04.02.2013 | Top-Thema Heizend Strom erzeugen - Der Weg zum Blockheizkraftwerk

Die Rolle der Kraft-Wärme-Kopplung für die Energiewende

Kapitel
Bild: Alhovik/shutterstock

Ökologisch ist es sinnvoll, überall dort Strom zu produzieren wo Wärme benötigt wird. In wesentlichen Szenarien spielt die Kraft-Wärme-Kopplung ein wesentliche Rolle zu einer zukünftigen Versorgung mit Wärme und Strom aus 90-100% regenerativen Quellen. Neben öffentlichen Gebäuden und bei Industrieunternehmen gibt es auch in Wohngebäuden ein großes Potential für den Einsatz von BHKWs.

Warum BHKWs?

Strom wird in Deutschland immer noch zu 75% in thermischen Großkraftwerken erzeugt. Ihre Abwärme würde rechnerisch ausreichen, alle Gebäude in Deutschland zu beheizen. Nur 15% der Stromerzeugung stammen aus Kraft-Wärme-Kopplung (KWK), bei der die Abwärme einer nützlichen Verwendung zugeführt wird. Andererseits werden rund 50% (450 TWh/a) des deutschen Gasverbrauchs für die Gebäudeheizung eingesetzt. Das Potenzial zur gleichzeitigen Stromproduktion mit dieser Gasmenge durch effiziente KWK-Anlagen (BHKW) wird damit nicht genutzt. Beträchtliche Möglichkeiten der Minderung von CO2-Emissionen werden also nicht mobilisiert. Darüberhinaus sind BHKWs die flexibelsten Kraftwerke um die schwankende Erzeugung durch Sonne und Wind auszugleichen.

Die Herausforderungen der Energiewende

Konventionelle fossile Kraftwerke können immer seltener ihre Kosten einspielen und neue Kohle- oder Gaskraftwerke rechnen sich bei den derzeitigen Strombörsenpreisen ohnehin nicht mehr. Das führt dazu, dass selbst bestehende Gaskraftwerke immer häufiger still stehen und der meiste Strom auch im Sommer mittels bestehender unflexibler Braun- und Steinkohlekraftwerke erzeugt wird. Der billige Kohlestrom wird (im Vergleich zu KWK) erkauft durch sehr viel höhere CO2-Emissionen.

Das Geschäftsmodell von großen konventionellen Kraftwerken, die 6000 oder mehr Stunden im Jahr laufen gehört der Vergangenheit. Die Zukunft gehört kleinen dezentralen Kraftwerken, die die schwankende Erzeugung von Sonne und Windkraftwerke ausgleicht und Systemdienstleistungen (Spannungs- und Frequenzhaltung) zur Netzstabilität und damit der Versorgungssicherheit übernehmen können.

Energiewende  und Versorgungssicherheit werden zukünftig durch einen intelligenten dezentralen Stromerzeugungsmix aus Erneuerbaren (im Schwerpunkt Wind- und Solarstrom) und Blockheizkraftwerken (BHKW) erreicht.

Statt die dezentrale, aufeinander abgestimmte Erzeugung vor Ort zu forcieren, setzt die Bundesregierung auf Großtechnologien wie den Bau neuer Übertragungsnetze, teurer Windkraftanlagen auf hoher See sowie, wenn es nach Umweltminister Altmaier geht, sogar auf den Bau neuer Kohlekraftwerke. Hinzu kommen Erleichterungen für große Energieverbraucher bei der EEG-Umlage, bei Netzentgelten sowie bei CO2-Zertifikaten. Eine kostengünstige Energiewende wird damit verhindert. So dezentral wie möglich und nur so zentral wie nötig müsste das eigentliche Ziel lauten.

Politiker, wie der Baden-Württembergische Umweltminister Franz Untersteller befürchten vor allem in Baden-Württemberg und Bayern Kapazitätsengpässe bis 2020 und fordern einen Kapazitätsmarkt. Das von der Landesregierung Baden-Württemberg dazu in Auftrag gegebene Gutachten der LBD Beratungsgesellschaft Berlin schlägt die Ausschreibung der fehlenden Kapazitäten am Strommarkt vor. Die fehlenden Deckungsbeiträge werden in einer Größenordnung in Höhe von 114 EUR pro kW und Jahr geschätzt. Diese Kosten sollen dann z.B. über die Netzentgelte oder eine weitere Umlage auf alle Stromkunden umgelegt werden.

Ein vom Institut für Zukunftsenergiesysteme IZES (2012) erstelltes Gutachten kommt dagegen zum Ergebnis, dass das Kraft-Wärmekopplungs-Gesetz (KWKG) bereits "als selektiver Kapazitätsmechanismus zum Aufbau neuer hocheffizienter und ökologischer Kraftwerkskapazitäten begriffen werden“ kann

Schlagworte zum Thema:  Wärmeversorgung, Energiewende

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