06.10.2011 | Investoren

Expo Real: Immobilienwirtschaft fürchtet Kreditverknappung

Immobilienkredite könnten knapper und teurer werden. Darauf haben Vertreter der Spitzenverbände der Immobilienwirtschaft auf der Expo Real in München hingewiesen. Grund sind die geplanten Regelungen zu Basel III und Solvency II.

„Kaum ein Industriezweig ist so abhängig von der Kreditversorgung wie die Immobilienwirtschaft", sagte Walter Rasch, Präsident des BFW Bundesverbandes Freier Immobilien- und Wohnungsunternehmen. Etwa die Hälfte aller Kredite in Deutschland werde für den Kauf und Bau einer Immobilie verwendet. "Es ist also elementar, dass Bankenfinanzierungen verfügbar bleiben", so Rasch.

Das Gegenteil geschehe: Die Kreditversorgung werde durch die Verschärfung der Eigenkapitalanforderungen für Kreditinstitute (CRD IV Richtlinie) gefährdet. Die geplante neue Verschuldungsobergrenze für Banken (Leverage Ratio) werde vor allem das großvolumige Immobilienfinanzierungsgeschäft treffen. Die neuen Regeln sollten die Vergabe besonders sicherer Darlehen nicht teurer machen als derzeit. Allerdings sei genau das zu befürchten. „Das kann die Kreditkosten für die Immobilienwirtschaft erhöhen und sich negativ auf Investitionen auswirken", führte der BFW-Präsident weiter aus.

Rasch ging auf der Expo Real auch auf die Frage der Anwendbarkeit der neuen Bankaufsichtsregeln ein. Zuletzt hätten sich wieder die Anzeichen gemehrt, dass die USA, wie schon bei Basel II, das Regelwerk nicht für die eigenen Institute anwenden könnten. Damit drohe eine erhebliche Wettbewerbsverzerrung im Bankensektor. „Die Weltwirtschaft ist stark vernetzt. Die neuen Bankaufsichtsregeln müssen weltweit eingeführt werden", so Rasch.

Dass die in Basel III enthaltene Leverage Ratio gerade die besonders sicheren Immobiliendarlehen mittelbar verteuern kann, befürchtet auch Achim Reif, Bereichsleiter Immobilienfinanzierung Inland des Verbandes deutscher Pfandbriefbanken. Zwar stehe noch nicht fest, ob die Einhaltung dieser Verschuldungsgrenze verpflichtend werde oder ob es bei der Meldepflicht bleibe. Beim langfristigen Immobilienfinanzierungsgeschäft agierten die Banken aber bereits heute vorsichtig. Fest stehe zudem, dass die Eigenkapitalkosten der Banken deutlich steigen würden. Auch das werde sich auf die Konditionen auswirken, so Reif.

Versicherer als wichtige Partner

„Der deutsche Markt für Immobilienfinanzierungen ist sehr wettbewerbsintensiv. Das ist zunächst gut für die Kunden, es bedeutet aber auch, dass die Banken Kostensteigerungen voraussichtlich weitergeben werden. Sinkende Zinsen am Kapitalmarkt werden das nicht unbegrenzt auffangen."

Reif erklärte außerdem, dass die Refinanzierung von Immobiliendarlehen absehbar herausfordernd bleibe. So seien mit Immobilienfinanzierungen unterlegte Wertpapiere wie MBS seit Beginn der Krise praktisch nicht verkäuflich. Im Gegensatz dazu hätten Hypothekenpfandbriefe bislang immer Abnehmer gefunden. Allerdings ließen sich mit Pfandbriefen nur die sichersten Teile von Immobiliendarlehen refinanzieren. Für den Rest seien andere Refinanzierungsquellen nötig.

Hier seien Versicherer wichtige Partner bei der Refinanzierung der so genannten Außerdeckungsteile. Da sie nach Solvency II diese Aktivitäten künftig mit deutlich mehr Eigenkapital unterlegen müssten, würden sich die Refinanzierungskosten der Banken verteuern. Immobilienfinanzierungen mit hohem Auslauf würden damit teurer als heute.

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