Strategien für die Zukunft fehlen den meisten Asset Managern noch, aber die Digitalisierung schreitet voran Bild: styleuneed - Fotolia

Die Digitalisierung wird einen erheblichen Einfluss auf das Geschäftsmodell der Asset Manager haben. Das ist eines der Ergebnisse einer Studie von EY (Ernst & Young) Real Estate. Die größten Effekte werden in der Miet- und Objektdatenverwaltung, der Prozessdokumentation und im Portfolio-Management erwartet. 43 Prozent der befragten Unternehmen arbeiten EY zufolge bereits an der Digitalisierung ausgewählter Bereiche.

Die wesentlichen Kunden der befragten Asset Manager sind Immobilienfonds (67 Prozent), Versicherungen und Pensionsgesellschaften (41 Prozent) sowie Family Offices (37 Prozent). Gewichtet nach der Größe der Bestände, sind die Assetklassen "Büro" (45 Prozent) und Wohnen" (20 Prozent) am stärksten vertreten.

Alle von Ernst & Young 35 befragten Unternehmen sind der Meinung, dass aktives Asset Management weiter an Bedeutung gewinnen wird: 70 Prozent stimmten dem sogar stark zu.

Angebotsspektrum geht auch hin zum Investment-Management

"Während immer mehr Asset Manager ihr Leistungsspektrum auf das Investment Management ausrichten, gab auch deutlich über die Hälfte der befragten Unternehmen an, Property und Facility Management inhouse darstellen zu wollen", sagt Dietmar Fischer, für die Studie verantwortlicher Partner bei EY Real Estate. Dem stimmten 69 Prozent der Asset Manager zu. 31 Prozent lehnen die Ausweitung des Leistungssektrums derzeit ab.

Diese Ausweitung könne nicht allein durch organisches Wachstum realisiert werden, so Fischer weiter. Schon gar nicht, da es an qualifizierten Mitarbeitern fehle. Das sehen rund 64 Prozent der Befragten als eine große Herausforderung. 78 Prozent der Asset Manager gaben nicht zuletzt deshalb zu Protokoll, dass sie mit einer fortschreitenden Konsolidierung ihrer Branche durch weitere Fusionen und Akquisitionen rechnen. In der EY-Studie 2016 hatten das nur 50 Prozent angegeben.

Basisleistungen (etwa die Auswahl und Steuerung von Dienstleistern) und kaufmännische Aufgaben (wie Controlling, Budgetierung und Reporting) werden der Studie zufolge von 100 Prozent der Asset Manager in Eigenleistung erbracht. Lediglich bei der Objekt- und Mieterbetreuung, beim Daten- und Dokumentenmanagement sowie vor allem beim Forderungsmanagement werden Fremdleistungen in Anspruch genommen.

Zunehmend werden aber auch immer mehr Ergänzungsleistungen in Eigenregie erbracht. Das gilt für strategienahe Aufgaben einschließlich des An- und Verkaufs, aber auch für die Finanzierung (91 Prozent), das Risikomanagement und Compliance (82 Prozent) und das Rechnungswesen (77 Prozent). In diesen Bereichen vermuten Asset Manager EY zufolge das größte Marktpotenzial, direkt gefolgt von Refurbishment und Projektentwicklungen (68 Prozent) sowie dem Baumanagement (73 Prozent). Die Objektbewertung wird nur von 22 Prozent der Befragten in Eigenregie übernommen.

Digitalisierung: 70 Prozent der Asset Manager wollen investieren

Nahezu jeder befragte Asset Manager ist überzeugt, dass die Digitalisierung signifikanten Einfluss auf sein Geschäftsmodell haben wird. Nur drei Prozent der Befragten lehnten das ab. 43 Prozent der befragten Unternehmen arbeiten EY zufolge bereits an der Digitalisierung ausgewählter Bereiche. Weitere 40 Prozent stehen nach eigenen Angaben am Anfang der Planungsphase. 17 Prozent verfolgen eine übergreifende digitale Strategie.

"Gleichzeitig bemängeln die meisten Befragten die unklaren Verantwortlichkeiten und einen mangelnden Fokus des Top-Managements als entscheidende Hürden", so Fischer.

Die Branche stecke noch in einem weiteren Dilemma: Der Digitalisierung würden zwar ausreichend finanzielle Ressourcen gewidmet und auch über Nutzen und Potenzial sind sich alle einig; allerdings hapert es noch an der Umsetzung. "Eine übergreifende digitale Strategie wird nur von jedem fünften der befragten Unternehmen verfolgt", sagt Fischer.

Eine Budgetkürzung für Maßnahmen zur Digitalisierung plant für die kommenden drei Jahre keines der Unternehmen. Im Gegenteil: 70 Prozent der Unternehmen wollen ihr Budget erhöhen und ihre Produkte und Services dadurch verbessern.

Größte Dringlichkeit in der Miet- und Objektdatenverwaltung

In den vergangenen Jahren hat ein Großteil der Befragten in die Datenverwaltung und das Reporting sowie in das Objektmanagement investiert. Mit der Prozessdokumentation, aber auch mit Transaktionen und Personalmanagement, sind zudem Bereiche hinzugekommen, deren Prozesse zukünftig stärker digital optimiert werden sollen.

"Die mit Abstand höchste Dringlichkeit und größte Auswirkung auf ihr Geschäftsmodell sehen die Asset Manager bei der Miet- und Objektdatenverwaltung, gefolgt von der noch relativ neu wahrgenommenen digitalen Prozessdokumentation", sagt Fischer.

Für alle Basisleistungen werden weiterhin teilweise deutliche Marktpotenziale gesehen. In der Vermietung von 91 Prozent der Befragten, in der Mieter- und Objektbetreuung von 82 Prozent. Im Bereich des Forderungsmanagements besteht laut Ansicht von 64 Prozent der Studienteilnehmer die größte Marktsättigung. Nur 36 Prozent der Unternehmen sehen hier noch Wachstumsmöglichkeiten.

Vernetzung mit Startups in den Kinderschuhen

Noch in den Kinderschuhen steckt der Studie zufolge die Vernetzung der Asset-Management-Branche etwa mit Startups oder Forschungseinrichtungen aus dem digitalen Bereich. Nur 17 Prozent der befragten Unternehmen sind bereits Kooperationen eingegangen. 15 Prozent gaben an, es zu planen. Der Rest sieht davon ab.

Ähnliches gilt für den PropTech-Sektor. 40 Prozent der Studienteilnehmer wollen sich nicht an PropTechs beteiligen, sondern nur Leistungen einkaufen. Ebenfalls 40 Prozent sondieren zunächst den Markt, ohne aktiv zu werden, und lediglich sechs Prozent denken darüber nach, eigene PropTech-Geschäftsmodelle zu entwickeln.

Schlagworte zum Thema:  Digitalisierung, Asset Management

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