05.10.2015 | Top-Thema Finanzierung: Der Fluch der Liquidität

Berater als Kreditgeber

Kapitel
Im Augenblick begeistern sich Investoren für Pfandbriefe
Bild: vdp

Selbst große Immobilienberatungsgesellschaften tummeln sich im Kreditmarkt.

Die französische BNP Paribas Real Estate übernahm vor eineinhalb Jahren die Immobilienfondstochter III Investments der Hypovereinsbank und damit auch deren Kreditfonds mit einem Volumen von insgesamt 151 Millionen Euro. Zuletzt beteiligte sich einer der Fonds im Rahmen einer Syndizierung mit 20 Millionen Euro an einem Seniordarlehen zugunsten der Adler Real Estate. Die konnte so die Mehrheitsbeteiligung an der Jade Wobau mit ihren 6.750 Wohnungen in Wilhelmshaven und einem Gesamtwert von mehr als 200 Millionen Euro erwerben.

Für institutionelle Investoren würden Kreditfonds immer interessanter, sagt Reinhard Mattern, Vorsitzender der Geschäftsführung von BNP Paribas Real Estate Investment Management. „Über die Bereitstellung von Fremdkapital erhalten sie Zugang zu Immobilien, an denen sie sich als Eigenkapitalinvestoren etwa aus Gründen der Portfoliodiversifikation nicht beteiligen würden.“

Die Syndizierung des Adler-Kredits ist nicht das einzige Beispiel dafür, dass Akteure im Finanzierungsgeschäft trotz des harten Wettbewerbs untereinander zuweilen auch zusammenarbeiten. Insbesondere, wenn es um hohe drei- oder gar vierstellige Millionenbeträge geht. Allianz Real Estate, die 33 Milliarden Euro schwere Immobilienanlagetochter des weltgrößten Versicherungskonzerns, und die Aareal Bank haben jüngst gemeinsam eine Konsortialfinanzierung über 630 Millionen Euro geschmiedet.

Darlehensnehmer ist der US-Investor Northstar Realty Finance, der damit ein 1,1 Milliarden Euro schweres paneuropäisches Büroimmobilienportfolio aus elf Objekten in Amsterdam, Brüssel, Göteborg, Hamburg, London, Mailand und Rotterdam erwarb. Die Zusammenarbeit mit der Aareal Bank sei „professionell und reibungslos verlaufen“, versichert Roland Fuchs, Leiter europäische Immobilienfinanzierung bei Allianz Real Estate. „Besonders auch bei der Strukturierung und Dokumentation versicherungsspezifischer Anforderungen.“
Während die Assekuranzen und Pensionskassen das von ihnen bereitgestellte Fremdkapital aus den laufenden Beitragszahlungen ihrer Kunden generieren, müssen Banken die von ihnen ausgereichten Darlehen am Kapitalmarkt refinanzieren. Bislang ist das kein Problem. „Im augenblicklichen Umfeld anhaltend niedriger Zinsen begeistern sich Investoren für Pfandbriefe“, sagt Sven Schukat, Bereichsleiter Treasury der Berlin Hyp, der eigenständigen Schwester der Berliner Sparkasse. Jüngst konnte der Immobilienfinanzierer einen dreijährigen Pfandbrief über 500 Millionen Euro binnen einer Stunde platzieren. Die Käufer der dreifach überzeichneten Emission begnügten sich am Ende mit einer Rendite von 0,065 Prozent. Der Münchener Hyp war es kurz zuvor gelungen, einen fünfjährigen Pfandbrief über 750 Millionen Euro mit einem Kupon von 0,25 Prozent zu begeben. „Das spricht für die Stärke des Pfandbriefs als Refinanzierungsinstrument“, sagt Vorstandssprecher Louis Hagen.
Die 143-jährige Geschichte der Deutschen Hypo zeigt aber auch, kein Zinszyklus währt ewig. „Irgendwann wird Fremdkapital wieder teurer“, sagt Andreas Pohl. Die Banken müssten dann Kredite in ihren Portfolios haben, deren als Sicherheit hinterlegte Immobilien auch dann noch ausreichend Erträge bringen. „Das“, sagt Pohl, „trifft nicht auf alle Objekte zu, für die heute Finanzierungen gesucht werden.“

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