01.12.2011 | Investoren

Ernst & Young erwartet Welle von Kreditverkäufen für 2012

Für 2012 kündigt sich laut einer Studie von Ernst & Young eine neue Welle von Kreditverkäufen in an. Das Marktpotenzial in Deutschland wird dabei auf 750 Milliarden Euro beziffert.

Grund für den erwarteten Boom: Angesichts gestiegener Eigenkapitalanforderungen suchen die Banken nach Wegen, ihre Bilanzsummen zu reduzieren. Dabei werden die Kreditinstitute zunehmend auch den Verkauf notleidender Kredite sowie von non-core Krediten ins Auge fassen. Das ist das Ergebnis des European Non-Performing Loan Reports 2011 von Ernst & Young.

Die prognostizierte Entwicklung wird begünstigt durch zwei maßgebliche Treiber: Einerseits hat die Zurückhaltung der vergangenen Jahre, als krisenbedingt kaum Kreditportfolio-Deals getätigt wurden, zu einem Angebotsstau geführt. Dieser betrifft insbesondere die Non-Performing Loans (NPLs), also notleidenden Problemportfolios vorwiegend aus der Immobilienfinanzierung. Hinzu kommen andererseits auch gesunde Kredite – ein Marktsegment, das bislang nur punktuell eine Rolle gespielt habe, den Markt aber künftig sogar dominieren werde.

Transaktionsvolumen bei Immobilienkrediten steigen spürbar

"Die Banken überprüfen derzeit ihre Aktivitäten, sowohl im Hinblick auf Geschäftsbereiche als auch geografische Regionen, in denen Investments finanziert werden“, beobachtet Ana-Cristina Grohnert, Managing Partner bei Ernst & Young. Hieraus folge, dass auch Kredite abgestoßen werden, die zwar vertragsgemäß bedient werden, aber nicht mehr der strategischen Ausrichtung der Bank entsprechen.

„Wenn Geschäftsbereiche keinen Platz mehr bei der strategischen Neuausrichtung haben, stehen sie zunehmend zur Disposition“, so Grohnert. Entsprechend könne auch bei Immobilienkrediten abseits von Problemportfolios das Transaktionsvolumen spürbar steigen.

Bei der Immobilienfinanzierung konzentrieren sich viele Banken gegenwärtig auf ihre Heimatländer. Folglich können auch gesunde Kreditportfolios auf den Markt kommen, sofern sie nicht länger der Länderstrategie eines Instituts entsprechen. Die Studienautoren sehen abseits der klassischen NPLs ein zusätzliches Marktpotenzial von 500 Milliarden Euro in Deutschland.

Der deutsche Markt wartet auf erste „Eisbrecher-Transaktionen"

In welchem Maße sich das Gesamtpotenzial von entsprechend 750 Milliarden Euro in tatsächlichen Deals niederschlage, sei nur schwer abzuschätzen. In der Boomzeit vor der Krise habe das Transaktionsvolumen bei etwa 20 Prozent des damaligen NPL-Marktpotenzials gelegen. Da das heutige Marktpotenzial liege um ein Vielfaches höher, da sei es durchaus wahrscheinlich, dass auch das Transaktionsvolumen deutlich ansteige.

„Es gibt ausreichend Investoren, die an Kreditportfolios interessiert sind“, fasst Daniel Mair, einer der Autoren, zusammen. Der deutsche Markt warte lediglich noch auf die ersten „Eisbrecher-Transaktionen“. Im Ausland, etwa in Großbritannien, sei der Markt bereits wieder in Gang gekommen, und es sei nur eine Frage, bis Deutschland nachziehe. Hierbei sei zu bedenken, dass die Vorbereitung von Kreditportfolio-Transaktionen vergleichsweise komplex und zeitintensiv sei. Falle in Deutschland Anfang 2012 auf breiter Front der Startschuss, würde das Gros der Transaktion voraussichtlich erst ab der zweiten Jahreshälfte abgeschlossen.

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