Im ersten Halbjahr 2018 hatten asiatische Anleger laut einer Analyse von Savills einen Anteil von 22 Prozent am Investmentvolumen in Deutschland – doppelt so viel wie in den ersten sechs Monaten 2017. Großbritannien büßte elf Prozentpunkte ein, bleibt aber das beliebteste Anlageziel in Europa mit einem Anteil von 65 Prozent. In Deutschland dominierten Käufer aus Singapur mit einem Ankaufvolumen von rund 1,4 Milliarden Euro das Marktgeschehen.

Europaweit ging das Investitionsvolumen der Asiaten um 43 Prozent auf 4,73 Milliarden Euro zurück. Der Grund dafür liegt laut Savills vor allem daran, dass sich die Chinesen zurückgehalten haben: Sie haben im ersten Halbjahr des laufenden Jahres 30 Prozent weniger investiert als im vergleichbaren Zeitraum des Vorjahres und kommen nur noch auf einen Marktanteil von sieben Prozent in Europa.

Institutionelle chinesische Anleger werden aktiver

Laut Savills rücken vermehrt alternative Assetklassen in den Fokus chinesischer Anleger: Während bisher "Trophy Assets" ganz oben auf der Liste standen, interessieren sie sich aktuell insbesondere für Objekte in Wachstumsbranchen wie Rechenzentren, Logistikimmobilien und Pflegeimmobilien. Infolgedessen werden institutionelle Investoren wie der Chinese Sovereign Wealth Fund (CIC) auf dem europäischen Investmentmarkt aktiver.

Nach Ergebnissen des "Global Investment Atlas 2018" von Cushman & Wakefield waren im Jahr 2017 die Investitionen aus Asien gegenüber 2016 um 96 Prozent gestiegen.

Großbritannien lässt nach, Deutschland und Belgien legen zu

Großbritannien bleibt nach Erkenntnissen von Savills innerhalb Europas erste Wahl für asiatische Anleger mit einem Anteil von 65 Prozent des investierten Kapitals. Und das trotz der anhaltenden Unsicherheiten wegen des Brexit. Im vergangenen Jahr hatte der Anteil noch bei zirka 76 Prozent gelegen.

Laut Savills verzeichneten aber im ersten Halbjahr 2018 insbesondere Deutschland (von elf auf 22 Prozent) und Belgien (von zirka drei auf aktuell elf Prozent) einen Ausbau ihrer Marktanteile.

"Wir erwarten, dass Frankreich und die Niederlande im weiteren Jahresverlauf ebenfalls zulegen werden." (Marcus Lemli, CEO Germany und Head of Investment Europe bei Savills)

Savills zufolge konzentrierten sich über 95 Prozent der asiatischen Immobilieninvestitionen in Europa auf sieben Märkte: Großbritannien, Deutschland, Frankreich, die Niederlande, Italien, Belgien und Spanien.

Kapital aus Fernost kommt zunehmend auch aus anderen Ländern

Zugelegt haben laut Savills die Investitionen aus Indien um 157 Prozent auf 111 Millionen Euro, Japan (185 Millionen Euro, plus zwölf Prozent) und Südkorea (1,18 Milliarden Euro, plus sieben Prozent). Auf Singapur entfielen 27 Prozent des Anteils am europäischen Investmentvolumen, verglichen mit 17 Prozent im Vorjahr.

"Während einige Nationalitäten wie die Chinesen weniger investieren, haben andere bis Mai 2018 bereits das erste Halbjahr 2017 übertroffen." (Marcus Lemli)

An Deutschland waren im ersten Halbjahr 2018 nicht nur die Käufer aus Singapur interessiert mit einem Ankaufsvolumen von 1,4 Milliarden Euro, auch südkoreanische Käufer streben auf den Markt (Ankaufsvolumen von zirka 300 Millionen Euro). Insgesamt entfielen in diesem
Zeitraum acht Prozent des Transaktionsvolumens mit deutschen Gewerbeimmobilien auf Käufer aus Asien (zirka zwei Milliarden Euro).

Europa bliebt für asiatische Investoren attraktiv

Europa wird Savills zufolge für asiatische Investoren ein attraktives Anlageziel bleiben. Dies liege insbesondere in der expandierenden Wirtschaft, einer niedrigen Arbeitslosigkeit sowie einer robusten Nachfrage an den Vermietungsmärkten begründet, heißt es in der Studie.

"Wir erwarten, dass die Verlangsamung der chinesischen Investitionen unter den richtigen Bedingungen durch eine größere Vielfalt in Bezug auf die Herkunft des Kapitals und die geografische Verbreitung der Investitionsziele ausgeglichen wird", prognostiziert Eri Mitsostergiou, Director European Research bei Savills.

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