15.11.2012 | Finanzstabilitätsbericht

Bundesbank warnt vor Preisübertreibungen am Wohnungsmarkt

Frankfurt-Riedberg: Hier, wie in anderen Ballungsräumen, haben die Preise für Wohneigentum enorm zugelegt
Bild: Nassauische Heimstätte

Trotz zuletzt deutlicher Preissteigerungen am deutschen Häusermarkt sieht die Bundesbank zurzeit nicht das Risiko einer Immobilienblase. In ihrem am Mittwoch veröffentlichten Finanzstabilitätsbericht warnt sie jedoch vor Risiken insbesondere in den Ballungsräumen.

Dort haben sich die Preise in den letzten Jahren deutlich stärker erhöht als in ländlichen Regionen. Den überproportionalen Preisanstieg in den Ballungsräumen begründet die Bundesbank mit Sonderfaktoren, unter anderem dem schwierigen Anlageumfeld. Als Folge der Schuldenkrise werfen viele sichere Anlagen wie deutsche Staatsanleihen kaum noch Rendite ab. Deswegen weichen viele Investoren auf andere Anlageklasse aus. Infolge der hohen Unsicherheit wird zudem Finanz- in Realvermögen umgeschichtet.

Begrenzt werden die Risiken am deutschen Immobilienmarkt laut Bundesbank durch das moderate Kreditwachstum und die vergleichsweise konservative Hausfinanzierung. So sei der Zuwachs an Immobilienkrediten auch 2011 moderat geblieben. Zudem bringen deutsche Hauskäufer vergleichsweise viel Eigenkapital mit, der Anteil der Fremdfinanzierung ist daher im internationalen Vergleich niedrig.

Die Bundesbank verweist darüber hinaus auf die für Deutschland typische längerfristige Zinsbindung, die die Kreditnehmer vor schnell steigenden Zinsen schütze. Umfragen deuteten jedoch darauf hin, dass der Anteil variabel verzinster Hauskredite in den Ballungsräumen zunehme.

Holger Rausch, Minerva Management: "Bundesbank verunsichert Bürger"

Laut Holger Rausch, Geschäftsführender Gesellschafter der Minerva Management, wird die Sorge der Bevölkerung vor einer Immobilienblase durch die Warnung der Bundesbank geschürt. Man laufe derzeit Gefahr, kaputt zu reden, was politisch seit Jahren gewollt ist: Die Bildung von privatem Wohneigentum.

"Dass das aufgrund des günstigen Zinsniveaus immer mehr Menschen interessiert, ist verständlich", so Rausch, "auch, dass aufgrund der vermehrten Nachfrage die Preise steigen." Eine Blasenbildung in Deutschland sei nicht erkennbar. Es sei aber grundsätzlich richtig, den privaten Immobilienkäufer darauf hinzuweisen, dass Kauf- und Mietpreisentwicklungen in einem ausgewogenen Verhältnis stehen müssen.

"Ob dies die Aufgabe der Bundesbank ist, ist fraglich", so Rausch weiter. Aktuell hätten die Stabilitätswächter mit ihrer Warnung nur eines erreicht: Unnötige Verunsicherung.

Schlagworte zum Thema:  Immobilienfinanzierung, Bundesbank

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