05.10.2015 | Top-Thema Finanzierung: Der Fluch der Liquidität

Der Fluch der Liquidität

Kapitel
Geld ist da - nur wohin damit?
Bild: Haufe Online Redaktion

Nicht nur Immobilien sind stark gefragt. Immer mehr Investoren drängen auch in das Finanzierungsgeschäft. Der Wettbewerb unter den Fremdkapitalgebern wird immer härter – die Risiken steigen.

Mit einer langen Unternehmenstradition lassen sich kurzfristige Trends nüchtern aus der Distanz betrachten. Die Deutsche Hypo, 1872 von Kaufleuten in Hannover gegründet und damit einer der ältesten Gewerbeimmobilienfinanzierer in Deutschland, hat zahlreiche Kursschwankungen an den Betongoldmärkten gesehen und überstanden. Da verwundert es nicht, dass der derzeitige Boom bei Vorstandssprecher Andreas Pohl auf eine skeptische Grundhaltung trifft: „Viele Investoren schwimmen momentan im Geld.“ Das verleite manche Akteure zu riskanten Entscheidungen. „Die hohe Liquidität“, warnt Pohl, „spiegelt fälschlicherweise vor, dass am Markt alles machbar sei.“


Wohlfühlfaktor als Illusion

Eine Illusion, der sich die Hannoveraner nicht hingeben. 1,4 Milliarden Euro Neugeschäft hat die Pfandbriefbank in der ersten Jahreshälfte gemacht – 6,6 Prozent weniger als im Vergleichszeitraum des Vorjahres, in dem 1,5 Milliarden Euro an neuen Darlehen ausgereicht worden waren. Die Niedersachsen wollen nicht jede Finanzierung tätigen, die ihnen angedient wird. „Wir suchen Geschäfte, bei denen wir uns nachhaltig wohlfühlen“, sagt Pohl. Die sind gar nicht so leicht zu finden, obwohl Immobilien zurzeit an den Kapitalmärkten als vermeintlich beste Assetklasse gelten und Altersvorsorgeeinrichtungen, Family Offices, Stiftungen und Versicherungen gleichzeitig mit Macht nach Objekten suchen. Der 2010 von der Finanzkrise und den dramatischen Zinssenkungen der Notenbanken ausgelöste Boom an den Gewerbeimmobilienmärkten hat seither die Preise von Core-Objekten weit stärker in die Höhe getrieben, als deren Mieten im selben Zeitraum zulegten. Diese Büro- und Einzelhandelsimmobilien sind langfristig an Nutzer bester Bonität vermietet. Sie sind inzwischen so teuer und rar geworden, dass sich Investoren zunächst auf B-Lagen und seit Jüngstem sogar auf C-Lagen stürzen. „Die Frage ist jedoch, ob diese Immobilien langfristig tatsächlich vermietbar und eines Tages auch wieder veräußerbar sind“, sagt Pohl.
Das heißt allerdings nicht, dass Investoren für Käufe von Value-Add-Objekten keine Kredite erhalten. Die Landesbank Hessen-Thüringen beispielsweise stellte dieses Jahr dem britischen Investor Orion Capital Managers eine Finanzierung über 347 Millionen Euro für den Erwerb eines Portfolios aus elf Büroobjekten in sechs Städten mit Schwerpunkt Berlin und Hamburg. Dies obwohl zum Zeitpunkt der Kreditvergabe von den insgesamt 178.000 Quadratmetern nur 81 Prozent vermietet waren.

Immobilienfinanzierer auf der Expo Real 
Unternehmen Halle/Stand
Allianz Real EstateA1.114
Aareal BankB2.230
Berlin HypB2.314
BNP Paribas REIMC2.220
DekaBankA2.110
Deutsche HypoB1.344
HelabaC1.432
HSH NordbankC2.112
Münchner HypB2.412

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Schlagworte zum Thema:  Expo Real, Finanzmärkte, Investor, Investment Property

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