25.10.2012 | Serie Von den Finanzgerichten

Im Oktober- Steuern sparen bei der Haussanierung

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Die Sanierung von Asbest kann als außergewöhnliche Belastung gelten.
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Gesundheitsgefährdung: Sanierungskosten für eigengenutzte Immobilien erkennt das Finanzamt als außergewöhnliche Belastung an – jedenfalls unter bestimmten Voraussetzungen.

Wer sein Eigenheim oder die Wohnung selbst nutzt, kann normalerweise lediglich eine Steuerermäßigung für Handwerkerkosten ohne Material geltend machen. Absetzbar sind 20 Prozent der Reparaturkosten von maximal 6.000 Euro jährlich. Über den Steuerbescheid erteilt das Finanzamt also maximal eine Steuergutschrift in Höhe von 1.200 Euro.
Unter bestimmten Voraussetzungen können Eigenheimbesitzer jetzt allerdings eine höhere Steuererstattung erhalten, wenn sie Sanierungskosten als außergewöhnliche Belastungen geltend machen. Das hat der Bundesfinanzhof (BFH) am 29. März 2012 in drei Urteilen entschieden. Dieser Vorteil gilt allerdings nicht für übliche Modernisierungsarbeiten oder die Beseitigung von Baumängeln.
Als außergewöhnliche Belastung wertet der BFH zum Beispiel Sanierungen zur Abwehr konkreter Gesundheitsgefährdungen (Az. VI R 47/10). Dazu kann zum Beispiel der Austausch imprägnierter Holzbauteile des Gebäudes wegen einer PCB- oder Formaldehyd-Belastung (im mittlerweile verbotenen Holzschutzmittel Xylamon enthalten) oder die Sanierung eines asbestgedeckten Dachs zählen. Allerdings genügt hier nicht die abstrakte Gefährlichkeit von Asbestfasern – der Steuerzahler muss eine konkret zu befürchtende Gesundheitsgefahr nachweisen. Steuern spart auch die Beseitigung des Befalls mit echtem Hausschwamm, wenn dieser die Gebäudestatik gefährdet (Az. VI R 70/10) oder die Behebung von unzumutbaren Geruchsbelästigungen (Az. VI R 21/11).

Mängel müssen neu sein

Auch die Abwehr von Brand- oder Hochwasserschäden können künftig steuerlich geltend gemacht werden. Allerdings darf der Grund für die Sanierung weder beim Kauf der Immobilie erkennbar gewesen noch vom Eigentümer verschuldet worden sein. Zwar genügt nach Meinung der BFH-Richter zum Nachweis der Gesundheitsgefährdung durch die Schadstoffe auch ein nachträglich erstelltes technisches Gutachten. Doch können Steuerzahler nach Abschluss der Baumaßnahme Nachweisprobleme hinsichtlich der Zwangsläufigkeit der Sanierung bekommen. Um Ansprüche beim Fiskus leichter durchsetzen zu können, sollte man deshalb vor Beginn der Sanierungen ein amtliches technisches Gutachten einholen. Fachärztliche Gutachten allein reichen nach Meinung der Richter nicht aus.
Den Steuervorteil gibt es nur für Kos­ten, die der Steuerzahler aus eigener Tasche finanzieren musste. Zivilrechtliche Ersatzansprüche gegen Dritte (zum Beispiel eine Elementarversicherung) muss er deshalb konsequent einfordern, bevor das Finanzamt die Kosten akzeptiert. Auch muss er sich die Wertsteigerung des Hauses durch neue Bauteile auf den Steuervorteil anrechnen lassen

Weitere Finanzgerichtsurteile: Wechselseitige Vermietungen & Entschädigung für Aufwendungen

Überkreuz-Vermietung als Gestaltungsmissbrauch

Das Finanzgericht Köln bewertet die wechselseitige Vermietung von Wohnungen unter nahen Angehörigen als Gestaltungsmissbrauch (Urteil vom 22.9.2011 – 6 K 2057/08). Streitig war die Anerkennung von Vermietungsverlusten im Zusammenhang mit einer wechselseitigen Vermietung von Wohnungseigentum an nahe Angehörige. Das Finanzamt hatte die Anerkennung der Vermietungsverluste versagt. Dagegen wandten sich die Kläger. Ein Rechtsmissbrauch könne nur dann vorliegen, wenn zur Befriedigung des eigenen Wohnbedarfs gleichwertiger Wohnraum über Kreuz vermietet werde. Bei Anschaffung der Einheiten seien die Kinder der Kläger jedoch noch unverheiratet gewesen. Mittlerweile hätten beide Kinder Familien, deshalb habe man sich für eine anderweitige Nutzung entschieden. Die Richter des FG Köln folgten diesen Argumenten nicht. Die Steuergesetze dürften nicht durch den Missbrauch von Gestaltungsmöglichkeiten des Rechts umgangen werden. Trotz Zulassung der Revision (Az. IX R 18/12) durch den BFH ist keine abweichende Entscheidung zu erwarten.

Entschädigung für Aufwendungen voll steuerpflichtig

Nach der Regelung des § 24 Nr. 1 a Einkommensteuergesetz werden Entschädigungen für entgangene oder entgehende Einnahmen nur ermäßigt besteuert. Diese Vergünstigung gilt nach einem BFH-Urteil vom 18. Oktober 2011 (Az. IX R 58/10) allerdings nicht für Ausgleichszahlungen, die künftige Ausgaben ausgleichen sollen. Die Klägerin hatte neun Reihenhäuser an die Bundesrepublik Deutschland vermietet, sie wurden von niederländischen Streitkräften bewohnt. Die Mietverträge wurden im Streitjahr aufgehoben. Die Klägerin erhielt für die vorzeitige Auflösung eine einmalige Zahlung von 147.918 Euro. Die Entschädigungszahlung für das Risiko der Anschlussvermietung (93.350 Euro) versteuerte das Finanzamt nur mit einem ermäßig­ten Steuersatz – die Ausgleichszahlung in Höhe von 52.233 Euro für die durch die vorzeitige Vertragsauflösung ausgelöste Umsatzsteuerrückzahlung behandelte das Finanzamt dagegen als laufende Einnahme und versteuerte sie in voller Höhe. Der BFH gab dem beklagten Finanzamt recht.

Schlagworte zum Thema:  Finanzgericht, Sanierung, Steuern, Außergewöhnliche Belastung

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