01.03.2013 | Top-Thema Digital Real Estate: Die Revolution hat begonnen

Interview mit Dr. Carsten Thies

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Dr. Carsten Thies
Bild: Haufe Online Redaktion

Geschäftsmodelle, Tätigkeitsfelder und Berufsbilder der Immobilienbranche werden sich stark verändern, meint Dr. Carsten Thies. Sechs Fragen an den Vorstandsvorsitzenden der Haufe-Lexware Real Estate AG zum Thema Digital Real Estate.

Herr Dr. Thies, bewirkt die digitale Welt eine Revolution für die Branche?
Dr. Thies: Digitale Informationen spielen in unserer Arbeitswelt eine zentrale Rolle, auch in der Immobilienwirtschaft. Denken Sie nur an die Planung komplexer Projekte, das Management großer Portfolios oder die Vermarktung von Immobilien. Die Verlagerung der Datenverarbeitung in die Cloud wird ein nächster Meilenstein sein. Die Revolution hat bereits begonnen. Sie wird Geschäftsmodelle, Berufsbilder und Tätigkeitsfelder der Immobilienbranche stark verändern.

Heute haben viele Unternehmen nicht einmal einen komplett digitalen Mieterwechsel. Wo ist da die Revolution?
Dr. Thies: Das ist typisch für solche Umbrüche: Sie starten bei Innovationsführern, dort, wo Zugang zu erforderlichem Know-how und Ressourcen besteht oder besonders hoher Wettbewerbsdruck. Dann breiten sie sich sukzessive im Markt aus. Bis zur Massenautomobilisierung in Deutschland dauerte es 75 Jahre. Mit der digitalen Revolution wird es schneller gehen.

Erschwert etwa die App-Schwemme nicht in Wirklichkeit den Workflow?
Dr. Thies: Apps ohne Schnittstellen zu den ERP-Systemen sind nur der erste Schritt. Sie erschweren allerdings den Workflow auch nicht. Immerhin muss ein Übergabeprotokoll auf einem Smartphone nicht mehr handschriftlich ausgefüllt werden. Darin können Fotos integriert und es kann sofort ins Büro gesendet werden. Eine wirkliche Erleichterung erreichen wir allerdings erst durch die Anbindung an die ERP-Systeme.

Wie können CRM-Plattformen und soziale Netzwerke sinnvoll in das Branchen-Business eingebunden werden?
Dr. Thies: Das ist vielschichtig. Als pauschale Antwort so viel: Ziel ist, verfügbare Daten und neue Kontaktmöglichkeiten optimal zu nutzen. Deshalb ist CRM ein Muss. Grundlage jeglichen Engagements in den Social Media ist genaues Monitoring: Wo bewegen sich meine Kunden? Was tun sie dort? Aktivitäten an dieser Stelle müssen in die eigene Vertriebs- und Marketing-Strategie eingebettet sein. Denn ich will einen spürbaren Mehrwert für den Kunden und das Unternehmen schaffen. Ich brauche keinen Datenfriedhof.

Wie verhindern Sie diesen?
Dr. Thies: Es ist Aufgabe der Unternehmensleitung, alle datenverarbeitenden Prozesse in einem integrierten System abzubilden. Dessen konsequente Nutzung muss sie einfordern und durchsetzen.

Wie erkennen Immobilienprofis, ob sie bei Digital Real Estate technisch, finanziell und rechtlich auf der richtigen Fährte sind?
Dr. Thies: Der Weg ist das Ziel. Sie müssen immer weiter gehen, sich kontinuierlich informieren, die technologischen Entwicklungen beobachten – auch in anderen Märkten. Sie sollten neue Dinge ausprobieren, auch wieder verwerfen und natürlich mit den innovativen Anbietern zusammenarbeiten.

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Schlagworte zum Thema:  Prozessoptimierung, Cloud, Immobilienwirtschaft

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