25.04.2012 | Top-Thema Erbschaft- und Schenkungsteuer

Zwei Steuervarianten möglich

Kapitel

Auf Verlangen des Bundesverfassungsgerichts werden bei der Bemessung der Erbschaft- und Schenkungsteuer seit Anfang 2009 alle Vermögenswerte mit ihrem Marktwert taxiert.

Immobilien schlagen seitdem mit dem Verkehrswert zu Buche. Nur für im Privatvermögen gehaltene Mietshäuser wird ein Abschlag von zehn Prozent gewährt. Davon abziehbar sind die kompletten auf dem Grundbesitz lastenden Schulden.

Unternehmen können bei der Regelung ihrer Nachfolge zwischen zwei Varianten der Besteuerung wählen. In der Grundvariante wird ein Verschonungsabschlag von 85 Prozent auf den errechneten Unternehmenswert gewährt. Nur 15 Prozent sind steuerpflichtig, wenn der Erbe den Betrieb über eine fünfjährige Haltefrist fortführt und in dieser Zeit kaum Personal abgebaut wird. In der zweiten Variante (Optionsmodell) entfällt die Besteuerung komplett (Verschonungsabschlag 100 Prozent), wenn der Erbe sich zu einer siebenjährigen Betriebsfortführung ohne Arbeitsplatzverluste verpflichtet. Nachteil: Der Begünstigte muss sich bereits bei Antritt des Erbes unwiderruflich für eine der beiden Varianten entscheiden. Kleinere Unternehmen können zusätzlich einen Freibetrag von 150.000 Euro nutzen. Bis zu einem Marktwert von einer Million Euro fallen damit beim Betriebsübergang überhaupt keine Steuern mehr an. Der Freibetrag wird allerdings bis zu einem Unternehmenswert von drei Millionen Euro gleitend abgeschmolzen. Die Steuergeschenke gibt es zudem nicht umsonst - sie sind an die Einhaltung strenger Auflagen geknüpft. Der Betrieb oder die begünstigt übertragenen Firmenanteile dürfen in der gewählten Bindungsfrist von fünf oder sieben Jahren weder als Ganzes noch in Teilen versilbert werden. Wer vorher Kasse macht, muss den vollen Unternehmenswert versteuern. Der Nachfolger darf dem Betrieb innerhalb der Bindungsfrist zudem nur finanzielle Mittel in Höhe seiner Einlagen und der erwirtschafteten Erträge plus einer Toleranzschwelle von 150.000 Euro für private Zwecke entnehmen. Wer sich zu üppig bedient, verliert rückwirkend sämtliche Steuervorteile. Außerdem darf die Lohnsumme des Betriebs innerhalb der fünfjährigen Bindungsfrist nach der Stabübergabe insgesamt 400 Prozent der Anfangslohnsumme nicht unterschreiten. Bei siebenjähriger Fortführung gilt eine Lohnsumme von 700 Prozent des Ausgangsjahres.

Die vom Fiskus geforderte Arbeitsplatzgarantie steht bei vielen Unternehmern im Kreuzfeuer der Kritik. Denn über vielen Unternehmenserben schwebt damit über Jahre hinweg das Damoklesschwert einer drohenden Erbschaftsteuernachzahlung, wenn sie in wirtschaftlich stürmischen Zeiten Personal abbauen müssen. Die dann fällige Steuernachzahlung kann das endgültige Aus für den Betrieb bedeuten.

Schlagworte zum Thema:  Erbschaftsteuer, Schenkungssteuer

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