Crowdinvesting Start-ups iFunded wurden bisher auf diesem Weg 35 Millionen Euro eingesammelt, mit denen Projekte im Wert von 309 Millionen Euro finanziert wurden

– ein winziges Sümmchen im Vergleich zur Größe des deutschen Immobilienmarkts. Auffällig ist außerdem, dass manche Pioniere dieser Finanzierungsform bereits wieder vom Markt verschwunden sind: Die von Michael Ullmann gegründete Plattform Kapitalfreunde führt keine aktuellen oder geplanten Projekte auf, während die Plattform Raumrendite sogar ihre Website stillgelegt hat.

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räumt Exporo-Vorstand Julian Oertzen ein. Das Hamburger Unternehmen bezeichnet sich selbst als Marktführer beim Immobilien-Crowdinvesting in der Bundesrepublik und hat als bisher einziger Anbieter bereits mehrere Projekte abgeschlossen, so dass die Anleger ihr investiertes Kapital plus Zinsen zurückerhalten haben.

Vorteil für Developer: die bescheidene Crowd

„Der Vorteil bei Crowdinvesting ist, dass wir Kapital schnell und flexibel zur Verfügung stellen können“, sagt Oertzen. Dabei handelt es sich – wie auch bei den anderen Plattformen – um Mezzanine-Kapital, also um Mittel, die sich Projektentwickler dem Eigenkapital zurechnen lassen können. Der Vorteil für die Developer: Während Family Offices und andere professionelle Mezzanine-Kapitalgeber je nach Risiko eine Rendite von sieben bis 25 Prozent erwarten, gibt sich die Crowd in der Regel mit einem Zins zwischen vier und sechs Prozent zufrieden. Außerdem, erläutert Exporo-Vorstand Oertzen, steigen professionelle Kapitalgeber erst bei einem Finanzbedarf ab etwa zwei Millionen Euro ein.

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Typisch für Crowdinvesting-Plattformen: Begrenztes Kapital

Dass bisher auf diesem Weg in der Regel eher kleinere Projekte finanziert worden sind, hat aber noch einen zweiten Grund: Die meisten Crowdinvesting-Plattformen arbeiten unter den Regeln des Kleinanlagerschutzgesetzes. Dieses hat den Vorteil, dass Emittenten keinen Prospekt erstellen müssen, begrenzt aber das eingesammelte Kapital auf 2,5 Millionen Euro, wobei ein Anleger höchstens 10.000 Euro investieren darf. Meist handelt es sich dabei um Nachrangdarlehen; falls bei einem Projekt etwas schief geht, werden Investoren also nach den Fremdkapitalgebern, aber vor den Gesellschaftern des Projektunternehmens bedient.

 

Der Text ist im Fachmagazin "Immobilienwirtschaft", Ausgabe 07/8/2016, erschienen.

 

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Schlagworte zum Thema:  Startup, Crowdinvesting, Online-Plattform, Fonds

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