08.03.2016 | Top-Thema Smart City: Die vernetzte Stadt

Interview mit Kai Zimprich von JLL Deutschland: „Effizienter, schneller, schlanker“

Kapitel
Kai Zimprich kümmert sich bei JLL Deutschland für den Digitalen Wandel.
Bild: Jones Lang LaSalle Deutschland

Kai Zimprich kümmert sich beim Immobilienberater JLL Deutschland um den Digitalen Wandel, seit November mit einem eigenen, neu geschaffenen Geschäftsbereich. Den Aufschwung des Themenfelds hat der 41 Jahre alte Diplom-Geograph am eigenen Leibe miterlebt – er arbeitet seit seinen Studienjahren bei JLL Deutschland.

Herr Zimprich, Sie verantworten seit kurzem bei JLL den Bereich Digital Services Germany. Was genau machen Sie?

Letztlich bin ich für die digitale Transformationsstrategie von JLL in Deutschland verantwortlich. Die Schwerpunkte ruhen zusammengefasst auf der Überführung analoger in digitale Business-Prozesse und dem Datenmanagement. Gerade die Verzahnung von unterschiedlichen Rohdaten hat eine wesentliche Bedeutung, um hieraus Tools, Produkte oder Dienstleistungen zu optimieren. Hierfür bin ich ebenfalls zuständig.

 

Wie genau profitieren die Kunden davon?

Wir werden effizienter, schneller, schlanker. Fast jeder nutzt heutzutage das Internet oder ein Smartphone als Alltagshilfe oder gar Organisator. Dieses Verhalten durchdringt natürlich auch die Business-Welt, und die Erwartungshaltung der Kunden steigt. Dabei geht es ihnen weniger um neue Tools oder Softwarelösungen, die technische Welt ist für viele schon verwirrend genug. Kunden sehen Bedarf in Beratung und Flexibilisierung, und diese hätten sie verständlicherweise schneller und in optimaler Qualität als bisher.

 

Wie gehen Sie intern mit den Datenmassen um?

Die Verfügbarkeit von Daten und Informationen hat in den letzten Jahren tatsächlich enorm zugenommen. Neben den Informationen, die unsere Berater und Makler stetig generieren, und jenen, die man öffentlich erwerben kann, liefert alleine unser eigenes Gewerbeimmobilienportal täglich eine riesige Menge weiterer Daten. Es ist wichtig zu verstehen, dass Daten ein elementarer Bestandteil jedes Geschäftsprozesses sind. Diese Daten gilt es, nutzbar zu machen. Hierfür verwenden wir eigene Dashboards und Reporting Tools. Unser Ziel ist es, aus Daten neues Wissen zu generieren, das wir unseren Kunden beratend zur Verfügung stellen. Ich bin also Berater und Kunde gleichzeitig, wirke intern und extern.

 

Wie schaffen Sie es, den Überblick zu behalten?

Das wichtigste ist, sich nicht zu verzetteln und eine Strategie zu haben. Wir wollen keinen „Digitalbereich“ schaffen, der losgelöst von unseren Geschäftsabteilungen steht und eventuell nur Bürokratie aufbaut. Genauso reicht es nicht aus, sich eine eigene Website zum Beispiel zur Online-Vermarktung von Immobilienangeboten zu schaffen, nicht aber zu wissen, wie man diese erfolgreich betreibt. Die digitale Strategie verbindet und vernetzt vielmehr alle Geschäftsbereiche und muss Bestandteil der Unternehmensstrategie sein.

 

Wenn alles effizienter und verzahnter wird – sparen Sie dank der Digitalisierung Ressourcen ein?

Das denkt man vielleicht, aber zunächst bedeutet jeder Wandel Investitionen. Bisher hat die Immobilienbranche ja als sehr tradierte, konservative funktioniert und es gab, wenn überhaupt, wenig Veränderung. Der Wandel wird durch neue Online-Geschäftsmodelle von Start-ups beschleunigt. Schnell, flexibel, unkonventionell und mit neuen Ansätzen stehen sie bereit, in den Markt einzutreten. Auf diese Konkurrenz müssen wir uns einstellen. Auch neue Technologien wie z. B. 3D oder Sensorik bringen grundsätzlich Effizienzsteigerung und damit mittelfristig Kostenersparnisse, verlangen jedoch zunächst ein hohes Maß an personellem und finanziellem Input.

 

Wann ist der Wandel eigentlich geschafft?

Vermutlich nie – es geht um einen dauerhaften Prozess. Wir etwa haben vor drei Jahren zu zweit angefangen, uns dem digitalen Wandel in unserer Branche – im Kleinen –zu stellen. Aktuell sind wir zehn Kolleginnen und Kollegen, die sich täglich hiermit beschäftigen, sowie weitere fünf Mitarbeiter im Bereich Daten Management. Der Umgang mit Daten und Informationen und daraus resultierenden Produkten und Dienstleistungen wird sich intern und bei unseren Kunden weiter verändern – damit werden sich auch uns ständig neue  Herausforderungen stellen.


Dieser Text ist im Fachmagazin "Immobilienwirtschaft", Ausgabe 03/2016, erschienen.

Schlagworte zum Thema:  Stadtentwicklung, Energiemanagement, Green Building, Nachhaltigkeit

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