30.03.2012 | Investoren

Aus für Commerzbank-Tochter Eurohypo

Das Ende der Commerzbank-Tochter Eurohypo ist besiegelt. Die EU-Kommission erlaubt Deutschlands zweitgrößter Bank, den angeschlagenen Immobilienfinanzierer unter strengen Auflagen zum Großteil abzuwickeln.

"Die neue Vereinbarung stellt sicher, dass die Eurohypo vom Markt verschwindet", teilten die Wettbewerbshüter am Freitag in Brüssel mit. Ursprünglich hatte die Kommission im Gegenzug für Staatshilfen während der Finanzkrise 2008/2009 einen Verkauf der Eurohypo bis Ende 2014 gefordert.

Nur ein kleiner Teil des bisherigen Geschäfts darf laut Kommission in die Commerzbank integriert werden. Der beschränkt sich auf gewerbliche Immobilienfinanzierungen in Deutschland, Großbritannien, Frankreich und Polen. Die Bilanzsumme dieser Geschäfte muss bis Ende 2013 auf 25 Milliarden Euro gesenkt werden und muss zwei Jahre lang auf diesem Niveau bleiben. Staatsfinanzierungen und das übrige Immobiliengeschäft müssen dagegen ausgelagert und schrittweise aufgelöst werden.

Die Commerzbank darf im Gegenzug für den Kompromiss nun bis Ende März 2014 keine neuen Geschäfte hinzukaufen. Außerdem muss das Institut seine Bilanzsumme bis Ende 2012 auf 600 Milliarden Euro abschmelzen - ein Wert, der ursprünglich für die Zeit nach einem Eurohypo-Verkauf vorgeschrieben war.

Bei der Eurohypo klafft der größte Teil der 5,3 Milliarden Euro großen Kapitallücke, die die europäische Bankenaufsicht EBA bei der Commerzbank festgestellt hatte. Zwischen 2008 und 2010 schrieb der Staats- und Immobilienfinanzierer knapp drei Milliarden Euro Verlust. Ende 2011 stoppte die Commerzbank die Aufnahme neuer Geschäfte bei ihrer Tochter.

Commerzbank plant eigene Abwicklungsbank für die Eurohypo

Laut einem Bericht des Handelsblatt (Freitag) plant die Commerzbank eine eigene Abwicklungsbank für Eurohypo: Diese solle als eigenes Segment geführt werden und ein Volumen von bis zu 150 Milliarden Euro haben. Die Einheit solle den Namen "Non-Core Assets" (NCA) erhalten. Die zweitgrößte deutsche Bank will die Eurohypo offenbar dorthin abschieben, um sie dann in den kommenden Jahren abwickeln zu können. Commerzbank und Eurohypo wollten sich dazu nicht äußern, wie es in dem Bericht weiter hieß.

Der Schritt ist dem Bericht zufolge Teil eines Kompromisses zwischen der Commerzbank und der Europäischen Kommission, mit dem die Bank um den Verkauf der Bank herumkommt. Eigentlich hatte die EU wegen der im Zuge der Finanzkrise erhaltenen Staatshilfen genau dies verlangt - doch die Eurohypo erwies sich wegen ihrer vielen faulen Kredite und Staatsanleihen aus Griechenland und anderen Krisenländern als unverkäuflich.

Eine Entscheidung ist bereits gefallen. Diese soll noch an diesem Freitagvormittag veröffentlicht werden. Dem Bericht zufolge muss das Staatskreditgeschäft der Eurohypo ganz abgewickelt werden und das Immobilienportfolio um die Hälfte auf 25 Milliarden Euro eingedampft werden. Dies sei rechtlich komplex. Das gesunde Geschäft könne erst mit der Zeit vom abzuwickelnden getrennt werden. Dabei solle die Abwicklungseinheit helfen.

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