01.03.2013 | Projekt

Stadt Hamburg und Hochtief erneuern Elbphilharmonie-Vertrag

Die Gesamtabgabe des umstrittenen Konzerthauses ist nun zum 30.10.2016 garantiert
Bild: Lisa Schwarz ⁄

Hamburg hat den Vertrag mit Hochtief zum Weiterbau der Elbphilharmonie im Internet veröffentlicht. Der Vereinbarung sieht etwa vor, dass Hochtief bis zum 30.6.2016 den Konzertbereich der Elbphilharmonie an die Stadt übergibt und die Gesamtabnahme bis zum 30.10.2016 garantiert.

Zudem übernimmt Hochtief sämtliche Planungs- und Baurisiken. Die Stadt Hamburg und der Essener Baukonzern hatten sich jahrelang um Kostenexplosionen, Stillstand und Zeitverzögerungen auf Hamburgs berühmtester Baustelle gestritten. Am Freitagmorgen hatte der Senat schließlich verkündet, eine vertragliche Neuordnung des Projektes mit Hochtief sei gelungen. Unter www.hamburg.de/kulturbehoerde ist die Vereinbarung nun für jeden einsehbar. "Es ist verhandelt, und es ist allen zu danken, die in harter Arbeit erkennbare und Mut machende Fortschritte erzielt haben", sagte Hamburgs Bürgermeister Olaf Scholz (SPD) am Freitag.

Hochtief hat die Vereinbarung positiv bewertet. "Der neue Vertrag löst die strukturellen Probleme des Projekts", sagte Hochtief-Sprecher Bernd Pütter am Freitag. "Wir übernehmen mehr Verantwortung und können uns jetzt auf unsere Arbeit konzentrieren." Seit fast eineinhalb Jahren ruhen die Arbeiten auf der Baustelle der Hamburger Elbphilharmonie. Die Stadt und der Baukonzern streiten sich seit Jahren um Kostenexplosionen und Zeitverzögerungen bei dem Prestigeprojekt. Sollte die Elbphilharmonie ersten Schätzungen zufolge den Steuerzahler 77 Millionen Euro kosten und 2010 fertig sein, liegen die Kosten mittlerweile bei mindestens 575 Millionen Euro, die Eröffnung wurde auf 2017 verschoben. Nach Medienberichten könnten die Kosten auf mehr als 600 Millionen Euro steigen. Damit würde die Elbphilharmonie von den Kosten her das bisher größte deutsche Kulturprojekt - die Rekonstruktion des Berliner Schlosses - übertreffen. Für das Berliner Projekt waren bislang 590 Millionen Euro veranschlagt.

Für einen erneuten Nachschlag von 198 Millionen Euro übernimmt der Baukonzern sämtliche Risiken und stellt die Elbphilharmonie gemeinsam mit den Schweizer Architekten Herzog & de Meuron fertig, die Stadt zieht sich nahezu komplett zurück. Auch für die zuletzt strittige Akustik des Konzertsaals will der Konzern Medienberichten zufolge eine Garantie übernehmen, solange es sich dabei um messbare Bauleistungen handelt.

Kritik an der Vereinbarung kam von den Hamburger Grünen. "Bisher können wir nicht erkennen, dass diese Neuordnung alle Probleme löst", sagte Fraktionschef Jens Kerstan. "Beim Bau des Konzerthauses drohen weitere Millionenkosten – bei der Haustechnik, beim Bausoll und beim Facility Management. Der Bürgermeister muss erklären, warum Hochtief trotz der hohen Einigungssumme die Möglichkeit bekommt, minderwertige Qualität abzuliefern."

Das gläserne Konzerthaus auf einem alten Speicher im Hamburger Hafen, mit integriertem Luxushotel und 45 Eigentumswohnungen, soll einmal zu den zehn besten Konzerthäusern der Welt gehören. Der Große Konzertsaal mit 2.150 Plätzen ist nach dem Weinberg-Prinzip gebaut, mit einer Bühne in der Mitte, die von terrassenförmigen Publikumsrängen umgeben ist. Für die Akustik wurde mit dem Japaner Yasuhisa Toyota einer der besten Akustiker der Welt engagiert.

Bevor es mit den Bauarbeiten weitergehen kann, muss jedoch noch die Bürgerschaft über das Projekt entscheiden. Sie will die Verträge gründlich prüfen und auch Experten anhören, bevor es zu einer Abstimmung kommt.

Schlagworte zum Thema:  Immobiliendienstleister, Elbphilharmonie, Projektentwicklung

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