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Deutsche Wohnen: Vorstand und Aufsichtsrat sprechen sich gegen Vonovia-Angebot aus

Deutsche Wohnen: Vorstand und Aufsichtsrat halten die strategische Ausrichtung des unabhängigen Konzerns für erfolgsverprechender
Bild: Deutsche Wohnen

Vorstand und Aufsichtsrat der Deutsche Wohnen empfehlen den Aktionären, das Vonovia-Angebot nicht anzunehmen. Die Gremien halten das Übernahmeangebot der Vonovia als unvereinbar mit den Interessen von Führung, Aktionären und Arbeitnehmern der Deutsche Wohnen. Ausgestaltung und Höhe des Angebots seien unangemessen. Auch der Deutsche Mieterbund äußerte sich kritisch.

Diese Position wird durch die beratenden Banken gestützt, die in ihren Stellungnahmen zu dem Schluss kommen, dass die Gegenleistung aus finanzieller Sicht für die Aktionäre der Deutsche Wohnen nicht angemessen ist.

Die angebotene Gegenleistung von 14 Milliarden Euro reflektiert nach Ansicht des Vorstands und des Aufsichtsrats das Wertpotenzial des Deutsche Wohnen-Konzerns nicht, die angebotene Gegenleistung stelle einen signifikanten Abschlag dar.

Auch die mit der Gegenleistung gebotene Prämie auf den Aktienkurs liege unterhalb der gezahlten Prämien bei vergleichbaren Transaktionen im deutschen Wohnimmobiliensektor und bedeute sogar einen Abschlag gegenüber dem Median der Kursziele von Analysten.

Vorstand und Aufsichtsrat halten nur knapp 25 Prozent der von der Vonovia in den Raum gestellten Synergien für tatsächlich realisierbar.

Fehlende unternehmerische Attraktivität

Die strategische Ausrichtung der Deutsche Wohnen in Bezug auf Portfolio und Finanzierung grenze sich stark von der Positionierung der Vonovia ab, heißt es in der Stellungnahme. Vorstand und Aufsichtsrat halten die strategische Ausrichtung des unabhängigen Konzerns und dessen Zukunftsaussichten für erfolgsversprechender als die der Vonovia oder die der kombinierten Unternehmen.

Anhand der von Vonovia in der Angebotsunterlage dargelegten Absichten und Ziele konnten Vorstand und Aufsichtsrat nicht erkennen, wie das Angebot und eine mögliche Konsolidierung von Deutsche Wohnen durch Vonovia die Position der Aktionäre, der Mitarbeiter, der Mieter oder die Wettbewerbsposition der Deutsche Wohnen verbessern soll. Für die Aktionäre der Deutsche Wohnen, die das Angebot annehmen, bestehe vielmehr die Gefahr, dass sie die derzeitige Bewertungsprämie aufgrund dieser Verwässerung ganz oder teilweise verlieren.

Außerdem würden sich die Finanzierungsbedingungen der Deutsche Wohnen durch eine Übernahme verschlechtern. Die jüngst erfolgte Refinanzierungsmaßnahme der Vonovia zeige, dass Vonovia sich nur zu deutlich schlechteren finanziellen Parametern refinanzieren kann als die Deutsche Wohnen und Vonovia zur Optimierung der Zinskosten geringe Laufzeiten und mithin ein erhöhtes Risikoprofil in Kauf nimmt.

Mieterbund sieht geplanten Milliarden-Deal kritisch

Die geplante Übernahme der Deutsche Wohnen AG mit rund 160.000 Wohnungen durch die Vonovia, mit bisher schon 370.000 Wohnungen Deutschlands größter Vermieter, sieht auch der Deutsche Mieterbund DMB) kritisch.

"Durch diese Art des Wohnungshandels, durch An- und Verkäufe von Wohnungen und Wohnungsunternehmen, werden Unsummen bewegt, entsteht aber keine einzige neue Wohnung in Deutschland", so der DMB-Bundesdirektor, Lukas Siebenkotten. Gleichzeitig drohten dem Fiskus dadurch Einnahmeverluste bei der Grunderwerbssteuer in mittlerer dreistelliger Millionenhöhe.

"Vonovia will weniger als 95 Prozent der Deutsche-Wohnen-Aktien übernehmen, so dass keine Steuerpflicht besteht (Share Deals)", sagt Siebenkotten. Statt in den dringend benötigten Wohnungsneubau zu investieren, würden 160.000 Bestandswohnungen von einem börsennotierten Unternehmen zum anderen verschoben. Eine zumindest teilweise Refinanzierung des Kaufpreises könnte zudem Mietsteigerungen oder geringere Investitionen in Instandhaltung und Instandsetzungen nach sich ziehen.

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Schlagworte zum Thema:  Wohnungsunternehmen, Übernahme

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