Agrarflächen via Share Deal: Für Investoren von Interesse

Die Preise für landwirtschaftliche Flächen haben sich in den vergangenen zehn Jahren mehr als verdoppelt, berichtet das Statistische Bundesamt. Verantwortlich gemacht werden Investoren, die nach neuen Geldanlagen in Immobilien suchen. Vor allem große Agrarflächen sind interessant.

Bundeslandwirtschaftsministerin Julia Klöckner (CDU) zeigte sich besorgt über den starken Preisanstieg für Agrarflächen in Deutschland. Den Statistikern zufolge sind die Preise in den Jahren von 2009 bis 2018 im bundesweiten Durchschnitt auf das 2,3-Fache gestiegen.

Am stärksten waren die Preisanstiege demnach in Mecklenburg-Vorpommern (um das 2,9-Fache) und Sachsen (2,7). Im Schnitt kommen die ostdeutschen Länder – ohne Berlin – auf 2,6-fache Kaufpreise. Auch die westdeutschen Flächenländer Bayern (2,6) und Niedersachsen (2,4) sind betroffen. Am moderatesten stiegen die Preise für Äcker und Grünland in Hessen und Rheinland-Pfalz (jeweils 1,4).

Niedrige Zinsen und Share Deals: Wird mit Ackerland spekuliert?

"Es gibt außerlandwirtschaftliche Investoren, die mit Ackerland spekulieren, gerade in den neuen Bundesländern", sagte Klöckner nach Bekanntgabe der Zahlen. "Das ist alarmierend." Die Folge sei, dass die Landwirte die Pachtpreise nicht mehr finanzieren könnten.

Andreas Tietz, Wissenschaftler am Thünen-Institut für ländliche Räume, auf das sich auch das Statistische Bundesamt bei seinen Recherchen bezieht, schiebt das wiederum auf die Tatsache, dass die nicht-landwirtschaftlichen neuen Grundbesitzer nach dem Kauf oft höhere Pachten verlangen könnten. Das wäre ein Motiv für Investoren, mit Agrarland zu handeln.

Die explodierenden Grundstückspreise schließlich entstünden "schlicht durch die erhöhte Konkurrenz um die Ackerflächen", sagte Tietz bereits im Januar dem Rundfunksender MDR. Ein weiterer Grund seien Share Deals.

Warum gerade Ostdeutschland im Fokus der Investoren steht

Neu ist das Thema nicht. Wie weit der Ausverkauf alleine in Ostdeutschland bereits fortgeschritten ist, zeigt der Report "Überregional aktive Kapitaleigentümer in ostdeutschen Agrarunternehmen" des Thünen-Forschungsinstituts von 2017.

Und Ministerin Klöckner hatte bereits auf der Agrarministerkonferenz (AMK) der Länder im September kritisiert, dass Finanzinvestoren Regelungslücken nutzten, um landwirtschaftliche Flächen zu kaufen, die geschlossen werden müssten. Beispiele für Investoren seien die Aldi-Gründerfamilie Albrecht sowie der Rückversicherer Munich Re, zitierte der landwirtschaftlichen Informationsdienst "Proplanta" Klöckner.

Dass gerade die neuen Bundesländer Investoren anziehen, liegt den Thünen-Wissenschaftlern zufolge daran, dass es dort viele Landwirtschaftsbetriebe in Form juristischer Personen gibt, vor allem GmbH oder Genossenschaften. Share Deals lägen auf der Hand.

Agrarbericht der Bundesregierung: für die ländlichen Räume

Laut einem Bericht von Heise Online wird mittlerweile das meiste Land im Osten Deutschlands über Share Deals gehandelt: Anstatt die Ackerfläche direkt zu kaufen, übernehme der Investor mehrheitlich die Anteile der Agrargesellschaft, der das Land gehöre und spare unter Umständen auch die Grunderwerbsteuer.

Viele große Flächen früherer Landwirtschaftlicher Produktionsgenossenschaften (LPG) sind schon an Großunternehmer von außerhalb gegangen, auch an börsennotierte Unternehmen, von staatlichen Fördermitteln bleibt immer weniger vor Ort hängen, wie der aktuelle Agrarbericht der Bundesregierung feststellt: "Diese Entwicklung widerspricht den Zielen der Bundesregierung für die ländlichen Räume".


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dpa
Schlagworte zum Thema:  Investment, Immobilien, Grundstück