04.02.2013 | Top-Thema Heizend Strom erzeugen - Der Weg zum Blockheizkraftwerk

BHKW = Strom und Wärme vor Ort - Erzeugen Sie Ihren Strom selbst!

Kapitel
Organisation einer Gemeinschaft zur Eigenstromerzeugung
Bild: Solares Bauen GmbH

Obwohl BHKWs in vielen Fällen auch in Wohngebäuden wirtschaftlich und ökologisch sinnvoll wären, werden zu wenige gebaut.

Kleine BHKWs bestehen im Wesentlichen aus einem umgebauten Auto­, LKW- oder Schiffsmotor mit einer großen „Lichtmaschine“, dem stromerzeugenden Generator. Insbesondere die Kleinsten sind aber vergleichsweise teuer. Ein Mini-BHKW mit einer elektrischen Leistung von 20 kW kostet etwa 40.000 Euro. Ein VW Golf mit vergleichbarer Motorleistung kostet dem gegenüber nur ca. 17.000 Euro. Der Grund ist, dass Mini-BHKWs bisher nur in kleiner Stückzahl gebaut werden, sozusagen in vorindustrieller Manufaktur.

2010 wurden (BAFA 2011) lediglich 3.259 Neuanlagen mit einer elektrischen Leistung zwischen 5-2000 kW registriert (davon <10 kWel. 1888, 10-50 kW 1038, 50-2000 kWel. 33). Im Vergleich dazu wurden 2010 4,5 Mio. PKW produziert und in Deutschland stehen jährlich etwa 600.000 Heizungserneuerungen pro Jahr an. Wenn die Nachfrage nach BHKWs steigt, wird dies auf Grund sinkender Stückzahlen zu einer stärkeren Verbreitung dieser Technologie, der stromerzeugenden Heizung, führen!

Die Wirtschaftlichkeitsberechnung für ein BHKW verlangt heute die Berücksichtigung zahlreicher Einzelfaktoren, die vielfältigen Förderbedingungen erfordern komplexe Berechnungen. Dies erschwert gegenüber Auftraggeber und Entscheidungsträgern eine transparente und plausible Darlegung der Wirtschaftlichkeitsrechnung und der Risiken erheblich.

Im Folgenden möchten wir Hinweise geben, wie man unter den gegebenen Rahmenbedingungen auch in Wohn-, Büro  oder Gewerbegebäuden BHKWs wirtschaftlich umsetzen kann.

Gesetzliche Grundlagen

Der Gesetzgeber hat mit der Novelle des Energiewirtschaftsgesetzes (EnWG) vom 28.Juli 2011 den Begriff der Kundenanlage in § 3 Nr. 24 des EnWG eingeführt. Eine Kundenanlage nach § 3 Nr. 24a EnWG liegt vor, wenn es sich um eine Energieanlage handelt, die überwiegend zur Energieversorgung eines räumlich zusammengehörenden Gebietes dient. Ziel des Gesetzgebers war es, Kundenanlagen von den Vorgaben des EnWG zu entlasten. Die bisherigen Entscheidungen der Bundesnetzagentur zeigen, dass viele Netze unter die Kategorie der Kundenanlage gerechnet werden können. Eingeschlossen sind Verteileranlagen der Letztverbraucher. In Kundenanlagen fallen KWK- (0,126 ct/kWh), Offshore-Umlage (0,25 ct/kWh), Netzentgelte ( 3 bis 6,7 ct/kWh) für den eigenerzeugten Strom nicht an. Erfolgt keine Stromlieferung aus dem BHKW an Letztverbraucher, sondern erzeugen diese sich den Strom selbst, entfällt auch die EEG Umlage (2013: 5,277 ct/kWh). Mit der Eigenstromnutzung werden viele BHKWs wirtschaftlich, die es nicht wären, wenn sie den erzeugten Strom vollständig in das Netz des jeweiligen Stromversorgungsunternehmens einspeisen müssten.  

Voraussetzungen der Kundenanlage

Als „Kundenanlagen“ können typischerweise z.B.  Anlagen in Mehrfamilienhäusern, Hotels oder Unternehmen zur betrieblichen Eigenversorgung angesehen werden. Eine Kundenanlage kann sich, so die Bundesnetzagentur, auch außerhalb von Gebäuden über ein größeres Grundstück (Bundestagsdrucksache 17/6072, S. 51) oder mehrere Grundstücke erstrecken. Entscheidend sei die Mindestvoraussetzung einer gewissen räumlichen Zusammengehörigkeit (Beschluss vom 7. November 2011 – Az BK6 – 10/208).

Ebenfalls nach EnWG hat jeder angeschlossene Letztverbraucher auch bei einer Kundenanlage das Recht, seinen Energielieferanten frei zu wählen. Betreiber einer Kundenanlage müssen also jedem Energieanbieter gestatten, die an die Kundenanlage angeschlossenen Letztverbraucher im Wege der Durchleitung mit Energie zu versorgen. Jeder Letztverbraucher, der von der günstigeren Eigenstromerzeugung profitieren möchte, muss freiwillig der Gesellschaft zur Eigenstromerzeugung (Eigenstrom GbR) beitreten.
Kernstück dieser Organisationform ist, dass sich die Stromverbraucher den benötigten Strom mit BHKW selbst erzeugen und dieses betreiben sowie den Zusatzstrom einkaufen. Da mehrere Mieter oder Eigentümer das BHKW gemeinsam betreiben und den Zusatzstrom einkaufen, werden diese per se zu einer Gesellschaft Bürgerlichen Rechts (GbR). Mieter und Eigentümer, die den im BHKW erzeugten Strom nutzen möchten, können ihr beitreten, müssen es aber nicht (Schema 1). Vorteil des Beitritts sind ca. 10-15% geringere Stromkosten für Mitglieder der GbR. Um den bürokratischen Aufwand überschaubar zu halten, sind vor allem einige steuerliche Auswirkungen des Einsatzes eines BHKWs bei der vertraglichen Ausgestaltung einer Gesellschaft zu Eigenstromerzeugung zu beachten.

