Innerstädtische Logistik gewinnt an Bedeutung. Auslöser ist der Online-Handel und sein Versprechen von kurzen Lieferfristen. Doch passende Flächen für City-Logistik sind Mangelware und Standards gibt es (noch) nicht. Zu diesem Schluss kam eine Expertenrunde bei Feldhoff & Cie. in Frankfurt am Main. Das hält vor allem institutionelle Investoren davon ab, sich im Bereich innerstädtische Logistik zu engagieren.

Die Diskussionsteilnehmer (André Banschus, Executive Director von Verdion, Dr. Marcel Crommen, Geschäftsführer von NAI Apollo und Marius Schöner, Country Head Germany von CBRE Global Investors) waren sich einig: Die Branche befindet sich bei stadtnahen oder städtischen Logistiklösungen noch immer in der Findungsphase. Interessante Ansätze gibt es bereits.

"Die Ideen reichen vom viel diskutierten Drohneneinsatz über Crowd-Logistik, der nächtlichen Nutzung von Tiefgaragen als Umschlagsplatz bis hin zu Containern als Verteilerzentren", sagt Crommen. So setzt etwa UPS in einem Pilotprojekt mit der Stadt Frankfurt einen LKW in der Nähe der Börse ein, der als so genanntes Mikro-Depot für die Verteilung von Paketen an Fahrradkuriere dient. Sind alle Waren verteilt, fährt der LKW aus der Stadt und wird neu befüllt. Doch "noch gibt es keinerlei Standards für City-Logistik", fügt Crommen hinzu.

"Investoren lieben Investmentprodukte, bei denen sich gewisse Standards bereits herausgebildet haben, weil dadurch die Drittverwendungsfähigkeit und die Liquidität gewährleistet ist", erklärt Schöner. Außerdem seien die Losgrößen für Institutionelle oft zu klein. Schöner denkt, dass sich Spezialisten finden könnten, die – analog zur mittlerweile etablierten Assetklasse Studentenwohnen – Bestände aufbauen und zu größeren Portfolien bündeln.

Cross Docks am Stadtrand sind schon auf der Ankaufliste

Bis dahin werden Investments in gemischt genutzte Immobilien mit Logistikanteil steigen. Eine Chance sieht Schöner in leerstehenden alten Fachmärkten und in Shopping-Centern mit strukturellen Leerständen in den Innenstädten.

Ein Logistikprodukt, das es auf die Ankaufsliste von Investoren geschafft hat, sind so genannte Cross Docks am Stadtrand. "Auch wenn diese Umschlagszentren teilweise sehr individuell auf die Bedürfnisse des jeweiligen Mieters abgestimmt sind, werden sich aufgrund der stadtnahen Lage alternative Nutzer finden, so dass hier eine Drittverwendungsfähigkeit gegeben ist", sagt Schöner.

Depots in den Stadtteilen

Die Logistikbranche boomt. Jedoch hinterfragt Banschus die Zukunftsträchtigkeit des Konzepts der Zustellung von Waren innerhalb weniger Stunden bis zur Haustür: "Sinnvoller sind sicher Depots in den Stadtteilen, von denen aus man die Lieferung etwa von der Arbeit mit nach Hause nehmen kann". Er beobachtet, dass immer mehr Logistikstandorte aus der Stadt verdrängt werden.

Ein Beispiel dafür ist Imperial, ein Spezialist für Chemielogistik, der 40 Jahre lang ein Logistikzentrum auf einem Erbpacht-Grundstück im Hafen von Münster betrieben hat. "Nachdem der Hafen in der Innenstadt allerdings in den letzten Jahren für hochpreisiges Wohnen und Erlebnisgastronomie entdeckt wurde, musste Imperial weichen", erzählt Banschus. Die Nähe zu potenziellen Mitarbeitern ist Bachus zufolge vielen Unternehmen und Logistikern wichtiger als die zum Endkunden.

Logistikrahmenplan für Städte

Schöner regt einen Logistikrahmenplan für Städte an. "So wie es einen Hochhausrahmenplan für Frankfurt gibt", sagt er. Für eine vernünftige Warenverteilung in der Stadt sei so ein Rahmenplan hilfreich. Erst dann käme man aus der experimentellen Phase heraus. Crommen plädiert zudem dafür, bei den Lieferketten anzusetzen: "Citylogistik hat nur eine Zukunft, wenn wir das Problem der Same-Day- oder gar Same-Hour-Lieferung in den Griff kriegen."

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