Schrumpfende Margen und Erträge durch externe Wettbewerber zwingen Banken zu weiterem Stellenabbau und damit in die Digitalisierung. Die Berlin Hyp ist ein Vorreiter und kooperiert mit Brickvest. Die Investmentplattform hat gerade Frank Noé als Partner und Experten für innovative Lösungen in der Finanzierung von Immobilienprojekten in Deutschland gewonnen. Am Ende wird das Geschäftsfeld "People's Business" bleiben, sagt Gero Bergmann, Vorstand der Berlin Hyp, im Interview.

Herr Bergmann, die Berlin Hyp ist bei der Crowdinvesting-Plattform Brickvest eingestiegen. Fürchten Sie um die Zukunft der klassischen Immobilienfinanzierung, werden in wenigen Jahren Projektentwickler und Investoren ihre Darlehenswünsche nur noch auf Plattformen stellen und Banken zusammen mit anderen Finanzierern Gebote einreichen?

Nein, dieses Szenario sehe ich nicht. Im Gegenteil: Die Immobilienfinanzierung wird immer ein "People‘s Business" bleiben, mit einem engen gegenseitigen Kontakt zwischen Bank und Kunden. Die Digitalisierung wird diese Kontakte künftig noch enger machen, indem sie durch die Automatisierung die Effizienz im Finanzierungsgeschäft steigert. Sie erlaubt uns, die von den Kunden herangetragenen Daten schneller aufzunehmen und zu verarbeiten, um prompter passende Kreditlösungen zur Verfügung zu stellen.

Im Endeffekt schenkt uns die Digitalisierung Zeit für unsere Kunden.

Warum dann der Einstieg bei Brickvest?

Wir unterscheiden die Digitalisierung nach innen und die Digitalisierung nach außen. Im Inneren geht es darum, die Betriebsabläufe zur Entwicklung maßgeschneiderter Finanzierungen zu automatisieren und zu beschleunigen.

Ziel der Digitalisierung nach außen ist es, Neugeschäft zu generieren.

Brickvest passt da gut in unsere Strategie. Sie ist nicht nur eine führende Online-Plattform für gewerbliche Immobilieninvestments, sondern zudem die erste Plattform in Europa, die von der Finanzaufsicht reguliert ist. Durch die strategische Beteiligung erhalten wir Zugang zu einer schlüsselfertigen Technologie mit hoher Skalierbarkeit. Zudem werden wir über die Plattform unsere Produktpalette um weitere Finanzierungsangebote erweitern.

Ihr Haus hat eine interne „Digital Unit“ gebildet …

Wir haben damit das Ohr am Markt, um neue Trends in der Digitalisierung, wie sie etwa aus den USA kommen, schnell aufgreifen und umsetzen zu können. Zwar bleibe ich dabei: Die Finanzierung von Gewerbeimmobilien wird „People‘s Business“ bleiben. Gleichwohl wird die Digitalisierung im Immobilienkreditgeschäft in den kommenden Jahren eine immer größere Bedeutung erlangen.

Wir haben uns zum Ziel gesetzt, dabei der modernste und innovativste Immobilienfinanzierer zu werden.

Kritiker bemängeln, die deutsche Immobilienwirtschaft habe es bislang versäumt, sich auf einen einheitlichen Standard bei der Software zu einigen. Die Wirtschaftsberatungsgesellschaft Roland Berger kritisiert in einer Studie, jeder Akteur würde seine eigene Insellösung kreieren.

Die Immobilienwirtschaft und die Immobilienfinanzierer stehen noch am Einstieg in die Digitalisierung. Es wird vieles ausprobiert. Einige Fondsgesellschaften vernetzen sich mit PropTechs. Wir haben uns entschieden, uns entlang unseres Kernbankensystems SAP auszurichten.

Die Herausforderung, kompatibel zu sein, sich vernetzen zu können, trifft derzeit aber besonders die Kundenseite.

Da stellt sich die Frage, wie kompatibel die einzelnen Systeme am Ende miteinander sein werden. Was nützt die Digitalisierung, wenn die Daten nicht miteinander austauschbar sind?

Das Immobilienfinanzierungsgeschäft ist international. Dass nun in einigen Ländern nationale Standards entwickelt werden, ist daher nicht die Lösung. Ich denke aber, dass das Kompatibilitäts-Problem lösbar ist. Wir werden einen Stecker finden, der für alle passt.

Zur Person:
Gero Bergmann (47) ist seit Januar 2011 Vorstandsmitglied der Berlin Hyp. Er verantwortet die Dezernate Immobilienfinanzierung, Personal und Treasury. Der gelernte Jurist ist zudem Mitglied im Executive Committee des Urban Land Institute (ULI).

Über Brickvest:

Die Online-Investmentplattform Brickvest beteiligt Investoren an institutionellen Investmentprodukten und managt deren Portfolio. Das Unternehmen wird von der Brickvest Markets Ltd betrieben, einer Vertretung der Brickvest IM Ltd, die bei der Financial Conduct Authority in London registriert ist.

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