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Baufinanzierungszinsen sinken auf historisch niedrigen Stand

Wer bislang dachte, dass die Bauzinsen gar nicht weiter sinken können, wird gerade eines besseren belehrt. Die Zinsen sind weiter auf Talfahrt.
Bild: MEV Verlag GmbH, Germany

Nach dem Brexit-Votum sind die Zinsen für Immobilienkredite auf ein neues Rekordtief gefallen. Eine Auswertung von mehr als 400 Banken durch die Interhyp AG zeigt, dass zehnjährige Darlehen derzeit deutlich unter 1,3 Prozent liegen. Der Finanzdienstleister Dr. Klein berichtet von einem Bestzins für zehnjährige Hypothekendarlehen von 0,79 Prozent. Zudem hat erstmals in der Geschichte der deutsche Staat bei der Aufnahme von Schulden mit zehnjähriger Laufzeit einen Negativzins erzielt.

Am Mittwoch sei eine zehnjährige Bundesanleihe mit einer durchschnittlichen Rendite von minus 0,05 Prozent emittiert worden, teilte die Deutsche Bundesbank in Frankfurt mit. Im Handel an den Finanzmärkten mit bereits im Umlauf befindlichen Staatspapieren war die Rendite der zehnjährigen Bundesanleihe bereits im Juni erstmals unter Null gefallen. Davon profitiert der Staat aber nicht direkt, weil er auf bestehende Papiere weiterhin den zum jeweiligen Zeitpunkt der Schuldenaufnahme erzielten Zins zahlen muss. Erstmals hat der Staat nun bei einer neuen Aufnahme zehnjähriger Staatspapiere tatsächlich einen Negativzins erzielt.

Brexit sorgt für Unsicherheiten

„Die Rendite zehnjähriger Bundesanleihen sinkt weiter und folglich gehen die Baufinanzierungszinsen, die bereits auf einem historisch niedrigen Niveau sind, weiter zurück“, sagt Stephan Gawarecki, Vorstandssprecher der Dr. Klein & Co. AG. Gründe dafür seien, dass der Brexit die Wirtschaftsentwicklung beeinträchtige und die Inflationsrate nach wie vor weit unter der angepeilten Zwei-Prozent-Hürde liege. Eine Zinserhöhung seitens der US-Notenbank Federal Reserve (Fed) werde erst erwartet, wenn die Folgen des EU-Austritts von Großbritannien besser kalkulierbar seien. „Der Brexit-Schock hat nicht nur das Pfund auf Talfahrt geschickt, sondern ebenfalls die ohnehin niedrigen Zinsen bei Immobilienkrediten nochmals etwas sinken lassen“, sagt Michiel Goris, Vorstandsvorsitzender der Interhyp AG.

Prognose: Zinsen werden mittelfristig wieder steigen

Trotz der Unsicherheiten rechnet jedoch sowohl die Interhyp als auch Dr. Klein damit, dass  die Baufinanzierungszinsen in Deutschland mittel- bis langfristig wieder anziehen werden.
Die niedrigen Zinsen führen auch dazu, dass die Kaufpreise für Eigentumswohnungen weiterhin schneller steigen als die Mieten: Der bundesweite Vorsprung liegt aktuell bei zehn Prozent. Zu diesem Ergebnis kommt eine Analyse von Empirica.

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Schlagworte zum Thema:  Investment, Zinsen

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