23.11.2016 | BHW/Finanztip

Steigende Bauzinsen: Experten raten Immobilienkäufern zu unterschiedlichen Strategien

Postbank-Experte Dr. Marco Bargel hat Recht: Noch sind die Zinsen niedrig – prognostiziert wird aber eine Trendwende mit finanziellen Risiken
Bild: BHW

Bei den Bauzinsen zeichnet sich eine Trendwende ab: Erstmals seit Monaten haben die Banken die Zinsen für Hypothekendarlehen wieder angehoben. Experten des Verbraucherportals Finanztip raten Immobilienkäufern vor übereilten Investitionen ab, während Postbank-Chefvolkswirt Dr. Marco Bargel es für klüger hält, sich die noch günstigen Konditionen zu sichern.

Laut Bundesbank sind Wohnimmobilien in einigen Städten Deutschlands teilweise um bis zu 20 Prozent überbewertet, schreibt Finanztip, und sieht das als einen Grund, warum potenzielle Immobilienkäufer derzeit gut beraten sind, vor allem den Kaufpreis umfassend zu prüfen.

Käufer sollten sich jetzt nicht durch die günstigen Zinsen unter Druck setzen lassen, sagt Dirk Eilinghoff, Baufinanzierungsexperte von Finanztip. Wer mit Geduld den Kaufpreis um 10.000 Euro herunter handele, habe letztlich mehr verdient, als ein kurzfristiger Zinsanstieg koste, so Eilinghoff.

Eine ganz andere Entwicklung hatte es nach dem Brexit-Votum am 23. Juni gegeben: Der Bestzins lag Anfang August bei 0,78 Prozent und erreichte dem Finanzdienstleister Dr. Klein zufolge einen neuen Tiefststand.

Finanztip hat eine Standard-Finanzierung durchgerechnet: Ein Immobilienkäufer, der derzeit einen Baukredit von 250.000 Euro mit zehnjähriger Zinsbindung aufnimmt, zahlt demnach rund 35.000 Euro an Zinsen (beim aktuellen höheren Zinssatz von 1,65 Prozent). Das sind 4.500 Euro mehr als vor dem jüngsten Zinsanstieg.

Steigende Bauzinsen: Sich nicht irritieren lassen

Wer sich vom Zinsanstieg nicht irritieren lässt und im Ergebnis nur 240.000 Euro benötigt, fährt demnach laut Finanztip besser: Bereits eine Senkung des Kaufpreis um 10.000 Euro wiegt dem Verbraucherportal zufolge den Zinsanstieg auf. Die Restschuld liegt dann nach zehn Jahren Laufzeit bei rund 157.000 Euro, das wären 7.000 Euro weniger als mit dem niedrigeren Zins und dem höheren Kreditbetrag.

Protokolle der Eigentümerversammlungen prüfen

"Viele Kaufpreise, die heute aufgerufen werden, stehen oft nicht mehr im Verhältnis zur angebotenen Lage und Ausstattung", warnt Eilinghoff. Er empfiehlt, sich die Protokolle der Eigentümerversammlungen anzusehen.

Kaufinteressenten sollten vor Vertragsunterzeichnung außerdem einen Sachverständigen hinzuzuziehen. "Insbesondere bei Altbauten und älteren Einfamilienhäusern können Laien den tatsächlichen Zustand des Objekts nicht wirklich einschätzen", so Eilinghoff.

Postbank: Günstige Konditionen sichern

Ganz andere Einschätzungen kommen von Experten der Postbank. Die Kapitalmarktrenditen sind in den vergangenen Wochen deutlich gestiegen. Hintergrund dieser Entwicklung sind veränderte Einschätzungen der Märkte zur Geldpolitik. Einen weiteren Renditeanstieg und Zinsängste gab es nach der Wahl Donald Trumps zum neuen US-Präsidenten. Setzt er sein Wahlprogramm wie geplant um, wird die US-Notenbank ihre Zinsen vermutlich stärker als bisher erwartet anheben. Ein höheres Zinsniveau in den USA wird Auswirkungen für den Euroraum haben, so dass auch in Deutschland die Zinsen anziehen werden.

Laut Chefvolkswirt Bargel ist bereits auf kurze Sicht mit einer Verteuerung zu rechnen. Ihm zufolge sollten Bauherren und Immobilienkäufer nicht zu lange warten, um von den noch immer günstigen Konditionen zu profitieren.

Trendwende auch beim Tilgungssatz

Im Oktober 2016 ist die Standardrate (150.000 Euro mit zwei Prozent Tilgung und 80 Prozent Beleihungsauslauf sowie einer zehnjährigen Sollzinsbindung) laut Dr. Klein ähnlich niedrig wie im Vormonat: Mit 419 Euro liegt sie nur minimal unter dem September-Mittel von 420 Euro.

Dagegen zeigen einige andere Parameter der Baufinanzierung Auffälligkeiten, die dem Trend der letzten Monate nicht mehr folgen: Stieg der anfängliche Tilgungssatz bis auf zuletzt 3,18 Prozent an, wählen Darlehensnehmer im Oktober einen durchschnittlichen Satz von 2,96 Prozent – seit einem halben Jahr liegt er damit erstmals wieder knapp unter drei Prozent.

Schlagworte zum Thema:  Hypothekendarlehen, Zinsen

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