05.09.2012 | Darmstadt

Staatsanwalt verliest Anklage im zweiten Schrottimmobilien-Prozess

"Hemmungslose, von Gier getriebene Bereicherung"
Bild: Haufe Online Redaktion

Wegen unzähliger Betrügereien mit Schrottimmobilien hat das Landgericht Darmstadt eine Banden-Chefin bereits zu zwölfeinhalb Jahren Haft verurteilt. In einem neuen, zweiten Prozess begann am Mittwoch die Staatsanwaltschaft am zweiten Verhandlungstag damit, Anklagen zu verlesen.

Verantworten müssen sich nun sieben Angeklagte. Sie sollen ähnlich getrickst haben wie schon die Verurteilten im ersten Verfahren. Auch diese mutmaßliche Bande habe Häuser und Wohnungen jahrelang zu überhöhten Preisen verkauft und hohe Kredite unter anderem mit gefälschten Unterlagen erschwindelt.

In dem vor zwei Jahren begonnenen Mammut-Prozess müssen auch alle acht anderen Angeklagten - unter ihnen frühere Notare - in Haft, die meisten zwischen vier und sechs Jahren. "Es war eine hemmungslose, von Gier getriebene Bereicherung", sagte der Vorsitzende Richter Rainer Buss am Dienstag.

Banken sei ein Schaden von rund sieben Millionen Euro entstanden, teilte das Gericht mit. Die Käufer hätten die Taten meist in den finanziellen Ruin geführt. Der Fall habe in Sachen Schrottimmobilien-Betrug "bislang bekannte Dimensionen gesprengt, es gab tonnenweise urkundliches Material", sagte Buss. Verhandelt wurden mehr als 120 Tage. Die Kammer folgte für die 46 Jahre alte Hauptangeklagte fast genau dem Antrag der Staatsanwaltschaft, die 13 Jahre verlangt hatte.

Die Bande hatte nach den Worten von Buss über Zeitungsannoncen "notleidende Kreditsuchende" aus ganz Deutschland angelockt, eine wertlose Immobilie "auf dem Papier aufgehübscht" und diese gleich mit angedreht. Käufer wie Kreditgeber seien "auf atemberaubende Weise" getäuscht und belogen worden, "über Jahre hinweg mit höchster krimineller Energie", so der Richter weiter.

Schlagworte zum Thema:  Urteil, Schrottimmobilie, Prozess

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