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Brexit: Erste britische Immobilienfonds stellen Handel ein

Nach dem Brexit: "Standard Life Investments" zieht die Reißleine
Bild: Bernd Kasper ⁄

Vier britische Vermögensverwalter haben aktuell als Folge auf den Brexit Immobilienfonds eingefroren. Zuerst stellte Standard Life Investments den Handel des 3,4 Milliarden Euro schweren "Standard Life UK Real Estate Fund" ein. Aviva zog nach. Es folgte M&G Investments, nachdem zu viele Anleger ihr Geld zurückverlangt hatten. Nun hat auch Henderson wegen des "außergewöhnlichen Liquiditätsdrucks" einen Fonds vorübergehend geschlossen. 

Der betroffene "U.K. Property PAIF fund" von Henderson hat ein Volumen von 3,9 Milliarden Pfund. Bei allen vier Fonds zusammen sind Kundengelder von rund neun Milliarden britischen Pfund eingefroren.

Eine Entscheidung über eine mögliche Wiedereröffnung werde alle 28 Tage getroffen, ließ der Vermögensverwalter Standard Life Investments mit Sitz im schottischen Edinburgh wissen. Auch hier hatten immer mehr Investoren nach dem Austritt der Briten aus der EU-Zone ihre Anteile aus dem "Standard Life UK Real Estate Fund" abgezogen. Ein Grund sind nach Angaben des Unternehmens massive Zweifel am weiteren Bestand der Londoner Immobilienbewertungen.

Laut M&G Investments besteht eine hohe Unsicherheit vor allem im Sektor Gewerbeimmobilien. Der Fonds könne nicht mehr alle Investoren auszahlen.

Experten warnen vor Ansteckungseffekten

"Die Dominosteine beginnen zu fallen", sagt Laith Khalaf, Analyst beim britischen Finanzdienstleister Hargreaves Lansdown. Neil Wilson, Experte beim Londoner Finanzunternehmen ETX Capital, zieht sogar einen Vergleich zur Finanzkrise 2008.

"Es ist jetzt schwer vorstellbar, dass es nicht wie damals auch dieses Mal einen Wertrückgang bei kommerziellen Immobilien geben wird", so Wilson. Das würde den Druck auf die Fonds noch zusätzlich erhöhen, weil sie mehr Immobilien verkaufen müssen, um den abfließenden Kundengeldern gerecht zu werden. Das wiederum würde zu weiterem Druck auf die Preise führen.

Offene Immobilienfonds waren auch zu Beginn der Finanzkrise 2008 die Achillesferse der Finanzmärkte. Entsprechend unruhig reagierten die weltweiten Finanzmärkte. Das britische Pfund fiel am Mittwoch auf den tiefsten Stand seit 1985. Und es gibt erste Hinweise, dass es nicht bloß bei vorübergehenden Panikreaktionen an den Finanzmärkten bleiben könnte.

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Schlagworte zum Thema:  Brexit, Immobilienfonds

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