| Unternehmen

Benko übernimmt Karstadt komplett

Berggruen (links): "Machen den Weg frei für Neuanfang mit neuem Eigentümer"
Bild: Berggruen Holdings

Der österreichische Investor René Benko kauft die angeschlagene Warenhauskette Karstadt für nur einen Euro. Die 83 Filialen sollen vom bisherigen Eigentümer Nicolas Berggruen übernommen werden. Inzwischen hat Arbeitsdirektor Kai-Uwe Weitz, der Karstadt zuletzt zusammen mit Finanzvorstand Miguel Müllenbach leitete, bekannt gegeben, dass er den Konzern verlassen wird.

Gerüchte über den Verkauf an Benko hatte es bereits im Vorfeld gegeben. Auch die verbliebenen Anteile an den Karstadt-Premium-Kaufhäusern und Karstadt Sports sollen an Signa gehen. Der Kaufpreis beträgt laut Berggruen Holdings einen Euro.

Berggruen, der Karstadt im Jahr 2010 ebenfalls für den symbolischen Preis von einem Euro aus der Insolvenz übernommen hatte, wird sich komplett aus dem Unternehmen zurückziehen. Der deutsch-amerikanische Finanzinvestor betonte, trotz aller Bemühungen sei es ihm nicht gelungen, Karstadt nach der Übernahme aus den roten Zahlen zu führen. "Wir machen daher den Weg frei für einen Neuanfang mit einem neuen Eigentümer."

Sanierungsbedarf enorm

Signa habe bislang bereits rund 200 Millionen Euro in Karstadt investiert und damit ein klares Bekenntnis zur Zukunft des Unternehmens abgelegt. Der Geschäftsführer der Signa Retail GmbH, Wolfram Keil, sagte: angesichts des bisherigen Engagements sei die komplette Übernahme der Karstadt Warenhaus GmbH in der aktuellen Lage die "logische Konsequenz". Signa übernehme damit auch die operative Verantwortung und verschaffe dem Unternehmen Klarheit über die künftige Eigentümerstruktur.

Wichtigstes Ziel sei es jetzt, dass im Warenhauskonzern Ruhe einkehre und die nächsten Schritte einer tragfähigen Sanierungsstrategie zügig beraten, verabschiedet und umgesetzt würden. Der Gesamtbetriebsrat glaubt auch mit dem neuen Eigentümer Benko an ein Überleben der Warenhaus-Kette mit noch 17.000 Beschäftigten. "Karstadt hätte auch mit einem Eigentümer René Benko eine Zukunft", sagte Gesamtbetriebsratschef Hellmut Patzelt am Freitag dem Fachmagazin "TextilWirtschaft". Der Betriebsrat habe Vorschläge für die künftige Strategie des Konzerns. Offen sei aber, wie es mit den Sanierungsplänen weitergehe.

Interimschef verlässt Konzern

Nur wenige Tage nach der Übernahme kommt es zu ersten Veränderungen in der Führungsspitze. Arbeitsdirektor Kai-Uwe Weitz, der Karstadt nach dem überraschenden Weggang von Eva-Lotta Sjöstedt zusammen mit Finanzvorstand Miguel Müllenbach leitete, verlässt den Konzern «in beiderseitigem Einvernehmen». Das teilte die Karstadt Warenhaus GmbH mit und bestätigte damit einen Bericht von «Spiegel Online». Der Aufgabenbereich von Weitz soll vorübergehend von Müllenbach mit übernehmen, erklärte das Unternehmen.

Schlagworte zum Thema:  Immobiliendienstleister

Aktuell

Meistgelesen