„In Europa blieben die REITs global gesehen zurück.“ So kommentiert Helmut Kurz, Leiter Immobilienaktien/REITs und Makrostrategie bei Ellwanger & Geiger Privatbankiers die Entwicklung im Juni.

Nachdem im Mai noch der Paukenschlag in Italien, also das Zustandekommen einer neuen Regierung aus Fünf-Sterne-Bewegung und der Lega schockte, bestimmten Handelsthemen den Verlauf der Börsen im Juni. Die Streiterei in der deutschen Bundesregierung und der davon überschattete EU-Gipfel waren demgegenüber nicht einmal in Europa ein großes Thema bei den Anlegern.

Wesentlich wichtiger ist der weiter ausgeuferte Streit über die Handelsbeziehungen zwischen China und den USA. Die USA setzten China mehr und mehr unter Druck und sitzen offensichtlich zunächst am längeren Hebel. Das riesige Handelsbilanzdefizit der USA bietet das Potenzial, China kurzfristig mehr zu schaden als es chinesische Zölle auf US-Ausfuhren (mangels Masse) den Vereinigten Staaten je könnten. Inwieweit sich Europa weiter zwischen die beiden Mühlsteine laviert, ist entscheidend für seine wirtschaftliche Entwicklung. Die WTO in ihrer jetzigen Form muss dringend reformiert werden, zumal sich nicht mehr nur wie aktuell die USA, sondern andere Länder – allen voran China – schon lange nicht mehr an den Geist dieses internationalen Abkommens halten.

Die Sorgen um die Auswirkungen des Konflikts auf die europäische Konjunktur veranlassten dann die EZB in ihrer Juni-Sitzung zu weitreichenden Aussagen: Die ultra-expansive, angesichts der anhaltend guten Konjunktur unangemessen gewordene, Geldpolitik wird zwar wie geplant abgeschwächt, doch die Minus-Zinsen sollen noch bis weit ins Jahr 2019 auf dem aktuellen Niveau bleiben.

Die defensiveren – kaum vom Außenhandel abhängigen – Immobilienaktien schlugen sich international besser als der breite Aktienmarkt. Nicht so in Europa, wo die REITs global gesehen zurückblieben. Der E&G ERIX-Index für europäische REITs verlor 0,8 Prozent an Wert und entwickelte sich damit praktisch gleich wie der STOXX 600 Index, der den breiten europäischen Aktienmarkt repräsentiert und im Juni minus 0,6 Prozent erzielte.

Europäische Immobilienaktien: Die Gewinner und Verlierer im Juni

Die Aktien des spanischen REITs Merlin Properties SOCOMI SA führten die Liste der Kursgewinner unter den ERIX-Werten an. Die überdurchschnittlich gute Entwicklung der Madrider Börse gab hier den Ausschlag. Dies, obwohl die neue, sozialistisch geführte Regierung einige Grausamkeiten für die Wirtschaft bereithalten könnte. Nach den zwei großen Übernahmen in diesem Jahr ist der dadurch kleiner gewordene spanische REIT-Markt von einer zunehmenden Materialknappheit gekennzeichnet.

Danach folgten die Aktien des britischen REIT-Schwergewichtes Land Securities Group PLC, die noch im Mai zu den Enttäuschungen gehört hatten. Hier wurde der Dividendenabschlag wieder aufgeholt. Insgesamt gewannen die Aktien 4,5 Prozent an Wert.

Auf Platz drei kam dann ein schon lange nicht mehr unter den Gewinnern gesichteter REIT aus den Niederlanden. Die Papiere von Wereldhave NV konnten sich – wohl technisch bedingt – um 4 Prozent erholen.

Weiter schwach tendierte das (bisher) verschmähte Übernahmeziel Intu Properties PLC mit einem Rückgang um 9,5 Prozent. Ebenfalls auffällig schwach war der griechische REIT Grivalia Properties REIC mit einem Minus von 7,5 Prozent. Außer einem Objektkauf gab es keine kursrelevanten Nachrichten der Gesellschaft.

Mercialys SA war der dritte nennenswerte Verlierer des Monats Juni. Hier belasten Sorgen um die Entwicklung des Großaktionärs Casino SA, der Immobilien in erheblichem Umfang verkaufen will. Die Aktien gaben um 4,7 Prozent nach.

Immobilienaktienmarkt im Überblick: Monat Juni 2018

 E&G-ERIX    
 GesellschaftLandMarktkap. in €Schlusskurs 31.5.2018Schlusskurs 29.6.2018Performance TR [%] Monat
1CofinimmoBE2.267.397.900105,33105,602,87%
2BefimmoBE1.350.582.50053,4052,80-1,12%
3WDPBE2.439.715.700106,40108,401,88%
4Merlin PropertiesES5.850.994.70011,7912,465,69%
5HispaniaES1.990.160.80017,6918,233,05%
6Unibail-Rodamco-WestfieldFR43.655.223.200192,55188,55-2,08%
7ICADEFR5.951.128.20079,5080,301,01%
8GecinaFR10.807.921.400148,00143,30-1,40%
9KlépierreFR10.137.983.00033,3232,25-3,21%
10CovivoFR6.699.079.60089,2589,10-0,17%
11MercialysFR1.372.453.10015,6414,91-4,67%
12Land SecuritiesGB8.016.768.700929,60956,904,52%
13British LandGB7.459.996.700678,00672,200,26%
14Intu Properties GB2.759.003.000199,10180,20-9,49%
15HammersonGB4.689.946.200547,00522,60-4,46%
16SegroGB7.651.727.200654,60669,402,26%
17Derwent LondonGB3.914.361.1003.009,003.106,003,22%
18Londonmetric PropertyGB1.457.876.400192,50185,00-2,71%
19Great Portland EstatesGB2.273.617.900690,00714,403,54%
20Hansteen HoldingsGB486.191.400106,20104,20-1,88%
21Grivalia Properties REICGR870.836.0009,308,60-7,53%
22Alstria Office REITD2.283.350.30012,6312,871,90%
23Hamborner REITD726.227.7009,169,11-0,55%
24Green-REITIE1.027.645.3001,491,48-0,94%
25Beni StabiliIT1.703.329.4000,770,75-1,96%
26IGDIT759.373.0007,276,881,70%
27WereldhaveNL1.355.519.20032,3633,664,02%
28Eurocommercial Prop.NL1.802.240.00035,3436,362,89%
29Vastned RetailNL769.080.50042,0040,40-3,81%
30NSINL663.227.30035,0035,902,57%
   143.192.957.400   

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