Die Eigenstrom-GbR wird so umgesetzt, dass am Ende des Jahres die GbR gegenüber dem Finanzamt weder einen Gewinn noch einen Verlust versteuern muss. Die Nutzer des BHKW bezahlen die Wartung, den Zusatzstrom, die Miete für das BHKW und den benötigten Brennstoff. Nach Abzug der Einnahmen Überschussstrom, KWK-G Zulage und der Brennstoffsteuererstattung liegen die Kosten deutlich z.B. - 10% bis 20% - unter den Kosten für den Strombezug aus dem öffentlichen Netz.

BHKW-Eigentümer kann der Gebäudeeigentümer sein oder aber auch ein Dritter (Contracting) wie z.B. eine Energiegenossenschaft. Ist der BHKW-Eigentümer ein Dritter so kann der Gebäude-Eigentümer, wie z.B. eine Wohnungseigentümergemeinschaft eigene Investitionen sparen. Für den Fall, dass der BHKW-Eigentümer eine Energiegenossenschaft ist, können auch die Nutzer des BHKWs sich am unternehmerischen Risiko/Gewinn des BHKWs beteiligen.

Für viele Finanzämter sind BHKWs, welche vermietet und zur Eigenstromerzeugung genutzt werden, noch keine Routine. Bei richtiger steuerlicher Gestaltung kann der BHKW-Eigentümer auf Antrag die Vorsteuer (Umsatzsteuer) aus den Anschaffungskosten und Betriebskosten erstattet bekommen, Einkommenssteuer sparen und im Einzelfall durch geringere Steuervorauszahlungen auch Eigenkapitalanteile ersetzen oder die Kreditaufnahme senken.

Der steueroptimierte Betrieb eines BHKW im eigenen Haus erfordert andere Gestaltungen als die Versorgung einer Wohnanlage durch eine Betreibergesellschaft oder Wohnungseigentümergemeinschaft (WEG).

Notwendige Verträge zur Eigenstromerzeugung im Rahmen eine Kundenanlage

1.Gesellschaftsvertrag der Gesellschaft zur Eigenstromerzeugung (Eigenstrom-GbR) regelt u. a. den Eintritt und Austritt von Gesellschaftern, die Aufgaben des geschäftsführenden Gesellschafters (z. B.: Einkauf Brennstoff und Zusatzstrom, Abrechnung Eigenstromnutzung, Betriebsführung) sowie haftungsrechtliche Dinge.

2. Gestattungsvertrag mit Grunddienstbarkeit der Eigenstrom-GbR mit dem Gebäudeeigentümer
Vereinbarungen zur Gestattung der Installation, der Unterhaltung und des Betriebes des installierten Blockheizkraftwerkes, regelt unter anderem dass das BHKW nicht zum Gebäudeeigentum gehört.

3. Vertrag zwischen der Eigenstrom-GbR mit dem Eigentümer des BHKW über die Nutzungsüberlassung des BHKW

4. Netzanschluss-, Netznutzungs- und Anschlussnutzungsvertrag sowie Stromeinspeisevertrag für den Überschussstrom der Eigenstrom-GbR mit dem örtlichen Stromnetzbetreiber

5. Stromliefervertrag der Eigenstrom-GbR mit einem Stromlieferanten zum Bezug von Zusatzstrom

6. Wärmelieferungsvertrag der Eigenstrom-GbR mit dem Gebäudeeigentümer über die BHKW-Wärme

7. Betriebsführungsvertrag der Eigenstrom-GbR mit dem Eigentümer des BHKW oder einem Dritten zur Betriebsführung des BHKWs

12 Schritte zu Ihrem BHKW!

1. Vor-Ort-Check: Eignungsuntersuchung Objekt (Platz, Lärm, Wirtschaftlichkeit).

2. Mieter informieren! (Kellerparty, Absichtserklärung zum freiwilligen Beitritt in die Eigenstromerzeugungsgesellschaft einholen.)

3. Energiekonzept

Entscheidung (Einbau BHKW, Vermietung des BHKWs, Allgemeinstrom-Eigenerzeugung)

4. Beauftragung Dienstleister für Eigenstromerzeugungsmodel, Steuerliche Ausgestaltung klären

5. Planung, Ausschreibung, Angebote einholen (Zusatzstrom, Gas, Finanzierung etc.).

6. Beantragung Förderungen z.B. BAFA-Miniprogramm, EWS Zuschuss für Überschussstrom.

7. Verträge mit BHKW/Gebäude-Eigentümer abschließen und Beitrittserklärungen einholen.

8. Beauftragung BHKW.

9. Externe Verträge abschließen (Zusatzstrom-, Einspeisung, Gasbezug).

10. Anmeldungen etc. (BAFA, Netzbetreiber, Finanzamt etc.)

11. Einweihung des BHKWs

12. Jährliche Abrechnung

Für einen reibungslosen Ablauf wird die Begleitung aller 12 Schritte durch einen externen Dienstleister mit nachgewiesener Expertise empfohlen!

Schlagworte zum Thema:  Wärmeversorgung, Energiewende

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